Fachkongress
Auditorium im Congress Center Düsseldorf © Messe Düsseldorf / ctillmann

Rückblick:
Tag der Sicherheitsbeauftragten 2017

„Wenn Sie das nächste Mal ins Straucheln kommen – auch wenn Sie nicht gleich stürzen – dann gehen Sie doch bitte nicht einfach weiter. Sondern bleiben Sie für drei Sekunden stehen und denken Sie einmal über die Ursache nach.“ Auf manche Zuhörerinnen und Zuhörer dürften diese Worte des Moderators Reinhard R. Lenz beim Tag der Sicherheitsbeauftragten 2017 verblüffend gewirkt haben. Erstens, weil sein Ratschlag zeigt, dass wohl kaum jemand von uns noch nicht beinahe einen Unfall erlitten hätte. Und zweitens, weil deutlich wird, wie sang- und klanglos wir gemeinhin über Beinahunfälle hinweggehen – und das im wörtlichen Sinne.

Infos aus Wissenschaft und Praxis

Prof. Dr. Monika Eigenstetter und Reinhard R. Lenz © Messe Düsseldorf / ctillmann Die Arbeits- und Organisationspsychologin Prof. Dr. Monika Eigenstetter, hier mit Moderator Reinhard R. Lenz, war als Fachreferentin nach Düsseldorf gekommen.

Wie sich denken lässt, ist es nicht ganz einfach, Ereignisse zu erforschen, die nicht wirklich passiert sind, sondern eben nur beinahe. Genau das aber tut Prof. Dr. Monika Eigenstetter, Arbeits- und Organisationspsychologin an der Hochschule Niederrhein. Als Fachreferentin beim Tag der Sicherheitsbeauftragten berichtete sie abgesehen von ihrer eigenen Arbeit beispielsweise auch über die sogenannte Unfallpyramide von Frank E. Bird, wonach auf einen tödlichen Arbeitsunfall zehn schwere Unfälle kommen, außerdem 30 leichte und 600 Beinahunfälle. Während der eine tödliche Unfall die Spitze der Pyramide bildet, sind die 600 Beinahunfälle ihre breite Basis. Und genau an dieser Basis gilt es anzusetzen, damit am Ende der eine tödliche Unfall (sowie die zehn schweren und 30 leichten) sich nicht ereignen.

Wie aber kann man ansetzen? Die Antwort gab der zweite Fachreferent, Herbert Rösgen, in Form eines Praxisbeispiels. Er leitet eines der Produktionswerke beim Aluminiumhersteller Hydro. Während es anderswo vielleicht ein Meldeformular gibt, mit dem Mängel in der Arbeitssicherheit angezeigt werden können, wurde dieses Formular in dem von Herbert Rösgen geleiteten Werk durch einen simplen Aufkleber ersetzt. Anstatt eine Vielzahl von Fragen zu beantworten, brauchen die einreichenden Beschäftigten darauf nur in aller Kürze und stichpunktartig zu notieren, was ihnen aufgefallen ist. Der Aufkleber wird der sicherheitsverantwortlichen Person buchstäblich an die Hand geheftet und die umgehende Bearbeitung angestoßen. Herbert Rösgen hat beobachtet, dass die Hürde zum Melden von Sicherheitsrisiken und Unfallgefahren deutlich gesunken ist. Hierbei setzt der Werkleiter auch ganz klar auf die tatkräftige Mitwirkung der Sicherheitsbeauftragten. Sein Appell: „Ich wünsche mir, dass die Sicherheitsbeauftragten das schlechte Gewissen des Unternehmens sind.“

Anregungen zum Mitnehmen

Für alle teilnehmenden Sicherheitsbeauftragten, die sich angesprochen fühlten, das Thema „Erfassung von Beinahunfällen“ im eigenen Betrieb zu forcieren, stellte das Institut Input die kostenlose Broschüre „ArgusAugen“ zum Mitnehmen bereit. Von den dort enthaltenen Anregungen können auch alle profitieren, die selbst nicht in Düsseldorf waren, denn es gibt die Broschüre auch zum Download.

Gelungener A+A Kongress

Auch im Jahr 2017 fand der Tag der Sicherheitsbeauftragten im Rahmen des A+A Kongresses, begleitend zur internationalen Fachmesse A+A, statt. Veranstalter des A+A Kongresses ist traditionell die Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (Basi). Deren Geschäftsführer Bruno Zwingmann resümiert: „Wir haben einen sehr spannenden A+A Kongress 2017 mit rund 5.000 Besucherinnen und Besuchern erlebt.“ Vor allem freut der Basi-Geschäftsführer sich darüber, dass auch besondere Personengruppen, die sich für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit interessieren, zum Kongress kamen: „Dazu zählen neben den Sicherheitsbeauftragten zum Beispiel die Schwerbehindertenvertretungen, die unter anderem die Gründung eines Dachverbandes diskutiert haben.“

Nachahmenswertes Konzept: „ArgusAugen“ vom Institut Input

Rückblick auf den A+A Kongress 2017 auf der Website der Basi.