Verkehrssicherheit
LKW im Straßenverkehr © welcomia / Thinkstock

Sicher unterwegs mit Assistenzsystemen

Unfallzahlen Sicherheit im Straßenverkehr ist für Berufskraftfahrerinnen und -fahrer ein wichtiges Thema. Sie sind jeden Tag dem Risiko ausgesetzt, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden. Die Kampagne „SICHER: FÜR DICH: FÜR MICH“ hat gezeigt: Fahrerassistenzsysteme können die Unfallzahlen signifikant senken.

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2015 insgesamt 29.480 Unfälle mit Personenschaden, bei denen mindestens ein Güterkraftfahrzeug beteiligt war. Welche Ursachen hinter tödlichen Straßenverkehrsunfällen stecken, die während einer beruflichen Tätigkeit geschehen, erfasste die Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation (BG Verkehr). Die meisten Verkehrsunfälle mit Todesfolge entstehen demnach aufgrund von Auffahrunfällen, also von Zusammenstößen mit einem anderen Fahrzeug, das vorausfährt, anhält, wartet oder steht. Danach folgen Frontalzusammenstöße, das Abkommen von der Fahrbahn sowie seitliche Zusammenstöße mit Fahrzeugen, die in die gleiche Richtung fahren.

Assistierende Technik

Die Art der Unfälle zeigt: Viele ließen sich durch ein anderes Fahrverhalten verhindern. Die EU-Kommission verfolgt ebenso wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) die Strategie der „Vision Zero“. Das bedeutet: Bis 2050 soll es auf europäischen Straßen nahezu keine Verkehrs- toten mehr geben. Dieses Ziel soll auch mithilfe von Fahrerassistenzsystemen (FAS) erreicht werden. Die automatischen Hilfen sollen Kraftfahrzeugführende dabei unterstützen, ihre Fahrzeuge sicherer zu führen. Dazu zählen unter anderem der Notbremsassistent, Spurassistent (auch „Spurhaltewarnsystem“) sowie das elektronische Stabilitätsprogramme ESP. Dass FAS die Unfallzahlen tatsächlich senken können, zeigt die Kampagne „SICHER: FÜR DICH: FÜR MICH“, die von 2008 bis 2012 von der BG Verkehr, dem Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung e. V. (BGL) und den KRAVAG Versicherungen durchgeführt wurde.

Weniger Unfälle

Für die Kampagne statteten die Mitgliedsunternehmen neue Lkw und Busse mit drei Assistenzsystemen aus: Spurhaltewarnsystem, Abstandsregeltempomat und ESP. Gleichzeitig verglich eine Forschergruppe über zwei Jahre 350 Millionen gefahrene Kilometer von Fahrzeugen mit und ohne FAS. Die Ergebnisse zeigen: Werden alle drei Sicherheitsmaßnahmen zusammen angewendet, sinkt die Anzahl der Unfälle pro eine Million gefahrene Kilometer um 34 Prozent gegenüber den Fahrzeugen, in denen kein FAS installiert ist. Mithilfe von FAS lassen sich die Unfallzahlen also senken. Um das Ziel der „Vision Zero“ zu erreichen, müssten die FAS im Straßenverkehr konsequent eingesetzt werden.

Akzeptanz fördern

Das hat auch die Politik erkannt. So sind seit November 2015 Notbremsassistent, Spurhaltewarnsystem und ESP für Nutzfahrzeuge gesetzlich vorgeschrieben. Wichtig ist zudem, dass Unternehmen die Akzeptanz der Systeme bei den Kraftfahrzeugführenden erhöhen. Dazu eignen sich unter anderem Schulungen für die Beschäftigten. Das zukünftige automatisierte Fahren sollte schließlich auch, beispielsweise mithilfe spezialisierter Fahrschulen, trainiert werden und zum festen Bestandteil der Aus- und Weiterbildung von Kraftfahrzeugführenden gehören. Künftig wird es bereits in der Führerscheinausbildung berücksichtigt werden. Die Fahrerinnen und Fahrer sollten die FAS als Unterstützung sehen und nicht als Einschränkung. So können Firmen auch verhindern, dass die Fahrzeugführenden sich zu sehr auf die Technik verlassen und dabei die Grenzen des Systems ausreizen – oder es sogar abschalten.

Automatische Sicherheit

Die BG Verkehr und der BGL haben schon vor einigen Jahren die Forderung gestellt: FAS, die sich deaktivieren lassen, sollten sich nach festgelegten Zeitintervallen automatisch wieder einschalten. Der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) setzt sich zudem dafür ein, dass Abbiegeassistenten bei Nutzfahrzeugen verpflichtend werden. Zur Sicherheit ihrer Beschäftigten können Unternehmen auch andere und ältere Fahrzeuge, zum Beispiel Dienstwagen, mit FAS ausstatten lassen. So können sie das Risiko für Arbeits- und Wegeunfälle verringern helfen.

Übersicht Fahrerassistenzsysteme

Aktuell gibt es eine Vielzahl von FAS, die sowohl in Nutzfahrzeugen als auch Pkw installiert werden können:

  • Notbremsassistent
  • Abstandsregler/Abstandsregeltempomat
  • Spurhaltewarnsystem
  • Spurwechselassistent
  • Müdigkeitswarner
  • Nachtsichtassistent
  • Lichtassistent
  • Einparkassistent

Weitere Infos unter:

www.bester-beifahrer.de