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Raumluft in der Druckerei: eine Frage der Technik
In Druckereien ist ein konstantes Raumklima aus vielen Gründen wichtig. Foto: DGUV/Kajetan Kandler © Foto: DGUV/ Kajetan Kandler
Arbeitswelt

Raumluft in der Druckerei: eine Frage der Technik

Raumlufttechnische Anlagen beeinflussen in Industriehallen das Raumklima. Neben angenehmen Temperaturen sollen sie gesunde Atemluft sicherstellen.

Datum: 16.05.2022

Mehrere Hundert Kilometer Papier jagen Druckereien Tag für Tag durch die Maschinen. Damit die Produktion nicht ins Stocken gerät, braucht es klare Abläufe – aber auch das richtige Klima. Druckereien können mit der Luftfeuchtigkeit im Raum die Eigenschaften von Papier kontrollieren.

Eine zu geringe oder zu hohe Luftfeuchtigkeit führen zu Problemen: Das Papier lädt sich elektrostatisch auf oder produziert mehr Abrieb. All dies wirkt sich negativ auf den Druckprozess und die Druckqualität aus. Deshalb muss das Klima in Druckereien durchweg konstant sein.

Luftbefeuchter versprühen Wasser im Raum

Mit dem Thema beschäftigt sich auch Dr. Jonathan Bechem. Der Referent für raumlufttechnische Anlagen und Präventionsexperte der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) erklärt: „Die Luft in Druckereien muss häufig über eine raumlufttechnische Anlage befeuchtet werden.

„Dies geschieht entweder zentral oder dezentral über mehrere Geräte.“, erklärt er weiterhin. Gut und gerne sind dafür bis zu 30 Luftbefeuchter in der Produktionshalle und den Lagerräumen verteilt. Sie sind mit Wasser gefüllt und versprühen feinste Aerosole in die Umgebung.

Es droht Keimbelastung der Luft

Doch wo Wasser ist, sind auch Pilze und Bakterien nicht weit. Mit Vorliebe besiedeln sie Wasserbehälter und feuchte Oberflächen. Wenn keine technischen Vorkehrungen getroffen werden und keine Wartungen stattfinden, vermehren sich in den Luftbefeuchtern Keime. Über das ausgestoßene Wasser werden sie sogar noch verteilt und von den Beschäftigten eingeatmet. Es drohen Infektionen und Atemwegserkrankungen.

Eine regelmäßige Wartung der Anlagen beugt Verkeimung vor. „Vorgeschrieben sind regelmäßige Hygieneinspektionen durch Fachleute. Sie prüfen beispielsweise anhand von Wasserproben, dass sich keine Legionellen in den Luftbefeuchtern befinden. Darüber hinaus sind regelmäßige Hygienekontrollen in kürzeren Abständen notwendig: Wie sieht das Wasser aus? Wie hoch ist die Keimbelastung? Das können auch entsprechend geschulte Beschäftigte im Betrieb machen – etwa Sicherheitsbeauftragte“, sagt Bechem.

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Unter hohem Druck zerstäuben Luftbefeuchter Wasser so fein, dass es in Wasserdampf übergeht. © Foto: Andreas Endermann

Checkliste

Das können Sicherheitsbeauftragte für gutes Klima tun 

  1. Beratungstermine durch externe Dienstleister zur Klimatechnik anregen, um die technische Fachkompetenz in der Belegschaft zu erhöhen.
  2. Erklären lassen, an welchen „Stellschrauben“ Beschäftigte drehen können, um das Raumklima selbst zu regulieren.
  3. Regelmäßig daran erinnern, Luftbefeuchter auf Keime untersuchen zu lassen.
  4. Kolleginnen und Kollegen ansprechen, die Anzeichen von Überhitzung zeigen. Sie sollten kühlere Orte aufsuchen, viel trinken und im Zweifel ärztliche Hilfe erhalten.

Weitere Tipps zur Luftbefeuchtung in Industriehallen gibt es von der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro und Medienerzeugnissen (BG ETEM)

Ab 26 Grad kann es kritisch werden

Ein weiteres Gesundheitsrisiko in Druckereien wie in allen Industriehallen ist Wärme. Wie stark sich eine Industriehalle aufheizen kann, hängt vom jeweiligen Industriezweig ab. Das erklärt Volker Ohlig, Aufsichtsperson bei der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM): „Während es beispielsweise in Montagehallen in der Regel nicht heißer ist als in Büroräumen, haben es Beschäftigte in Schmiedebetrieben, Walzwerken oder Gießereien mit Extremtemperaturen zu tun. Druckereien wiederum liegen dazwischen.“

Die Technische Regel für Arbeitsstätten „Raumtemperatur“ (ASR A3.5) empfiehlt eine Umgebungstemperatur von 20 bis 26 Grad Celsius. Dann fühlen sich Menschen besonders wohl. Auf höhere Temperaturen reagiert der menschliche Organismus mit Schweiß, um den Körper zu kühlen und die Körperkerntemperatur von 37 Grad zu erhalten. „Regulationsmechanismen wie Schwitzen funktionieren jedoch nicht, wenn gleichzeitig die Luftfeuchte sehr hoch ist. In der Metallindustrie beispielsweise kommen Kühlschmierstoffe zum Einsatz. Sie können für eine höhere Luftfeuchte sorgen“, sagt Ohlig. Ein solches Klima kann bei Vorerkrankungen bereits die Gesundheit gefährden.

Tipp zum Weiterlesen

Die Publikation der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung beantwortet die häufigsten Fragen rund um das Klima in Industriehallen.

Auf raumlufttechnische Anlagen kommt es an

Ab 35 Grad wird es auch für gesunde Menschen gefährlich. Unwohlsein, Konzentrationsschwäche oder Fieber sind Anzeichen für einen überhitzten Körper. Schlimmstenfalls bricht der Kreislauf zusammen.

Damit das nicht passiert, sollten Arbeitgebende mit einer geeigneten Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik für gesundes Klima und angenehme Atemluft sorgen. Am falschen Ende sollten die Verantwortlichen dabei nicht sparen. „Die Betriebsleitung sollte hier langfristig denken“, betont Ohlig. „Investitionskosten zahlen sich aus – in Form von zufriedenen, leistungsfähigen Beschäftigten.“

Geschrieben von: Isabelle Rondinone