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Keine Finger riskieren
An Sägen kommt es immer wieder zu schweren Verletzungen an Fingern. © Foto: Getty Images/BW Studio

Arbeitswelt : Keine Finger riskieren

An Tisch- und Formatkreissägen kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Dabei gibt es einfache Hilfen, die ein sicheres Arbeiten ermöglichen.

Es war ein ganz routinierter Arbeitsschritt: Ein erfahrener Mitarbeiter schneidet an einer Baustellenkreissäge Schalbretter zu. Ein reflexartiger Griff nach umherliegenden Reststücken wird ihm zum Verhängnis: Ein Holzstück gerät an die Rückseite des Sägeblatts, springt zurück und drückt seine Hand gegen das rotierende Blatt. Die Folge: vier schwer verletzte Finger.

Ohne Schutzmaßnahmen ist das Arbeiten an Kreissägen hochgefährlich

Die Kräfte einer Holzbearbeitungsmaschine führen bei einem Unfall oftmals zu erheblichen Verletzungen: „Das kann vom einfachen Anritzen der Haut bis zum Abtrennen von ganzen Fingern reichen“, sagt Gert Feihle, Leiter des Kompetenzzentrums Holz bei der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM).

Selbst einen tödlichen Unfall habe es schon gegeben. Ohne Schutzmaßnahmen ist das Unfall- und Verletzungsrisiko an Kreissägen hoch – doch es gibt klar definierte Arbeitsschritte und zahlreiche Schutzvorrichtungen, die die Arbeit sicherer machen.

Mit der Schiebehilfe „Fritz und Franz“ bleiben die Hände der Beschäftigten in sicherer Entfernung zum Sägeblatt. © Foto: Andreas Pöcking/ photograph-erfurt.de

Schmale Werkstücke bergen hohes Unfallrisiko

Die meisten Unfälle ereignen sich beim Schneiden von schmalen Werkstücken, wenn Beschäftigte ihre Hände sehr nah am Sägeblatt vorbeibewegen. Feihle erklärt: „Sobald die Hand sich dem Sägeblatt mehr als 120 Millimeter nähert, arbeite ich unsicher. Das gilt als Schutzziel für sicheres Arbeiten an der Tisch- und Formatkreissäge.“

Für die Verarbeitung von schmalen Werkstücken wie etwa Leisten gibt es zahlreiche Hilfsmittel: den ­Parallelanschlag, den Schiebeschlitten, Schiebestöcke und Nachschiebehölzer sowie nicht zuletzt die Schiebehilfe „Fritz und Franz“. Letztere wird auf die Formatkreissäge montiert und ermöglicht, die Hände vom Sägeblatt fernzuhalten. „Würde man schmale Werkstücke konsequent sicher bearbeiten, ließe sich ein Großteil der Unfälle vermeiden“, so Feihle.

Standardausstattung von Formatkreissägen

© Foto: BGHM

Die Standardausstattung von Formatkreissägen im Detail:

  1. Spaltkeil
  2. Schutzhaube mit Absauganschluss
  3. Parallelanschlag
  4. Tischverlängerung
  5. Bedienelemente
  6. Schiebestock mit Halterung
  7. Queranschlag

Risiken oft nicht mehr ernst genommen

Riskant wird es, wenn vorhandene Schutzvorrichtungen nicht verwendet werden. „Ein Grund dafür ist die Gewöhnung an die Gefahr“, so Feihle.

„Beim ersten Arbeiten an Holzbearbeitungsmaschinen sind sich alle Mitarbeitenden der Gefährdung bewusst. Doch je häufiger daran gearbeitet wird, vielfach auch unter Zeitdruck, desto häufiger werden die Schutzvorrichtungen vernach­lässigt.“

Umso wichtiger ist es, sich die Gefährdungen und Schutzmaßnahmen immer wieder ins Bewusstsein zu rufen. In regelmäßigen Unterweisungen an der Maschine sollten das sichere Arbeiten und die korrekte Verwendung der Schutzvorrichtungen im Vordergrund stehen.

Auszubildende stärker einbinden

Experte Feihle empfiehlt: „Eine Idee ist, die Unterweisung von Auszubildenden durchführen zu lassen, die gerade einen Tischler-Schreiner-Maschinenlehrgang absolviert haben – natürlich unter Aufsicht und Verantwortung der Vorgesetzten.“ Das führe auch dazu, dass Auszubildende sich in den Kursen besonders engagierten. Sicherheitsbeauftragte können dies bei ­ihren Vorgesetzten anregen.

Generell sollten Sicherheitsbeauftragte im Betrieb eine Vorbildrolle einnehmen. „In der allgemeinen Hektik des Betriebs können sie als Ruhepol und Ansprechperson fungieren“, so Feihle. Zwar sollten sie ihre Kolleginnen und Kollegen nicht kontrollieren. Fällt jedoch auf, dass Mitarbeitende die vorhandenen Schutzeinrichtungen nicht ordnungsgemäß nutzen, können Sicherheitsbeauftragte sie ansprechen und nach dem Grund fragen.

Kreissägen sicher benutzen

1. Vorbereitung

  • Werkstücke auf Risse und lose Äste prüfen.
  • Geeignetes Sägeblatt für das Material und die richtige Schnittgeschwindigkeit einstellen.
  • Spaltkeil richtig positionieren, um die Rückschlaggefahr zu vermindern.
  • Parallelanschlag ­zurückziehen, um zu vermeiden, dass das Werkstück klemmt.
  • Schutzhaube auf Werkstückshöhe absenken. Nur der zum Schneiden benötigte Teil des Kreissägeblatts darf frei sein.

2. Beim Sägen

  • Für Werkstücke unter 120 Millimetern Breite Schiebestock einsetzen, unter 30 Millimetern Nachschiebeholz verwenden.
  • Werkstücke im Bereich des Kreissägeblattes nur mit Schiebestock entfernen.

3. Nachbereitung

  •  Werkstückreste vom Maschinentisch entfernen.
  • Absauganschluss auf mögliche Werkstückreste kontrollieren.

Mehr Sicherheit durch Technik

Seit einigen Jahren sind neue Maschinen verschiedener Hersteller auf dem Markt, die neben klassischen Schutzvorrichtungen moderne Sicherheits-Assistenzsysteme bieten. Beispielsweise solche, die automatisch kritische Handbewegungen in Richtung des Sägeblatts erkennen.

Dann wird dieses in Sekundenbruchteilen automatisch unter den Tisch abgesenkt oder durch Einführen eines Aluminiumkeils schlagartig abgebremst. Stehen im Betrieb Neuanschaffungen an, können Sicherheitsbeauftragte entsprechende moderne Systeme ins Gespräch bringen.

Zum Weiterlesen

Mehr Tipps rund um das Tischlerhandwerk erhalten Sie in der DGUV Regel 109-606.