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Unterweisung: „Auf die Praxis kommt es an“
Die Führungskraft ist verantwortlich für die didaktische Vorbereitung und Weiterbildung ihrer Beschäftigten. © AdobeStock/Drazen
Arbeitswelt

Unterweisung: „Auf die Praxis kommt es an“

Unterweisungen führen Sicherheitsbeauftragte zwar nicht durch, aber sie können Führungskräfte sehr gut dabei unterstützen.

Datum: 07.10.2021
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Dr. Ronald Unger ist Referent für Sicherheits­werbung bei der BG ETEM und weiß, worauf es bei Unterweisungen ankommt. © BG ETEM

Herr Dr. Unger, wie können Sicherheitsbeauftragte ihre Führungskräfte bei Unterweisungen unterstützen?

Eine wichtige Aufgabe ist es, dass sie Medien im Angebot ihres zuständigen Unfallversicherungsträgers recherchieren. Da wird ja eine ganze Reihe von Dokumenten, Bildern, Plakaten und Filmen angeboten. Ich würde gründlich im Medienangebot der Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse nach passendem Material suchen. Oft gibt es da auch verschiedene elektronische Module. Magazine wie die „Arbeit & Gesundheit“ mit ihren Webseiten liefern ebenfalls gutes Informationsmaterial.

Medien gezielt einsetzen

Plakate, Filme und Broschüren,

Welche Rolle spielt die Aufbereitung des Materials bei der Auswahl?

Die Didaktik liegt nicht in der Verantwortung der Sicherheitsbeauftragten. Das ist Aufgabe der Führungskraft. Diese sollte sich auch mit der didaktischen Vorbereitung beschäftigen und sich entsprechend weiterbilden.

Bei kleineren Unternehmen, in denen Fachkräfte für Arbeitssicherheit nur bei Bedarf beraten, sehe ich für Sicherheitsbeauftragte jedoch eine weitere wichtige Aufgabe.

Welche ist das?

Hier können Sicherheitsbeauftragte auch einen Unterweisungs- und Schulungsplan erarbeiten. Ich halte eine einzige Unterweisung pro Jahr für zu wenig. Sinnvoller ist es, quartalsweise eine kurze Unterweisung mit klarem Fokus vorzunehmen. Hierfür können Sicherheitsbeauftragte dann auch Themen vorschlagen.

Was für Themen könnten das sein?

Da gibt es eine breite Auswahl: Erste Hilfe, Umgang mit biologischen und chemischen Arbeitsstoffen. Oder Maschinensicherheit. Hier können Sicherheitsbeauftragte ihrer Führungskraft auch darstellen, welche Probleme es im Betrieb gibt. Zum Beispiel, wenn Sicherheitsvorkehrungen die Maschinenbedienung erschweren oder sogar behindern und deshalb häufiger außer Kraft gesetzt werden.

Wichtig ist auch das Thema Verkehrssicherheit. Das wird gern vernachlässigt, weil da meist der direkte Arbeitsbezug fehlt. Aber gerade im Herbst und Winter steigt mit der schlechten Witterung die Unfallgefahr. Ergonomie ist ebenfalls ein wichtiges Thema und natürlich die Anwendung der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Zum Beispiel: Wann und wie setze ich Gehörschutz richtig ein?

Die Unterweisung ist die Theorie, auch wenn sie möglichst mit praktischen Übungen verbunden ist …

Richtig, auf die Praxis kommt es an. Hier spielt die Nach­bereitung eine wichtige Rolle. Wie setzen einzelne Mitarbeitende das Gezeigte um? Da sollten Sicherheitsbeauftragte von Kollege zu Kollegin beraten, wie zum Beispiel die PSA richtig anzuwenden ist.

Und schließlich sollten sie Vorbild sein. Wenn etwa Sicherheitsbeauftragte ohne Helm Fahrrad fahren, ist die Vorbildwirkung dahin.

Geschrieben von: Jörn Käsebier