Interview
Dr. Walter Eichendorf © Wolfgang Bellwinkel

„Neue Schwerpunkte entstehen“

Dr. Walter Eichendorf,
stellvertretender Hauptgeschäftsführer der DGUV,
im Gespräch mit „arbeit & gesundheit“.

Die Arbeitswelt verändert sich spürbar. Wie wirkt sich dieser Wandel auf das Tätigkeitsfeld der Sicherheitsbeauftragten aus?
Die zunehmende Vielfalt in den Betrieben fordert die Sicherheitsbeauftragten schon heute. Früher hatten sie meist einen ähnlichen Hintergrund wie ihre Kolleginnen und Kollegen. Heutzutage sind die Betriebe bunter: Es gibt unterschiedliche Karriere- und Lebenswege. Da kann es schwierig werden, eine gemeinsame Sprache zu finden, um über Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu sprechen. Hinzu kommt, dass Arbeit mobiler wird. Unter diesen Bedingungen wird es auch schwieriger, Risiken zu thematisieren.

Sicherheitsbeauftragte sind ehrenamtlich und ohne Weisungsbefugnis tätig. Beeinflusst ein komplexer werdender Arbeitsschutz ihre Bedeutung in den Unternehmen?
Das kommt darauf an, wie wir dieses Amt gestalten. Sicherheitsbeauftragte werden besonders dort geschätzt, wo Arbeit mit Unfallrisiken verbunden ist. Wer weiß, wie man Unfälle verhindert, der hat auch ein entsprechendes Standing. Wo Technik Risiken zunehmend ausschaltet, könnte die Bedeutung der Sicherheitsbeauftragten also zurückgehen. Gleichzeitig verlangen flexible Arbeitsbedingungen nach mehr Gesundheitsschutz. Hier entsteht ein neuer Aufgabenschwerpunkt für Sicherheitsbeauftragte.

Stichwort Mensch-Roboter-Kollaboration: Halten Sie es für möglich, dass Roboter einmal zumindest teilweise die Aufgaben von Sicherheitsbeauftragten übernehmen können?
Eher nein. Maschinen können überwachen, aber nicht die Beratung durch Kollegen und Kolleginnen ersetzen.