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Bewegung hoch, Blutdruck runter
Bewegung lässt sich vielfältig 
in den Alltag integrieren, zum Beispiel, indem Beschäftigte auf dem Arbeitsweg Treppen statt Aufzug oder Rolltreppe benutzen. Das wirkt Bluthochdruck entgegen. © iStock/Nikada
Gesundheit

Bewegung hoch, Blutdruck runter

Arbeitsbedingter Stress begünstigt Bluthochdruck. Sicherheitsbeauftragte können dabei helfen, Stressfaktoren bei der Arbeit entgegenzuwirken.

Datum: 19.01.2022

Bluthochdruck äußert sich zuweilen durch Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Schwindel. Nicht selten sind Betroffene aber gänzlich beschwerdefrei. Das ist bei dauerhaftem Bluthochdruck fatal. Schließlich gilt die Krankheit als Wegbereiter für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Leider wird die Diagnose Bluthochdruck immer häufiger gestellt, wie die 2020 veröffentlichte Versorgungsatlas-Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung belegt. So ist zwischen 2009 und 2018 bei unveränderten Grenzwerten in Deutschland die Zahl der gesetzlich Versicherten mit diagnostizierter Hypertonie – wie Bluthochdruck in der Medizin bezeichnet wird – von knapp 17 Millionen auf gut 19 Millionen gestiegen. Ursachen dafür finden sich auch in der Arbeitswelt.

Gut zu wissen

Wann sprechen wir von Bluthochdruck?

Mit jedem Schlag pumpt das Herz Blut in den Blutkreislauf und übt dabei Druck auf die Gefäßwände aus. Der Blutdruck wird in der Einheit „Millimeter Quecksilbersäule“ angegeben, kurz: mmHg. 
Optimal ist ein Blutdruck von 120/80 mmHg.

Dabei spiegelt der erste Wert den Druck in den Schlagadern wider, den das Herz aufbaut, wenn es Blut in der Körperkreislauf pumpt (Systole). Der zweite Wert entspricht dem Druck, wenn sich das Herz entspannt (Diastole). Bluthochdruck liegt vor, wenn wiederholt Werte von 140/90 oder höher gemessen werden.

Risiko für Bluthochdruck bei Führungskräften und Beschäftigten im Gesundheitswesen

„Ob Schichtarbeit, Zeitdruck, Lärm, Konflikte im Team, lange Arbeitszeiten oder aber Unterforderung und Monotonie: Stressbedingter Bluthochdruck hat individuelle sowie je nach Persönlichkeit und Veranlagung unterschiedliche Auslöser“, erklärt Dr. Ingolf Hosbach vom Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IPA).

Ebenso beschränke sich das Risiko, an hohem Blutdruck zu erkranken, nicht auf bestimmte Branchen. „Es gibt zwar Tätigkeiten, die risikobehafteter sind, denken wir an Führungspositionen oder Beschäftigte im Gesundheitswesen. Jedoch spielt auch die familiäre Situation eine große Rolle“, so der Mediziner. Gerade Mütter in Partnerschaften mit traditioneller Rollenverteilung seien oft einer Doppelbelastung ausgesetzt, die zu Stress führt und so Bluthoch­­druck fördert.

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Lärm erzeugt Stress. Im Büro beispielsweise sorgen schon einfache Maßnahmen für eine ruhige, entspannte Arbeitsatmosphäre. © Getty Images/ skynesher

Stressfaktoren bei der Arbeit
 aufspüren und beseitigen

Vorbeugend kann es notwendig sein, Arbeitsbedingungen anzupassen. Sicherheitsbeauftragte nehmen bei diesem Prozess an der Schnittstelle zwischen Beschäftigten und Vorgesetzten eine entscheidende Rolle ein. „Dabei ist es wichtig, dass sie nicht kontrollierend auftreten, sondern bei Sorgen und Missständen zuhören und vermitteln“, er­klärt Hosbach.

So können Sicherheitsbeauftragte beispielsweise dazu beitragen, stressauslösende Faktoren am Arbeitsplatz zu erkennen und bei Vorgesetzten anzuregen, diese zu beseitigen. Ebenso können sie Kolleginnen und Kollegen zu mehr Bewegung ermuntern. Denn Bewegung tut gut: „Studien haben gezeigt, dass täg­liche Bewegung erhöhten Blutdruck erheblich senken kann. Schon zehn Minuten moderate körperliche Aktivität am Tag reichen aus, um das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung als Folge der Hypertonie zu sterben, um nahezu zwei Drittel zu senken“, so Hosbach.

So lässt sich Stress am Arbeitsplatz verringern:

  • Lärm reduzieren
  • Beleuchtung verbessern
  • Gefahrenquellen beseitigen, die Beschäftigte stark belasten, z. B. an Arbeitsplätzen mit hohem Überfallrisiko
  • Arbeits- und Pausenzeiten einhalten
  • Bei zu hoher Arbeitsbe­lastung das Gespräch mit 
Vorgesetzten suchen

Arbeitsmedizinische Vorsorge erkennt Krankheiten frühzeitig

Arbeitgebende sind verpflichtet, die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen. Dazu gehört auch die arbeitsmedizinische Vorsorge. Krankheiten können so frühzeitig erkannt und dadurch in der Regel besser behandelt werden. In Zusammenarbeit mit Betriebsärztinnen und Betriebsärzten kann ein Unternehmen zudem herausfinden, wie sie Arbeitsplätze, Arbeitszeit und Pausenregelung gesünder gestalten.

Ein erfolgreicher Gesundheitsschutz setzt nicht zuletzt die Selbsterkenntnis der Betriebe voraus, dass ihr höchstes Gut die Mitarbeitenden sind. „Durch gesundes Essen in der Kantine, erholsame Pausen, sinnvolle Digitalisierung von Arbeitsschritten oder Anregungen zur sportlichen Betätigung können Unternehmen viel tun“, sagt Hosbach. Klar ist aber, dass auch Betroffene selbst etwas beitragen müssen. Denn eine gesunde Lebensweise, etwa ohne Alkohol und Zigaretten, kann ein Unternehmen Mitarbeitenden nicht vorschreiben – sondern nur dazu motivieren.

Tipps für mehr Bewegung im Berufsalltag

  1. Für Beschäftigte, die viel sitzen: Steh-Meetings sowie Treppe statt Auf­zug ­bringen Schwung in den Bürotag.
  2. Wer mit öffent­lichen Verkehrs­mitteln pendelt, kann eine Haltestelle früher aussteigen und den Rest der Strecke zu Fuß gehen.
  3. Die Pause für einen Spaziergang oder Dehnübungen nutzen.

Geschrieben von: Florian Jung