Interview
Dr. Marc Wittlich © DGUV

UV-Belastung am Arbeitsplatz

Dr. Marc Wittlich,
Leiter des Forschungsprojekts GENESIS-UV am IFA der DGUV.

Herr Doktor Wittlich, wie funktioniert das System zur Messung der UV-Belastung?
Wir geben Beschäftigten eine Messeinheit an die Hand, die im Wesentlichen aus einem Tablet und einem Dosimeter besteht. Das Dosimeter tragen sie während der Arbeitszeit am linken Oberarm. Es misst sekündlich unter anderem die UV-Bestrahlung, der die Probanden ausgesetzt sind.

Worauf müssen die Betriebe achten, wenn sie an dem Projekt teilnehmen?
Glücklicherweise auf nahezu gar nichts. Die Arbeit soll wie immer ausgeführt werden, damit wir realitätsgenaue Bedingungen erfassen. Das Dosimeter schränkt die Beschäftigten dabei nicht ein. Sie müssen das Gerät lediglich am Ende der Arbeitswoche an das Tablet anschließen und ihr Passwort eingeben, die Datenübertragung läuft dann voll automatisch ab. Es gibt auch nur wenige Tätigkeiten, für die das Dosimeter nicht zugelassen ist. Dazu zählen zum Beispiel explosionsgefährdete Bereiche, also etwa Gaspipelines.

Welche Arbeitsplätze untersuchen Sie?
Das ist vielleicht der spannendste Aspekt der Untersuchung: Wir untersuchen nicht nur Berufe wie Dachdeckerin und Dachdecker, von denen wir schon wissen, dass sie gefährdet sind. Wir wollen mehr über Arbeitsplätze und einzelne Tätigkeiten herausfinden, deren Belastung wir noch nicht genau kennen. Dabei treten auch hin und wieder Überraschungen auf. Unsere bisherigen Ergebnisse zeigen etwa, dass Beschäftigte im Kanalbau oder im Steinbruch stärker belastet sind als viele andere Berufsgruppen, auch in der Baubranche.

Wie könnten sich die Ergebnisse des Projektes in der Praxis nutzen lassen?
Unsere Daten eignen sich besser dazu, Gefahren durch UV-Strahlung vorherzusagen als bloße Wetterbeobachtung. Den sogenannten UV-Index etwa, der bei einigen Wettervorhersagen angegeben wird, empfiehlt die DGUV nicht als Instrument für die Prävention.

Wir werden ausgehend von unseren Ergebnissen Vorschläge für den UV-Schutz entwickeln – gemäß dem TOP (Technisch – Organisatorisch – Persönlich)-Prinzip und an die jeweilige Situation angepasst. Wir erhoffen uns große Fortschritte bei den Schutzmaßnahmen. Ein Ziel ist es beispielsweise, den Beschäftigten entsprechenden Schutz und dabei möglichst angenehme Arbeitskleidung zu gewähren.


Weitere Informationen und bisherige Ergebnisse des Projekts GENESIS-UV:
www.dguv.de/genesis