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Mit der richtigen Akustik Stress reduzieren
Gepolsterte Trennwände sorgen im offenen Großraumbüro für eine angenehmere Raumakustik. © Raufeld Medien
Gesundheit

Mit der richtigen Akustik Stress reduzieren

Eine gute Akustik im Büro fördert die Gesundheit der Mitarbeitenden. Ist es zu laut, lässt sich schon mit kleinen Maßnahmen für mehr Ruhe sorgen.

Datum: 01.11.2021

In Großraumbüros sind Beschäftigte pausenlos von Geräuschen umgeben. Hier sprechende und vorbeilaufende Kolleginnen und Kollegen, dort tippende Finger auf Tastaturen, klingelnde Telefone und piepende Drucker. Zwar sind die Geräusche in der Regel so leise, dass sie das Gehör nicht schädigen. Dennoch kann sich der Lärm negativ auf Körper und Psyche auswirken.

Lärm kann Anspannung und Nervosität erzeugen

„Sind Beschäftigte Lärm stetig ausgesetzt, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Denn Lärm lässt nachweislich die Stresshormone im Körper ansteigen“, bestätigt Psychologin Hannah Huxholl, Referentin für Arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). „Dadurch können sich beispielsweise der Blutdruck und die Herzfrequenz erhöhen. Anspannung und Nervosität sind Folgen.“

Daher ist es wichtig, den Lärmpegel so niedrig wie möglich zu halten. Die Arbeitsstättenverordnung (ASR, A3.7 Lärm) schreibt je nach Tätigkeit maximal zulässige Pegel vor: für konzentriertes Arbeiten 55 Dezibel, für routinierte Tätigkeiten 70 Dezibel.

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Schall breitet sich von einer Geräuschquelle in alle Richtungen aus. Schallabsorbierende Materialien „schlucken“ den Schall, statt ihn zu reflektieren. Dadurch wird Hall in Räumen reduziert. © Raufeld Medien

Mehr Arbeitsfehler durch Lärm

Hauptschallquellen in Büroräumen sind die Mitarbeitenden selbst. „Gerade wenn sich Kolleginnen oder Kollegen am Nachbartisch klar verständlich unterhalten, ist das ein sehr störendes Geräusch. Ist der Inhalt eines solchen Gesprächs irrelevant für die eigene Tätigkeit, beeinträchtigt dies die Konzentration und es unterlaufen mehr Fehler. Um das zu kompensieren, müssen sich Beschäftigte mehr anstrengen. Dadurch ermüden sie und sind schneller erschöpft“, erklärt Dr. Florian Schelle, Bereichsleiter „Lärm“ am Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA).

Oft beginnt das Problem schon, wenn das Bürogebäude errichtet wird. Beliebt sind aktuell Baumaterialien wie Beton, Kunststoff oder Glas. Diese sind jedoch glatt und reflektieren Schall besonders stark. „Bei einem Neubau sollte die Akustik direkt mit eingeplant werden. In bestehenden Räumlichkeiten müssen Betriebe überhaupt anerkennen, dass sie ein Problem mit Lärm haben. Daran können Sicherheitsbeauftragte entscheidend mitwirken“, sagt Dr. Schelle.

Mit offenen Ohren und Augen durchs Büro gehen

Weil Sicherheitsbeauftragte zur Belegschaft gehören, sind sie von einer schlechten Raumakustik direkt betroffen. Sie wissen genau, ob es beispielsweise hallt oder sprechende Kolleginnen und Kollegen aus allen Ecken deutlich zu hören sind. Die Eindrücke sollten sie an Führungskräfte weitergeben. Diese können Maßnahmen anhand des STOP-Prinzips in die Wege leiten, um Lärm zu reduzieren. Das „S“ steht dabei für Substitution der Lärmquellen (also Beseitigung), „T“, „O“ und „P“ für technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen der Lärmminderung.

Tipps für Sicherheitsbeauftragte

  • Sicherheitsbeauftragte können mit konkreten Vorschlägen auf Führungskräfte zugehen. Mit mobilen Trennwänden beispielsweise lässt sich die Akustik in einem Büro ganz einfach verbessern.
  • Weitere Informationen finden Sie in die DGUV Information Akustik im Büro.

Verschiedene Tätigkeiten räumlich trennen

Um für eine ruhigere Atmosphäre zu sorgen, können Unternehmen ihre Räume unter anderem mit schallabsorbierenden Trennwänden, Teppichen oder Akustikwürfeln ausstatten. Dies sind Beispiele für technische Maßnahmen. Auch organisatorisch lässt sich einiges verbessern.

„Eine durchdachte Raumaufteilung sorgt für Ruhe im Büro. Es sollten mehrere Zonen geschaffen werden, in denen Beschäftigte ruhig arbeiten oder aber Meetings abhalten können“, erklärt Dr. Schelle. Innerhalb dieser Zonen sollten Mitarbeitende die gleiche Tätigkeit ausüben. „Wenn sich kommunikative Tätigkeiten und Tätigkeiten, die eine hohe Konzentration erfordern, durchmischen, ist das problematisch. Ein Problem, das selbst durch eine perfekte Raumakustik nicht gelöst werden kann“, sagt Huxholl.

Eigenes Verhalten hinterfragen

Bereits kleine persönliche Maßnahmen können die Lärmbelastung stark reduzieren. „Gut ist, das Telefon lautlos zu stellen und mit Headset zu telefonieren. Kleine Pausen außerhalb des Büros sind erholsam und lassen den Stresspegel sinken. Im Homeoffice zu arbeiten, kann die Lärmbelastung für Beschäftigte ebenfalls reduzieren. Was gut funktionieren kann, wie die letzten Monate gezeigt haben“, so die Psychologin.

So lässt sich die Akkustik im Büro gestalten

  1. Deckensegel: Horizontal abgehängte Elemente, die den Schall über Arbeitsplätzen absorbieren.
  2. Geschlossene Räume: Besprechungsräume nach außen gut dämmen.
  3. Wandverkleidung: Schallabsorbierende Wandverkleidung besteht häufig aus Holzpaneelen.
  4. Polstermöbel: Kissen, Sofas und Loungemöbel aus textilen Materialien „schlucken“ Schall.
  5. Trennwände: Stellwände mit Schalldämmung unterteilen große Flächen in akustische Zonen.
  6. Teppichboden: Teppich und Linoleum dämmen Geräusche, die beim Gehen entstehen.

Geschrieben von: Florian Jung