Gesundheit 4.0
Moderne Roboterfertigungsstraße in der Automobilindustrie © Vladimir Salman / shutterstock.com

Sicherheit und Gesundheit 4.0

Die Welt verändert sich – und mit ihr die Arbeitswelt. Das bringt neue Herausforderungen in Sachen Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit mit sich, aber auch neue Chancen.

Arbeitsverdichtung und längere Arbeitszeiten, mehr ältere Beschäftigte sowie eine im Zuge der Digitalisierung zunehmende Vernetzung, Erreichbarkeit und Kontrolle – dies sind die Themen, die das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) im Risikoobservatorium als wichtige Herausforderungen für die Arbeitswelt der Zukunft herausgefunden hat. Das Risikoobservatorium ist ein Früherkennungssystem, das Entwicklungen in der Arbeitswelt und neue Gefahren am Arbeitsplatz erfragt, um präventiv gegen diese vorgehen zu können. Auch die Sicherheitsbeauftragten werden in Zukunft diesen Themen begegnen. Weitere Belastungsfaktoren sind demnach altbekannte Aspekte wie einseitige ergonomische Belastungen und Lärm. Darüber hinaus gelten falsche Ernährung und Bewegungsmangel in der Freizeit als wichtiger werdende Handlungsfelder, obwohl beide nicht direkt arbeitsbezogene Gesundheitsthemen sind.

Klare Regelungen

Sicherheitsbeauftragte sind wegen ihrer Orts-, Fach- und Sachkenntnisse besonders gut geeignet, die neuen Herausforderungen in ihrem Arbeitsbereich zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren. Auch der Gesetzgeber setzt sich für eine zukunftssichere Arbeitsgestaltung ein und stellt wichtige Regelwerke auf. In der neuen Arbeitsstättenverordnung finden sich beispielsweise klare Regelungen unter anderem für Bildschirmtätigkeiten, Arbeitsplätze im Homeoffice und die Berücksichtigung psychischer Belastungen (siehe dazu auch „Klarere Regeln für die Arbeitswelt“). Auch angesichts der zunehmenden Digitalisierung wurde im November 2016 eine EU-Richtlinie über den Arbeitsschutz bei Gefährdung durch elektromagnetische Felder (EMF) in deutsches Recht umgesetzt. Hintergrund: EMF können Implantate von Beschäftigten – Herzschrittmacher oder künstliche Gelenke – beeinflussen und unter Umständen sogar in ihrer Funktion stören.

Risiken und Chancen der Arbeit 4.0

Speziell die Digitalisierung der Arbeitswelt führt in Unternehmen zu neuen Arbeitsbedingungen, die es unter Aspekten der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu bewerten gilt. So macht die Digitalisierung auf der einen Seite zwar mobil und flexibel, kann aber auch zur Ausdehnung von Arbeitszeiten führen. Sie ermöglicht innovative Fertigungstechniken, kann aber auch neue Unfallgefahren schaffen. Auf der anderen Seite können neue Techniken Sicherheitsbeauftragte unterstützen – beispielsweise mit intelligenter Sicherheitstechnik und altersgerechten Assistenzsystemen, Datenbrillen und digitalen Qualifikationshilfen. Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) lassen sich ebenfalls digital vernetzen. Das vereinfacht nicht nur deren Management und Wartung, sondern kann in Verbindung mit Datenströmen von Maschinen und Sensoren auch Gefahrensituationen vermeiden oder abmildern.