Arbeiten 4.0
Roboter bei der Fertigung in der Autoindustrie © Stefan Warter / Audi AG

Kollege Roboter erobert die Arbeitswelt

Arbeiten 4.0 Immer öfter arbeiten Menschen und Roboter Hand in Hand. Dadurch verändern sich nicht nur die Arbeitsprozesse, sondern auch die Anforderungen an die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Inwiefern sich die Digitalisierung auf die Arbeit sowie die betriebliche Prävention auswirkt, zeigt das folgende Beispiel.

„Vor 27 Jahren gab es noch hydraulische Anlagen“, blickt Stefan Orben auf seine Anfangs­zeit bei der Audi AG im bayerischen Ingolstadt zurück. „Die sind heute fast komplett durch elektrische Anlagen ersetzt worden“, sagt der 56-jährige Sicher­heits­be­auftragte, der bei der Audi AG in der Ferti­gung arbeitet. Stefan Orbens Arbeits­platz sind zwei Montage­linien im Audi-Werk Ingolstadt, die in fast 800 Meter langen Hallen aufgebaut sind. Hier werden die Audi A4- und A5-Modelle gefertigt, inklusive der so genannten „Hochzeit“, also dem Zusam­men­fügen von Antrieb­splatt­formen und Karos­serie. Neben seiner Arbeit in der Montage und seinem Ehren­amt als Sicher­heitsbe­auf­tragter ist der Elektro­techniker Orben auch Sprecher einer Fertigungs­gruppe. In Arbeits- und Veränderungs­prozes­se wird er stets einbezogen, weil er alle Tätig­keiten und Arbeits­weisen in der Fertigungs­gruppe genau kennt.

Stefan Orben, Sicherheitsbeauftragter (Audi AG) © privat Stefan Orben, Sicherheitsbeauftragter (Audi AG) Durch seine Doppel­funktion als Sicherheits­beauftragter und Gruppen­sprecher ist Orben das Binde­glied zu seinen be­trieb­lichen Vor­gesetzten und einer der Experten vor Ort, wenn Neuer­ungen anstehen. In der aktuellen Planungs­phase arbeitet er aus­schließlich im Planungs­team, das auf sein Know-how als Sicherheits­beauftragter und Mit­arbeiter in der Fertigung an­ge­wiesen ist. Und geplant wird gerade einiges bei Audi: In den kom­menden Jahren werden die beiden Montage­linien für die A4- und A5-Modelle so umgebaut, dass künftig auch die Modelle A3 und Q2 auf diesen gefertigt werden können, teilweise mit Roboter-Unter­stützung. Damit setzt Audi konse­quent das Orga­nisations­konzept „Industrie 4.0“ um.

Allmähliche Veränderung

Die aktuellen Veränderungen machen auch Orbens Arbeit im Audi-Werk vielfältiger. Die Bedienfelder, die Maschinen, die Roboter – vieles hat sich verändert, seitdem er vor 20 Jahren die Aufgabe eines Sicherheitsbeauftragten übernommen hat. Ein ganz neues Thema ist die Mensch-Roboter-Kollaboration: Der Roboter arbeitet in einer Art Partnerschaft mit den Mitarbeitenden zusammen und das bedeutet für die Arbeitssicherheit völlig neue Formen der Absicherung. Traditionell sind die Roboter hinter einem Gitter gesichert. Die Arbeitsbereiche von Mensch und Roboter sind komplett entkoppelt. Dies wird für die meisten Industrieanlagen auch noch lange so bleiben. Geschwindigkeiten und Traglasten sind einfach zu groß, um einen gefahrlosen Kontakt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu ermöglichen.

Besondere Absicherung

Immer öfter aber verlassen die Roboter heute auch ihren „Käfig“ und reichen den Beschäftigten Fertigungsteile, die dann am Fahrzeug verbaut werden. Mensch und Maschine arbeiten „kollegial“ Hand in Hand. Zum Teil erfordert das besondere Formen der Absicherung oder eigens für diesen Zweck konstruierte Roboter. Im Hinblick auf die verschiedenen Arten der Mensch-Roboter-Zusammenarbeit ist besonders die sogenannte Leistungs- und Kraftbegrenzung bedeutsam. Solche Robotersysteme sind so ausgelegt, dass sie dem Audi-Mitarbeitenden auch bei Kontakt keinen Schaden zufügen können. Diese Absicherung funktioniert über Sensoren und Grenzwerte, die die Kraft des Roboters begrenzen. Sicherzustellen, dass diese Grenzwerte eingehalten werden, ist eine der Aufgaben der Arbeitssicherheit bei Audi.

Im Automobilwerk nimmt der Roboter den Beschäftigten einfache und sich wiederholende Tätigkeiten ab. Gleichzeitig muss der Mensch den Roboter in seinen Grundfunktionen programmieren und bedienen können – dadurch steigt das Anspruchs- und Qualifikationsniveau. Zugleich entfallen immer häufiger starke körperliche Belastungen, wodurch sich letztlich die Ergonomie am Arbeitsplatz verbessert.

Veränderte Arbeitswelt 

Da die Anforderungen an die Sicherheitsbeauftragten steigen, hält Stefan Orben sich mit regelmäßigen Schulungen und Workshops immer auf dem aktuellsten Stand. Außerdem fügt der gelernte Elektrotechniker hinzu: „Durch die Digitalisierung kann die Arbeit sicherer werden – es kommt immer auf die Ausgestaltung an.“ 

Weiterführende Informationen, wie sich die Digitalisierung auf die Arbeitswelt auswirkt, finden Sie hier: www.dguv.de