Staubschutz
Glasrestaurateur bei der Reinigung eines Domfensters © Fotografie Schulzki
Glasrestaurateur bei der Reinigung eines Domfensters

Staub lass nach!

Wie alle historischen Bauwerke braucht auch der Kölner Dom eine dauerhafte Pflege. Seine gewaltige Größe, sein hohes Alter, seine komplizierten Bauformen und die Vielzahl der Steinmaterialien stellen nicht nur die rund 60 Handwerker der Dombauhütte, sondern auch den Arbeitsschutz vor große Herausforderungen.

Sebastian Becker bearbeitet den Stein mit schnellen Schlägen. Mit einem Drucklufthammer formt er den Blattkranz eines Kapitells, das fast 150 Jahre lang eine Säule an der Südfassade des Kölner Doms nach oben hin abgeschlossen hat. Die Witterung hat dem Sandstein so stark zugesetzt, dass der Steinmetz jetzt eine Kopie der stark beschädigten Skulptur erstellt.

Der Stein entspricht dem Material, das beim Bau der Säulen im 19. Jahrhundert verwendet wurde. Der 51-jährige Steinmetz arbeitet sehr präzise: Rund ein Jahr, so schätzt er, wird er für die Erstellung des Kapitells benötigen. Neben Genauigkeit ist auch Sorgfalt gefragt – vor allem auch bei den Schutzmaßnahmen. Denn Sandsteine enthalten Quarz, der beim Menschen erhebliche gesundheitliche Probleme auslösen kann.

Umfassender Schutz

Deshalb spielt auch der Arbeitsschutz bei den Arbeiten am Kölner Wahrzeichen eine wichtige Rolle. Die Erhaltung und Restaurierung des Doms fordern einen sorgsamen Umgang – nicht nur mit dem Bauwerk, sondern auch mit sich selbst. „Der Selbstschutz und der Schutz der Umwelt sind für uns bei den Arbeiten am Dom sehr wichtig“, sagt Dr. Thomas Schumacher, in Personalunion technischer Leiter der Dombauhütte und Fachkraft für Arbeitssicherheit. Die Gerüstbauer verzichten zum Schutz des historischen Bauwerks beispielsweise darauf, Löcher ins Gestein zu bohren. Sie konstruieren stattdessen ausgefeilte Hängegerüste, die sie in schwindelerregenden Höhen an Vorsprüngen festklammern.

Ausgefeiltes Hängegerüst

Zu den besonders spektakulären Domgerüsten zählt das rund 33,5 Meter hohe Hängegerüst an der südöstlichen Ecke des nördlichen Domturmes. An einer vorragenden Plattform, die in 104,5 Metern Höhe mit Stahlseilen an einer Stahlkonstruktion im Inneren des Turmhelmes aufgehängt ist, wurde dieses Gerüst Stück für Stück bis auf 75 Meter hinabgeführt, um es nicht im Mauerwerk verankern zu müssen. Hierbei können in ganz verschiedenen Höhen die jeweiligen Arbeiten durchgeführt werden.

Die Gerüste ermöglichen es zum Beispiel den Steinmetzen, die fertig gestellten Steine und Skulpturen am Bauwerk einzusetzen. Die Arbeitsschutzbestimmungen werden auch auf den Gerüsten beachtet: Zettel informieren, mit welchem Gewicht die Fläche belastet werden darf. Zudem sollen Geländer und nach innen angeordnete Leitergänge Abstürze verhindern.

Schädlicher Quarzstaub

Zurück zum Arbeitsplatz von Sebastian Becker. Hier hat die Dombauverwaltung wichtige Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Und zwar mit einer riesigen Absauganlage in ihren Werkstätten, die vor mehr als 25 Jahren eingebaut wurde. Allein in der Steinmetzhalle, in der Becker und seine Kolleginnen und Kollegen arbeiten, hängen sechs Saugrüssel unter der Decke, um den anfallenden Staub abzusaugen. Zwei dieser Rüssel lassen sich an jeden Arbeitsplatz heranziehen. Einen dieser Ansaugrüssel hat Sebastian Becker genau auf seinen Stein gelegt. Man kann regelrecht dabei zusehen, wie der Staub mit dem Sog im Rüssel verschwindet.

Das Absaugverfahren wird kontinuierlich optimiert, um die Staubbelastung für die Beschäftigten möglichst gering zu halten. So wurde der Sog noch einmal verstärkt, indem der Querschnitt der Absauger im Nachhinein verkleinert wurde. Das ist wichtig, denn von dem anfallenden Quarzstaub gehen erhebliche gesundheitliche Gefahren aus.

Gefährliche Bleidämpfe

Nur wenige Meter und ein paar Treppenstufen von den Steinmetzen entfernt befindet sich die Glasrestaurierungswerkstatt. Ein Arbeitsschwerpunkt ist die Rekonstruktion von kriegszerstörten Fenstern nach alten Vorlagen. Damit Verbindungselemente, Dübel und Klammern nicht rosten, werden sie mit Blei umgossen, auch Fugen werden mit einem Verguss aus Blei gefüllt. Um die Beschäftigten vor den Bleidämpfen zu schützen, zieht auch hier eine Absauganlage an den Arbeitsplätzen die Luft ab. Mit den Rüsseln lässt sich zudem der Schmutz von den Flächen absaugen. Schutzhandschuhe und Schutzbrillen liegen bereit, wenn die Glaserinnen und Glaser die Scheiben in ein Lösemittelbad legen, um alte Restaurierungen aufzulösen – und auch im Lösemittelraum sorgt eine Abgaseinrichtung für den geforderten Arbeitsschutz.

Persönliche Hygiene

Beim Umgang mit Staub ist die persönliche Hygiene immens wichtig. Das bedeutet konkret: Bei der Arbeit darf weder gegessen, getrunken noch geraucht werden und die Kleidung muss nach der Arbeit abgelegt und gewechselt werden. Die Mitarbeiter können jederzeit zusätzlich, unterstützend zu den Absauganlagen, Atemschutzgeräte anlegen. „Die Atemschutzgeräte haben sich sehr bewährt bei uns“, sagt Dr. Schumacher.