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Dünne Bleche, scharfe Kanten
Beschäftigte, die mit scharfkantigen Blechen arbeiten, können sich leicht an Händen und Unterarmen verletzen. © Getty Images/M. Ignjatovic

Arbeitswelt : Dünne Bleche, scharfe Kanten

Mit scharfkantigen Materialien wie Blechen arbeiten Beschäftigte in Metall verarbeitenden Betrieben und der Baubranche. So lassen sich Verletzungen an Händen und.

Ihre Hände haben Beschäftigte der Bau- und Handwerksbranche unentwegt im Einsatz. Allgegenwärtig ist die Gefahr, dass sie sich dabei schwer verletzen. Ein einziger unvorsichtiger Griff reicht manchmal aus. Wie groß die Gefahr ist, belegt die Statistik Arbeitsunfallgeschehen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung: 2020 gingen allein 33,7 Prozent von insgesamt 689.656 gemeldeten Arbeitsunfällen mit Handverletzungen einher.

Gut ein Viertel davon konnte auf Unfälle mit einem scharfen, spitzen, harten oder rauen Gegenstand zurückgeführt werden. Insbesondere in Metall verarbeitenden Betrieben und der Baubranche haben es Beschäftigte mit scharfkantigen Werkstoffen wie Blechen zu tun. Werden diese tranportiert und bearbeitet, ist besondere Vorsicht geboten.

Tipp zum Weiterlesen

Erfahren Sie mehr über den Hautschutz an Holz- und Metallarbeitsplätzen in einer Publikation der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Verschiedene Verletzungsgefahren bei Grob- und Feinblechen

Die Art der typischen Verletzungen durch Bleche steht im direkten Zusammenhang mit ihrer Beschaffenheit. Fachleute unterscheiden zwischen Grobblechen, die dicker als drei Millimeter sind, und dünneren Feinblechen. Insbesondere wenn Beschäftigte Feinbleche verarbeiten oder transportieren, besteht die Gefahr, dass sie sich an dem dünnen Material schneiden.

Aus diesem Grunde sollten Feinbleche im Betrieb auch nicht ungesichert abgestellt werden. Zu groß ist das Risiko, dass sich Beschäftigte im Vorbeigehen an ihnen verletzen. Unfallschutz bieten verstellbare Schutzwände, die sich rasch aufstellen lassen. Sicherheitsbeauftragte können sich für ihren Einsatz im Betrieb starkmachen und Kolleginnen und Kollegen da­­rauf hinweisen, wenn Bleche und andere scharfkantige Materialien innerbetriebliche Verkehrswege blockieren.

Handschuhe der DIN-Norm EN 388 schützen vor Verletzungen

Auch Persönliche Schutzausrüstung (PSA) kann erheblich dazu beitragen, dass Schnitt- und Stichverletzungen erst gar nicht passieren. „Wichtig ist, beim Umgang mit scharfkantigen Blechen geeignete Schnittschutzhandschuhe zu tragen. Ebenfalls sollte der Unterarmschutz sichergestellt werden – zumindest durch langärmelige Kleidung, besser aber durch spezielle Unterarmschützer“, sagt Jens Kampelmann vom Referat PSA der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU). Als Material kommen beispielsweise Handschuhe aus Leder, Aramid oder Polyethylen infrage, idealerweise verstärkt mit Metallanteilen.

„Geeignete Handschuhe müssen nach DIN EN 388 zertifiziert sein und die richtige Kennzeichnung tragen“, so Kampelmann. Man erkennt sie am Hammer im Kennzeichnungssymbol, unter dem Ziffern und/oder Buchstaben stehen. Wie gut der Handschuh vor Schnitten schützt, lässt sich entweder an der Ziffer an zweiter Stelle oder am Buchstaben an fünfter Stelle ablesen. Dabei gilt: Je höher die Ziffer (Leistungsstufen 1 bis 5) beziehungsweise je später im Alphabet der Buchstabe (Leistungsstufen A bis F), desto besser der Schnittschutz.

Mit Gefährdungsbeurteilung ermitteln, ob und welcher Handschutz notwendig ist

Sicherheitsbeauftragte können Führungskräften dabei helfen, die idealen Schutzhandschuhe auszusuchen. Bei der Entscheidung hilft die Gefährdungsbeurteilung. Anhand der Arbeitsmaterialien und der notwendigen Bearbeitungsschritte können Betriebe feststellen, welche konkreten Gesundheitsgefahren für Beschäftigte entstehen.

Entsprechend der Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung kann notwendiger Handschutz ausgewählt werden. Ratsam ist es, Beschäftigte, die oft mit Blechen arbeiten, verschiedene sichere Handschuhe testen zu lassen. Sie können einschätzen, welche Modelle am besten zu ihrer Tätigkeit passen.

Blechpakete sicher öffnen

Mehrere Bleche werden gebündelt als sogenannte Pakete geliefert. Sie werden in der Regel durch Packstahlband zusammengehalten. Da es stark unter Spannung steht, können beim Öffnen auch Augen und Gesicht verletzt werden. Diese Regeln gilt es daher unbedingt zu beachten:

  • Blechpakete ausschließlich mit Sicherheits-Stahlbandscheren öffnen. 
Zuvor prüfen, ob die 
Stahlbandschere ein­wandfrei funktioniert.
  • Schutzbrille und Schutzhandschuhe anlegen.
  • Bevor das Paket geöffnet wird, einen sicheren Standplatz mit ausreichend Abstand zu anderen Personen wählen.
  • Das Stahlband im Bereich der Verschlusshülse aufschneiden, nicht in der Nähe von Kanten.
  • Abgetrenntes Stahlband umgehend in Schrottbehältern entsorgen.
  • Die Sicherheits-Stahlbandschere stets an derselben Stelle lagern, damit alle sie problemlos finden.

Mechanische Einrichtungen helfen, Bleche sicher und weitgehend ­gefahrlos zu transportieren. © Adobe Stock/InWay

Unfallrisiken mit Tragehilfen
erheblich reduzieren

Tragehilfen minimieren beim Transport von Feinblechen das Verletzungsrisiko zusätzlich. Mit ihnen tragen Beschäftigte die Bleche nicht nur besonders komfortabel, sondern auch ohne direkten Kontakt zu scharfen Kanten. Zu den gängigsten Hilfsmitteln zählen Handmagnete, Trageklemmen und -klauen. Für schwere Bleche eignen sich Transportwagen.

Darüber hinaus wird das Verletzungsrisiko reduziert, wenn Bleche vor dem Transport entgratet werden. Mithilfe von Elektro- oder Druckluftwerkzeugen werden dabei scharfe Kanten oder Splitter am Werkstück entfernt, an denen Beschäftige sich leicht verletzen könnten.