Gesundheitsmanagement
Gesundheitsmanagerin Mascha Maurer (rechts) motiviert die Beschäftigten zur Teamarbeit. © Christian Wese

Gesundheit ganz weit vorn

Betriebliches Gesundheitsmanagement, Rückensport in der Pause, Gesundheitslotsen, motivierende Führungskräfte und ein umfangreiches Maßnahmenpaket an Sport- und Gesundheitsangeboten: Der Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik Dräger hat speziell für seinen Produktionsbereich eine Initiative zur Stärkung und Weiterentwicklung des bestehenden Betrieblichen Gesundheitsmanagements gestartet.

Holger Stahl kennt seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jeden Morgen macht der 58-jährige Teamleiter seine Runde, begrüßt sie per Handschlag. Danach weiß er, wie es seinen Leuten geht, denn er hört zu. Holger Stahl und sein Team produzieren tragbare Gasmessgeräte. Als Teamleiter bei Dräger ist Stahl zuständig für Personaleinsatz, Arbeitsorganisation, Wirtschaftlichkeit, Termintreue und Produktivität. Aber auch für Fragen der Gesundheit. Wenn Arbeitsplätze neu gestaltet werden, gibt er gemeinsam mit dem Sicherheitsbeauftragten Thomas Hahn Tipps, wie sich einseitige Belastungen oder Fehlhaltungen vermeiden lassen. Schon Kleinigkeiten bei der Gestaltung der Arbeit können für Entlastung sorgen, beispielsweise wie hoch Tisch und Stuhl eingestellt sind oder ob man zwischendurch aufsteht. Denn wer den ganzen Tag sitzt, tut sich und seinem Körper grundsätzlich keinen Gefallen.

Start für neue Initiative

„Technik für das Leben“ lautet die Leitidee von Dräger. Auch in die Gesundheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steckt das Unternehmen erhebliche Kraft. Im Jahr 2014 stellte man fest, dass der Krankenstand auf über zehn Prozent gestiegen war. Umfragen zeigten darüber hinaus, dass einige Beschäftigte unzufrieden und demotiviert waren. Solche Dinge lassen sich durch ein Betrieb- liches Gesundheitsmanagement (BGM) positiv beeinflussen. Dräger startete die Initiative „Gesundheitsmanagement im Masterplant“, organisierte Workshops mit Führungskräften und stellte den Beteiligten unter anderem die Frage, was ihnen in den nächsten zehn Jahren wichtig sei. Ganz weit vorn: die Gesundheit.

Fokus Produktionsbereich

Für Mascha Lübbert, Fachkraft für Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagerin bei Dräger, hat die BGM-Initiative Signalwirkung. „Wir wurden von der Produktion konkret um Unterstützung gebeten“, schildert sie. Schon seit vielen Jahren bietet das Unternehmen ein umfassendes Sport-, Fitness- und Präventionsprogramm. Ein eigenes Gesundheitszentrum ergänzt dieses Portfolio. Die aktuelle Initiative baut darauf auf und rückt speziell den Produktionsbereich ins Blickfeld. Strukturell aufgeteilt ist die Initiative in drei Bereiche: Im Arbeitspaket „Regelkreis“ tauschen die Führungskräfte ihre Erfahrungen aus. Im Arbeitspaket „Eigenverantwortung“ geht es darum, den Beschäftigten Möglichkeiten der individuellen Gesundheitsvorsorge aufzuzeigen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Arbeitspakets „Führung“ schließlich erarbeiten eine neue Führungskultur mit einem starken Fokus auf Gesundheit und dem Umgang miteinander. Weitere zentrale Funktionen nehmen die Kommunikation und das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) ein. Ein Beispiel aus dem Bereich der Kommunikation sind Tischaufsteller und Infomaterial, die im Rahmen der Initiative im gesamten Produktionsbereich platziert wurden.

Darüber hinaus arbeitet Dräger auch laufend an der künftigen Entwicklung seines Gesundheitsmanagements. Ein Ansatz: Digitale Unterstützungsmöglichkeiten wie Apps oder sogenannte Wearables (bekanntes Beispiel: Smartwatch) wirken gerade auf junge Leute motivierend. Online-Programme aus dem BGM-Bereich lassen sich unabhängig von Zeit und Ort absolvieren. „Wir sondieren gerade den Markt und schauen, was für uns zukünftig interessant sein kann“, erklärt Gesundheitsmanagerin Lübbert.

Vorbilder, die motivieren

Die Initiative „Gesundheitsmanagement im Masterplant“ setzt aufs Mitmachen – und auf Vorbilder. Holger Stahl ist solch ein Vorbild. Der Teamleiter steht voll im Leben, früher hat er Fußball gespielt, dann entdeckte er den Laufsport für sich. Heute gehört er als Führungskraft zu denen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermuntern, in Bewegung zu bleiben. Immer wieder macht er seine Kolleginnen und Kollegen auf die Angebote des Unternehmens aufmerksam. „Wenn jemand einmal Interesse signalisiert hat, lasse ich nicht mehr locker“, schmunzelt er. Aktivität ist beispielsweise immer mittwochs gefordert, wenn um 14 Uhr direkt in einer Halle des Werkes Yoga ansteht. Akzeptierte Führungskräfte wie Stahl sind für Dräger als Multiplikatoren von großer Bedeutung. Denn sie erreichen die Beschäftigten, wo Intranet und Flyer an ihre Grenzen stoßen.

Doch wie genau lassen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überzeugen? Server Gökduman legt sich dafür ins Zeug. Die Montagehelferin ist eine von rund 30 Gesund­heits­lotsinnen und -lotsen, die in Produktion und Logistik für die Gesundheitsangebote werben. Die 43-Jährige macht das auf eine ganz spezielle Art: Morgens exakt um 9:05 Uhr ruft sie laut „Sport“. Schnell lädt sie noch gezielt ein paar Kolleginnen und Kollegen ein, die ihr berichtet haben, dass sie Probleme mit Rücken, Nacken oder Schultern hätten. Anschließend leitet sie die Runde bei Dehn- und Stretchübungen an. Passend zur Begleitmusik gibt sie den Takt vor. Fünf bis zehn Personen nehmen immer teil, danach gibt es Frühstück. Server Gökduman arbeitet seit 22 Jahren in der Montage. Wenn sich jemand über ihren Sport lustig macht, lächelt sie darüber hinweg. „Mit Freundlichkeit erreiche ich die meisten“, sagt sie. Ein Effekt, von dem auch das Organisationsteam des Dräger-Gesundheitstages um Mascha Lübbert profitiert: Die Teilnahmequote an Veranstaltungen und Präventionsmaßnahmen ist aus den Bereichen am höchsten, in denen die Gesundheitslotsen die Werbetrommel rühren.

Motiviert durch Anerkennung

Als Teamleiter beteiligt sich Holger Stahl am Arbeitspaket „Führung“ der BGM-Initiative. Er weiß, dass er nicht nur die anderen, sondern auch sich selbst gesund führen muss, um ein gutes Vorbild zu sein. Das ist nicht immer einfach. Vor einigen Monaten hat Dräger damit begonnen, ein neues Beschäftigungsmodell einzuführen: Die Mitarbeitenden sollen sich selbst darauf verständigen, in welchem Rhythmus sie Aufträge abarbeiten und wann sie Pause machen. Beschäftigte wie Holger Stahl fungieren hierbei als „Coaches“, sie leiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an und versetzen sie in die Lage, auftretende Probleme selbst zu lösen. Für manche, die vielleicht 20 Jahre oder länger in einem gewohnten System gearbeitet haben, ist das erst einmal etwas völlig Neues. Stahl unterstützt sie, er motiviert durch Anerkennung und sorgt für Klarheit. Gesunde Pausen gehören auch bei ihm dazu: Um 8:30 Uhr bittet der zuständige Gesundheitslotse zum Frühsport. Der Teamleiter macht selbstverständlich mit.