Link to header
Neuen Gefahren begegnen
Ein verbreitetes Verfahren beim 3-D-Druck ist Pulverbettverfahren. Der pulvrige Werkstoff st gesundheitsschädlich. © toolcraft

Arbeitswelt : Neuen Gefahren begegnen

Wie Regeln für sicheres Arbeiten mit neuen Verfahren wie dem 3-D-Druck definiert werden, erklärt Dr. Renate Beisser vom Institut für Arbeitsschutz.

Frau Dr. Beisser, mit welchen Gefährdungen bei der additiven Fertigung beschäftigt sich das Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA)?

Mit der sogenannten inhalativen Exposition, die bei Tätigkeiten mit additiven Fertigungsanlagen auftreten kann. Inhalative Exposition bezeichnet die Aufnahme von Gefahrstoffen über die Atmung.

Die Gefahrstoffe unterscheiden wir anhand der Form des Werkstoffs und seiner inhaltlichen Zusammensetzung. Einige additive Verfahren arbeiten mit Pulver, das bereits aufgrund der pulvrigen Form als Gefahrstoff gilt. Woraus der Werkstoff besteht, bestimmt wiederum, wie der Körper auf ihn reagiert.

Manche Unternehmen setzen zum Beispiel nickel- oder kobaltbasierte Metalle ein, die krebserzeugend sind. Gefährlich sind auch Kunststoffe, weil sie giftige Stoffe freisetzen können. Bei diesem Werkstoff müssen Unternehmen unbedingt darauf achten, die Zersetzungstemperatur nicht zu erreichen.

Was leistet das IFA, um die additive Fertigung sicherer zu machen?

Das IFA unterstützt die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen bei naturwissenschaftlichen und technischen Fragen sowie bei betrieblichen Messungen. Standardisiert ist das Vorgehen nicht. Im Fall der additiven Fertigung gab es vermehrt Anfragen von Betrieben.

Sie meldeten Schwierigkeiten bei der Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen. Daraufhin initiierte das DGUV Sachgebiet Gefahrstoffe ein Projekt, um mehr über die inhalative Exposition in der additiven Fertigung zu erfahren.

Fast zeitgleich gründete der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) einen Fachausschuss, der sich mit dem sicheren Betrieb von additiven Fertigungsanlagen beschäftigt. Das IFA nimmt hier eine beratende Rolle ein.

Dr. Renate Beisser, Bereichsleiterin für Gefahrstoffexposition, Messtechnik und Bewertung am Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) © DGUV/Seifert

Zum Weiterlesen

Aktuelle Informationen zum Thema Arbeitsschutz bei additiven Fertigung in der Publikation der DGUV.

Unternehmen können sich also mit Fragen direkt an das IFA wenden. Welche Anfragen haben Sie bekommen?

Bevorzugt sollten sich Unternehmen mit Beratungsbedarf an ihren Unfallversicherungsträger wenden. Aber auch direkte Fragen an uns sind möglich. Die sind oft sehr unterschiedlich.

Es gibt Betriebe, die sind „überrascht“, überhaupt eine Gefährdungsbeurteilung zur additiven Fertigung erstellen zu müssen. Andere wiederum hatten einen Arbeitsunfall und wollen wissen, wie sie solche Unfälle in Zukunft vermeiden können.

Oft sind es auch neue Maschinen, die Fragen aufwerfen. Die Unternehmen werden zu allen Fragen telefonisch beraten. Es kommt auch vor, dass ich sie zusammen mit der zuständigen Aufsichtsperson vor Ort besuche.

Arbeitsschutz beim 3-D-Druck

Beim 3-D-Druck kommen häufig

Was erforscht das IFA genau?

Ziel des Projektes ist festzustellen, wie hoch die inhalative Exposition gegenüber Gefahrstoffen ist und welche Schutzmaßnahmen entsprechend infrage kommen. Grundlage für die Beurteilung sind Betriebsbesichtigungen und betriebliche Messungen.

Aus diesen Informationen werden dann Schutzmaßnahmen abgeleitet. Dazu gehören beispielsweise Lüftung, lokale Absaugung sowie persönliche Schutzausrüstung.

Welche Ergebnisse gibt es schon?

Zurzeit werden die „Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU)“ zu kleinen Materialextrusions-Tischdruckern erstellt. Die EGU richten sich vor allem an Bildungseinrichtungen und Büros, die diese Drucker zu Lehrzwecken oder für die Prototypenherstellung einsetzen.

Die EGU sollen den Unternehmen dabei helfen, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Aufgrund der vielen betrieblichen Messungen haben wir eine verlässliche Datenbasis aufgebaut, anhand derer wir Schutzmaßnahmen für bestimmte Tätigkeiten empfehlen können. Für Unternehmen fallen somit die oftmals aufwendigen Messungen weg.