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Stress im Homeoffice vermeiden
Gleichzeitig arbeiten und Kinder betreuen? Das funktioniert nur selten – besser ist, die Eltern wechseln sich ab. © Foto: Getty Images/Drazen Zigic
Arbeitswelt

Stress im Homeoffice vermeiden

„Gegen Ablenkung helfen klare Absprachen“, sagt Arbeitspsychologin Dr. Christina Heitmann und gibt weitere wertvolle Tipps.

Datum: 01.04.2021
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Dr. Christina Heitmann ist Referentin am Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG) © IAG

Frau Dr. Heitmann, was sind die größten Stressfaktoren für Beschäftigte im Homeoffice?

Zu den Hauptstressoren gehören häufige Störungen und Unterbrechungen bei der Arbeit, etwa durch andere Haushaltsmitglieder. Ein weiterer Stressfaktor ist es, wenn nicht klar geregelt ist, was die Arbeitsaufgaben sind und wie diese organisiert werden können. Zusätzlicher Zeitdruck kann dadurch entstehen, dass Beschäftigte nicht genau wissen, welche Entscheidungsspielräume und Verantwortlichkeiten sie eigentlich haben. Dies kann insbesondere der Fall sein, wenn keine vorherige Erfahrung mit dieser Tätigkeit im Homeoffice besteht.

Wie können Beschäftigte den Stress verringern?

Das Wichtigste ist eine klare Kommunikation. Hilfreich ist ein regelmäßiger Austausch mit der Führungskraft und die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen oder Rückmeldung zu geben. Gegen Ablenkung durch andere Haushaltsmitglieder helfen klare Absprachen: Wann bin ich erreichbar und wann nicht? Wenn möglich, sollte eine räumliche Trennung zwischen Arbeits- und Freizeitbereich in der Wohnung erfolgen. Wenn kein eigener Arbeitsraum vorhanden ist, können auch Pflanzen oder Regale dabei helfen, eine Abgrenzung zu schaffen.

Was kann ich tun, um nach der Arbeit abzuschalten, obwohl der Laptop sich weiterhin in Reichweite befindet?

Arbeitgebende sollten auf jeden Fall bewusst machen, dass die Gefahr einer Entgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit besteht. Wenn der Arbeitstag vorbei ist, sollte der Laptop geschlossen und möglichst aus dem Sichtfeld verbannt werden, das Gleiche gilt für Arbeitsunterlagen.

Ebenfalls dazu gehört, dass mit Kolleginnen und Kollegen abgeklärt wird, wann man erreichbar ist und wann nicht. Wenn niemand erwartet, dass ich zu einer bestimmten Zeit auf E-Mails reagiere, dann brauche ich das auch nicht zu tun. Außerdem ist es ratsam, E-Mails und Arbeitstelefonate – wenn möglich – nicht auf das Privathandy umzuleiten, um hier eine klare Trennung der Bereiche beizubehalten. Führungskräfte sollten mit gutem Beispiel vorangehen und damit die Erreichbarkeitserwartungen prägen.

Was empfehlen Sie Beschäftigten, die sich beim Arbeiten zu Hause schwerer motivieren können als im Büro?

Grundsätzlich muss man sich in so einem Fall fragen, wo­ran der Motivationsmangel liegt. Sind die Aufgaben andere als im Büro, sind sie zu schwierig oder zu einfach? Dann lässt sich zunächst daran etwas ändern. Ist das Motivationstief hingegen darin begründet, dass wir unsere üblichen Aufgaben plötzlich als einen unüberwindbaren Berg vor uns sehen, dann hilft es, die Arbeit in kleine Ziele zu unterteilen. Auch das Gespräch mit dem oder der Vorgesetzten darüber ist wichtig.

Wie können im Homeoffice arbeitende Menschen am besten Pause machen?

Das Arbeitszeitgesetz gilt im Homeoffice genauso wie im Büro, Pausen sind somit gesetzlich vorgeschrieben. Studien zeigen bisher allerdings, dass Beschäftigte zu Hause mehr arbeiten als im Büro. Dies darf nicht zu „interessierter Selbstgefährdung“ führen, also der Gefährdung der eigenen Gesundheit aus Interesse am beruflichen Erfolg. Um Stress vorzubeugen, sollten Beschäftigte Pausen bewusst einplanen, etwa die Mittagspause in ihren Arbeitskalender eintragen.

Zwischendurch empfiehlt es sich, immer mal wieder Ausgleich zu schaffen zur Büroarbeit: Ein paar Schritte gehen, ein paar Übungen für den Rücken oder auch für die Augen, die permanent auf den Bildschirm gerichtet sind. Regelmäßiges Lüften ist ebenfalls wichtig, um danach wieder mit voller Konzentration weiterarbeiten zu können.

Was hilft sonst noch gegen Stress im Homeoffice?

Rechtlich ist für jeden Arbeitsplatz eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen (Gefährdungsbeurteilung) vorgesehen, die auch die Beurteilung psychischer Belastungen beinhaltet. Dies gilt auch für das Homeoffice, auch wenn eine Beurteilung, zum Beispiel aufgrund der Pandemiebedingungen, schwieriger ist. Um auch im Homeoffice mit Belastungen gut umgehen zu können, brauchen Beschäftigte eine gewisse Sicherheits- und Gesundheitskompetenz, also kurz gesagt das Bewusstsein und die Handlungsfähigkeit, auf die eigene Sicherheit und Gesundheit zu achten.

Es ist sinnvoll, wenn Unternehmen schon jetzt eine Kultur des Aufeinander-Achtens leben und die Sicherheits- und Gesundheitskompetenz der Beschäftigten fördern. Dabei hilft auch das Informationsmaterial der kommmitmensch-Kampagne der DGUV und der Unfallversicherungsträger.

Zum Weiterlesen

Mehr Informationen zu den Herausforderungen im Homeoffice und welche Lösungen es gegen Stress gibt, erfahren Sie bei kommmitmensch.

Geschrieben von: Julia Frese

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