Gesundheitsschutz
Allergene am Arbeitsplatz © Fotografie Schulzki

Allergien am Arbeitsplatz

Allergien sind weltweit auf dem Vormarsch. Auch am Arbeitsplatz gibt es allergieauslösende Stoffe. Durch die Einhaltung von Schutzmaßnahmen lassen sich die gesundheitlichen Risiken verringern.

Beruflich bedingte Allergien betreffen die Arbeitswelt in vielen Bereichen: Mittlerweile sind mehr als 250 Arbeitsstoffe als potenzielle Auslöser einer Inhalationsallergie vom Soforttyp beschrieben. Bei dieser Form reagiert das Immunsystem meist nach wenigen Minuten auf das Allergen – etwa durch Asthmaanfälle, Fließschnupfen oder Nesselsucht. „Es gibt eine Vielzahl verschiedenster Arbeitsstoffe, Einzelsubstanzen und Stoffgemische, die als potenzielle Auslöser einer beruflichen Atemwegsallergie in Frage kommen“, erklärt Prof. Dr. Monika Raulf, Leiterin des Kompetenz-Zentrums Allergologie/Immunologie des Instituts für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV (IPA) in Bochum. Doch obwohl immer wieder neue Stoffe, die potenziell eine Allergie auslösen können, in Arbeitsprozesse eingeführt werden, spielen am Arbeitsplatz nach wie vor die altbekannten Auslöser wie Mehlstäube, Tierhaare, Enzyme, Holzstäube, Hausstaubmilben und Schimmelpilze eine große Rolle.

Allergene Substanzen

Betroffene Branchen sind vor allem die Herstellung und Verarbeitung von Nahrungs- und Genussmitteln, die Landwirtschaft, der Gartenbau und die Arbeit mit Tieren. „Je höher die Exposition, umso höher das Erkrankungsrisiko“, erklärt Prof. Dr. Raulf. Entscheidend beim Arbeitsschutz ist daher, dass der Kontakt über die Atemwege mit den allergenen Substanzen verhindert oder vermindert wird. Eine Möglichkeit ist es, Stoffe mit einem geringeren gesundheitlichen Risiko zu verwenden. Besteht diese Alternative nicht, sind technische Schutzmaßnahmen zu treffen. Dies können beispielsweise Absauganlagen sein. Eine andere Möglichkeit besteht darin, Staub gar nicht erst entstehen zu lassen und staubarme Materialien zu verwenden.

Kontaktekzeme der Haut

Ein Körperorgan, das häufig von schädlichen Umgebungsbedingungen in Mitleidenschaft gezogen wird, ist die Haut. Zu 90 Prozent handelt es sich bei beruflich bedingten Hauterkrankungen um Ekzeme, die an den Händen auftreten. Ekzeme sind Hautentzündungen, die nicht infektiös, also nicht übertragbar sind. „Ausgelöst werden Ekzeme zumeist durch den Kontakt mit hautreizenden Substanzen wie beispielsweise Reinigungsmitteln oder Kühlschmierstoffen oder durch vermehrte Feuchtarbeit. Weil dadurch die Barrierefunktion der Haut geschädigt ist, ist sie durchlässiger für chemische Schadstoffe und Krankheitserreger, wodurch sich auf dessen Boden zusätzlich ein allergisches Kontaktekzem ausbilden kann“, sagt Prof. Dr. Manigé Fartasch, Leiterin der Abteilung für klinische und experimentelle Berufsdermatologie am IPA. Ständiger Kontakt mit Wasser, wie er zum Beispiel bei Krankenpflege- und Reinigungspersonal häufig vorkommt, ist ein weiterer wesentlicher Risikofaktor im Hinblick auf die Entstehung eines Handekzems. Vorerkrankungen wie Neurodermitis verringern ebenfalls den Schutz der Haut. Kontaktekzeme treten insbesondere in der Friseur-, Metallverarbeitungs- sowie der Bau- und Reinigungsbranche auf.

Hautschutzmaßnahmen

Mit geeigneten Schutzmaßnahmen lässt sich das Risiko berufsbedingter Gefährdungen der Haut verringern. Auch bei Kontaktekzemen der Haut gilt das TOP-Prinzip: Ersatzstoffprüfung sowie technische und organisatorische Schutzmaßnahmen haben vor dem persönlichen Hautschutz Vorrang. Die Hautschutzmaßnahmen selbst lassen sich noch einmal unterscheiden in diejenigen, die vor und während hautbelastender Tätigkeiten angewendet werden (präparativer Hautschutz), und solchen, die danach durchgeführt werden (reparativer Hautschutz). Als dritter Pfeiler zählt noch die Hautreinigung zu den Maßnahmen.

Als präparative Hautschutzmaßnahmen kommen Hautschutzpräparate wie Salben, Cremes, Gele, Sprays und Puder in Frage. Alle Hautschutzpräparate haben den Zweck, den Kontakt zwischen Schadstoffen und der Haut zu verhindern. Grundsätzlich gilt, dass es kein universell einzusetzendes Hautschutzpräparat gibt. Für die Auswahl eines geeigneten Präparates ist es unerlässlich, die Schadstoffe zu kennen, vor denen es schützen soll. Hautpflegemittel indes zählen zum reparativen Hautschutz. Hautmittel werden vor Beginn der Arbeit, nach hautbelastenden Tätigkeiten, in Pausen und zu Hause angewendet.

Zunehmende allergische Sensibilisierung

Dass das Thema Allergie in der Zukunft eine noch größere Rolle einnehmen wird, ist mehr als wahrscheinlich. „Unter den 14- bis 17-Jährigen weisen bereits 40 Prozent eine allergische Sensibilisierung auf“, verweist Prof. Dr. Raulf auf die aktuellen statistischen Daten. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese junge Altersgruppe in ihrem weiteren Leben auf bestimmte Stoffe allergisch reagieren wird, ist höher als bei anderen Altersgruppen. Oft lassen sich Fließschnupfen, Nahrungsmittelallergien und allergisches Asthma schon im frühesten Kindesalter beobachten. Umso wichtiger ist es, dem Thema die entsprechende Bedeutung beizumessen – und auch Auszubildende bei den Schutzmaßnahmen einzubeziehen.

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