Gefährdungsbeurteilung
Arbeiten mit schweren Geräten © metropress / DGUV
Lärm oder auch die Persönliche Schutzausrüstung können Gegenstand von Gefährdungsbeurteilungen sein.

Gefahren erkennen

Gefährdungsbeurteilung: Sie gehört zu den Pflichten aller Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber – unabhängig von der Anzahl der Beschäftigten. Details sind durch das Arbeitsschutzgesetz, die Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (DGUV Vorschrift 1) und weitere Verordnungen geregelt. Wie das wirkt, zeigen diese Beispiele.

Die leitende Fachkraft für Arbeitssicherheit der Stadt Aachen, Katrin Päßler, führt mit ihrem Team gerade an neun Standorten der Offenen Ganztagsschule eine Gefährdungsbeurteilung durch. Dabei binden sie und ihr Kollege Andreas Fischer die Sicherheitsbeauftragten – in der Regel handelt es sich um die Hausmeister – eng mit ein. Denn diese „kennen die Gebäude in- und auswendig“, wie Katrin Päßler erklärt. Erster Schritt der Gefährdungsbeurteilung war das Erstellen umfangreicher Check- und Prüflisten. Darauf folgten Ortstermine mit allen relevanten Beteiligten. Die Sicherheitsbeauftragten waren Andreas Fischer zufolge immer dabei: „Oft hatten sie bereits im Vorfeld auf Mängel hingewiesen, doch eine Gefährdungsbeurteilung hat mehr Gewicht als ein Anruf.“ Als Ergebnis der Ortstermine liegen Fotos von Problembereichen sowie Listen mit notwendigen Maßnahmen vor.

Belastung durch Lärm

Dass Gefährdungsbeurteilungen hilfreich sind, bestätigt auch Carola Finck, Fachkraft für Arbeitssicherheit bei Jobtour medical in Baden-Baden. Das Unternehmen überlässt und vermittelt medizinisches Personal. Eine Jobtour-Mitarbeiterin, die dauerhaft Nachtwachen übernimmt, bekam aufgrund der großen Entfernung zum Kunden ein Zimmer in der Einrichtung gestellt. Als sie dort wegen Baulärms nicht richtig schlafen konnte, löste Carola Finck das Problem in Kooperation mit dem Sicherheitsbeauftragten vor Ort. Dieser bewertete das Lärmproblem und stellte den Kontakt zur Bauleitung her, um die Belastung durch eine bessere Koordination der Arbeiten und des Baumaschinen-Einsatzes zu senken. Außerdem erhielt die Jobtour-Mitarbeiterin ein anderes Zimmer und einen Gehörschutz für ihre Erholungs- und Schlafphasen. Mit Hilfe des Sicherheitsbeauftragten konnten die Belastungen durch die Gefährdungsbeurteilung identifiziert werden. Durch den Umzug in ein neues Zimmer kann die Mitarbeiterin erholsam schlafen.

Arbeitsanleitungen in einfacher Sprache

Die Lebenshilfe Werkstätten Hand in Hand gemeinnützige GmbH mit Sitz in Cottbus beschäftigt Menschen mit Behinderungen in unterschiedlichsten Arbeitsbereichen – Catering, Druckerei, Garten- und Landschaftsbau, Schreinerei und vieles mehr. Um die Sicherheit bei der Arbeit zu erhöhen, werden seit Herbst 2013 für alle Arbeitsbereiche über die Gruppenleitungen Arbeitsanleitungen in einfacher Sprache (AIS) erarbeitet. Darin sind die einzelnen Arbeitsschritte der praktischen Tätigkeiten mit Arbeitsmitteln und Maschinen anschaulich mit Foto und Kurztext auf einem DIN-A4-Blatt dargestellt.

Integrierte Gefährdungshinweise

Zu Beginn wurde das Projekt von einem Gremium koordiniert, dem die Geschäftsführung, Vertreter der verschiedenen Unternehmensbereiche und die Sicherheitsfachkräfte angehörten. „Die Projektgruppe entwickelte das Konzept, auf die Rückseite jeder AIS dazugehörende Gefährdungshinweise zu integrieren“, sagt Sicherheitsfachkraft Gerd Rosse. Dank dieser Kombination dokumentiert die Arbeitsplatzbeschreibung zeitgleich, ob und welche Gefährdungen vorliegen und welche Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitssicherheit und zur Minimierung der Gefährdungen getroffen werden: Alle Aspekte werden in Stichworten beschrieben. Sicherheitskennzeichen machen die Inhalte anschaulich. Gerd Rosse: „So können die Beschäftigten sich bei jedem Arbeitsschritt vergewissern, was sie genau tun und worauf sie besonders achten müssen.“

Immer verfügbar

Jede AIS mit Gefährdungshinweisen wird von den Sicherheitsfachkräften und der Leitungsebene auf Vollständigkeit, Verständlichkeit und sachliche Richtigkeit geprüft. Danach wird sie im Intranet bereitgestellt. Dadurch stehen die Dokumente jederzeit für die Anleitung der Beschäftigten zur Verfügung, außerdem können sie von den Gruppenleitungen für die jährlichen Unterweisungen herangezogen werden. Rund 240 AIS hat das Unternehmen inzwischen erarbeitet. Gerd Rosse schätzt, dass wegen der Vielfalt der Bereiche mindestens noch einmal so viele folgen werden.

Weiterführende Informationen zur Gefährdungsbeurteilung finden Sie hier: www.dguv.de