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Rettung aus engen Räumen und Behältern üben
In einem eigens entwickelten Prototyp können Beschäftigte die Rettung aus engen Räumen und Behältern üben. © Borsig GmbH
Arbeitswelt

Rettung aus engen Räumen und Behältern üben

In engen Räumen und Behältern ist wenig Platz, um verunfallten Personen zu helfen. Daher gilt es, regelmäßig die Rettung zu üben.

Datum: 16.06.2022

Luftmangel, Explosions- und Brandgefahr, aber auch Absturz aus verschiedenen Höhen gefährden Beschäftigte, die in engen Räumen arbeiten. Wenn es zu einem Unfall kommt, ist schnelle Hilfe gefragt, doch die Ersthelfenden müssen dabei mit dem wenigen Platz auskommen, den sie zum Beispiel schon beim Einstieg in einen Kessel zur Verfügung haben.

„Wenn sie die Rettung aus engen Räumen und Behältern nicht üben, dann haben sie kaum eine Chance, einer verunfallten Person rasch zu helfen beziehungsweise sie aus dem Behälter zu bergen“, sagt Holger Tetzlaff, Aufsichtsperson bei der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM).

Zugänge wie im U-Boot

Die Borsig GmbH aus Berlin hat sich für die Rettung aus engen Räumen und Behältern eine besondere Trainingsmöglichkeit für ihre Beschäftigten überlegt. Das Unternehmen produziert Apparate und Wärmetauscher für die chemische und petrochemische Industrie. Zwar sind diese groß und ganze 300 Tonnen schwer, gleichen vom Aufbau her jedoch eher engen U-Booten.

„Die Apparate bestehen aus Zylindern mit einzelnen Mannlöchern“, sagt Kilian Kopp, leitende Fachkraft für Arbeitssicherheit bei Borsig. Durch diese müssen immer wieder Beschäftigte in die engen Räume dahinter, sei es zum Prüfen oder Schweißen. „Wenn es dieser Person nicht gut geht, müssen wir in der Lage sein, sie schnell herauszuholen.“ Gleiches gelte für Beschäftigte, die Teile großer Kesselanlagen in Kraftwerken und Abfallverbrennungsanlagen warten.

Von der Idee zum Prototyp

2016 hatte Kopp die Idee zu einem CSE-Würfel. CSE steht dabei für „Confined Space Entry“, also „Zugang zu engen Räumen“. Gemeinsam mit Beschäftigten des Montageservice der Borsig Service GmbH, die in der Praxis in engen Räumen arbeiten, entwickelte und baute er einen aufwendigen Prototyp.

Er besteht aus einem 10-Fuß-Standardcontainer, in den Original-Luken und -Mannlöcher in verschiedenen Größen eingebaut sind. Das Dach ist verstärkt und mit einem Geländer gesichert. Hier ist eine Abseilkonstruktion mit Dreibein installiert. Ersthelfende können durch die Dachluke und die Luken in den Wänden einsteigen und die Rettung aus engen Räumen und Behältern üben.

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Durch Mannlöcher und Luken in verschiedenen Größen lässt sich der Einstieg trainieren. © Borsig GmbH

Rettung aus engen Räumen unter realistischen Bedingungen

Seit drei Jahren ist der Trainingswürfel im Einsatz. Bei Kursen für Ersthelfende sowie bei Schulungen für Beschäftigte, die Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) verwenden, lernen die Teilnehmenden, wie sie Personen aus engen Räumen herausbekommen.

Eine mit Stahlkies gefüllte, 70 Kilogramm schwere Puppe simuliert dabei die verunfallte Person. „Sie mag zwar leichter sein, als die durchschnittliche Person, die zu retten ist. Doch dafür hilft sie nicht mit, sondern verhält sich wie ein bewusstloser Mensch. Für die Ersthelfenden macht es das schwerer“, so Kopp.

Enge und Dunkelheit perfekt simulieren

Um auch im Container möglichst realistische Bedingungen zu schaffen, sind senkrechte Stangen eingebaut, die Rohrwände in einer Kesselanlage darstellen und den zur Verfügung stehenden Platz verringern. Die Innenwände des Trainingswürfels sind braun gestrichen, um die Dunkelheit in einem Kessel zu simulieren.

In dieser Umgebung können die Ersthelfenden im Team üben, wie sie eine Person anfassen, heben und auf einer Trage hinausbringen können.

Regelmäßig üben und auffrischen

Alle zwei Jahre wird die Rettungsübung wiederholt. Da nicht nur die betrieblichen Ersthelferinnen und Ersthelfer den Trainingswürfel nutzen, sondern alle, die PSAgA gebrauchen, sind bei Borsig weit mehr Beschäftigte auf den Ernstfall vorbereitet, als die gesetzlich vorgeschriebenen zehn Prozent.

„So können wir sicherstellen, dass immer eine oder mehrere Personen bei Arbeiten vor Ort sind, die wissen, wie die Rettung aus engen Räumen funktioniert“, erläutert Kopp.

Gut zu wissen

2020 verlieh die BGHM der Borsig GmbH für den CSE-Würfel den Sicherheitspreis „Schlauer Fuchs“. Damit zeichnet die Berufsgenossenschaft sehr gute Projekte in den Bereichen Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit aus. Mit dem Preis wird der betriebliche Arbeitsschutz weiter unterstützt.

Andere Unternehmen unterstützen

Die Konstruktion begeistert mittlerweile auch andere Unternehmen. Mehrfach hat Borsig den Trainingswürfel bereits verliehen. Das ist leicht möglich, da sich der Container auf einen Lkw verladen und transportieren lässt. So profitieren noch mehr Beschäftigte von der Idee, die Rettung aus engen Räumen und Behältern regelmäßig zu üben.

Geschrieben von: Jörn Käsebier