Versicherungsschutz
Darstellung einer häuslichen Pflegesituation © DGUV / Wolfgang Bellwinkel

Unfallversicherungsschutz für Pflegende

Knapp 75 Prozent aller Pflegebedürftigen werden zu Hause von Angehörigen versorgt. Unterstützung bieten die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung.

Häusliche Versorgung Die Gesellschaft wird immer älter – und damit steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen. Viele Angehörige übernehmen Aufgaben der häuslichen Pflege, auch neben dem Beruf. Die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung unterstützen sie dabei.

Laut Statistischem Bundesamt wurden 2015 rund 1,38 Millionen Pflegebedürftige von Angehörigen häuslich versorgt. Dies kann insbesondere dann eine große Belastung darstellen, wenn die Pflegeperson berufstätig ist. Daher hat der Gesetzgeber verschiedene Möglichkeiten für Arbeitnehmerinnen und Arbeit­nehmer geschaffen, um für Unterstützung zu sorgen. Folgende Modelle gibt es:

Kurzzeitige Arbeitsverhinderung: Berufstätige können der Arbeit im Falle einer akut auftretenden Pflegesituation bis zu zehn Arbeitstage pro Jahr fernbleiben.

Pflegezeit: In Unternehmen mit mehr als 15 Beschäftigten können sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bis zu sechs Monate teilweise oder vollständig für die Pflege freistellen lassen.

Familienpflegezeit: Beschäftigte in Unternehmen mit mehr als 25 Angestellten können bis zu 24 Monate Familienpflegezeit in Anspruch nehmen. Die Mindestarbeitszeit beträgt dann 15 Stunden pro Woche.

Versicherungsschutz. Menschen, die sich unentgeltlich um eine pflegebedürftige Person kümmern, sind in vielen Fällen gesetzlich unfallversichert. Grundsätzlich gilt: Unfallversichert ist, wer eine pflegebedürftige Person mit mindestens Pflegegrad 2 nicht erwerbsmäßig regelmäßig mindestens zehn Stunden pro Woche an wenigstens zwei Wochentagen in häuslicher Umgebung pflegt.

Versicherte Tätigkeiten

Von der Versicherung abgedeckt sind beispielsweise auch Fahrten zur Wohnung der pflegebedürftigen Person, notwendige Begleitung zu Arztbesuchen, das Helfen bei der Haushaltsführung und anderen alltäglichen Verrichtungen. Dazu gehört etwa auch, die pflegebedürftige Person bei Behördengängen zu begleiten oder sie bei der Hygiene und beim Essen zu unterstützen. Der Versicherungsschutz erstreckt sich zudem auf Berufskrankheiten, die aufgrund der Pflegetätigkeit entstehen.

Nicht abgedeckt sind hingegen Unfälle bei Tätigkeiten, die nicht unmittelbar mit der Pflege und der Haushaltsführung zu tun haben. Dazu zählen beispielsweise Freizeitaktivitäten wie Spaziergänge und Kinobesuche.

Verhalten nach Unfall

Ereignet sich doch einmal ein Unfall während der versicherten Tätigkeit, dann sollte die pflegende Person einen Durchgangsarzt der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen aufsuchen. Wichtig ist, anzugeben, dass sich der Unfall während der häuslichen Pflege ereignet hat. Außerdem sollten Pflegende den zuständigen Träger der Unfallversicherung informieren. Diese Meldung erfolgt über die Verwaltung der örtlichen Gemeinde.

Prävention

Einige Unfallversicherungsträger bieten spezielle Unterstützungsmaßnahmen an, um Unfällen und Berufskrankheiten vorzubeugen. Zum Beispiel hat die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen das Internetportal www.sicheres-pflegen-zuhause.de eingerichtet. Hier können pflegende Angehörige sich darüber informieren, wie sie die häusliche Umgebung der zu Pflegenden sicher gestalten und worauf sie achten müssen, um nicht ihre eigene Gesundheit zu gefährden.

Generell ist es zum Beispiel wichtig, dass Pflegende auf korrektes Heben und Tragen der Pflegebedürftigen achten. Auch die psychische Belastung ist oft hoch, weswegen Pflegende es nicht aus dem Auge verlieren sollten, weiterhin soziale Kontakte zu unterhalten, sich ausreichend Freiräume zu schaffen und sich rechtzeitig selbst Hilfe zu holen.