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Sucht am Arbeitsplatz: Warum sie gefährlich ist
Alkoholsucht ist ein Problem, dass Betriebe ernst nehmen sollten. © Adobe Stock/Rainer Fuhrmann
Gesundheit

Sucht am Arbeitsplatz: Warum sie gefährlich ist

Alkohol am Arbeitsplatz erhöht die Unfallgefahr erheblich. Wie man auf Anzeichen von Sucht am Arbeitsplatz bei Kolleginnen und Kollegen reagiert.

Datum: 20.09.2021

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Deutsche in der Pandemie vermehrt Alkohol konsumieren und auch verstärkt zur Zigarette greifen. So ergab zum Beispiel eine von der Kaufmännischen Krankenkasse beauftragte Forsa-Studie der zweiten Jahreshälfte 2020, dass rund ein Viertel der Befragten, die mehrmals in der Woche alkoholische Getränke trinken, in Coronazeiten noch mehr Alkohol zu sich nimmt.

„Einsamkeit und fehlende soziale Kontrolle sind mögliche Gründe. Für viele Beschäftigte ist aber auch die psychische Beanspruchung gestiegen, was sie mit dem Griff zur Flasche kompensieren wollten“, sagt Dr. Marlen Cosmar, Arbeitspsychologin am Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG). Mit hohem regelmäßigen Alkoholkonsum steigt auch die Gefahr, abhängig zu werden. Alkoholkranke Menschen schädigen ihre eigene Gesundheit erheblich.

Gefahr für sich selbst und andere

Bei der Arbeit können alkoholisierte Personen aber nicht nur zur Gefahr für sich selbst, sondern auch für ihre Kolleginnen und Kollegen werden. Denn bereits ab 0,3 Promille kann man sich schlechter konzentrieren und wird unaufmerksamer. Besonders wenn man Fahrzeuge steuert und Maschinen bedient, wird das ein Problem.

„Es ist daher wichtig, dass Mitarbeitende nicht zu Co-Abhängigen werden, die einfach wegsehen oder die betreffende Person bei ihrem Konsum decken“, so die Expertin. Es sei vielmehr geboten, die zuständige Führungskraft einzuschalten. Diese kümmert sich zunächst darum, dass die alkoholisierte Person aufhört zu arbeiten und sicher nach Hause kommt.

Die Verantwortung von Führungskräften endet hier aber nicht. „Als nächster Schritt ist ein Gespräch unter vier Augen zwischen betroffener Person und Führungskraft sinnvoll. Dabei gilt es, das weitere Vorgehen auszuloten und Hilfe anzubieten“, sagt Cosmar. Dabei kann es sinnvoll sein, weitere Ansprechpersonen einzuschalten:

  • Personal- oder Betriebsrat
  • Personalabteilung
  • Suchthilfe im Unternehmen

Gemeinsam können sie der alkoholkranken Person helfen, wieder trocken zu werden. Sie müssen aber auch die Konsequenzen zeigen – im ungünstigsten Fall eine Kündigung.

Sucht am Arbeitsplatz vorbeugen

Unabhängig von konkreten Fällen sollte Sucht in der Präventionsarbeit ein Thema sein. Sicherheitsbeauftragte können Führungskräfte dabei unterstützen, vor den Folgen etwa einer Alkoholsucht aufzuklären.

Eine gute Möglichkeit, Süchtige für das doppelte Risiko zu sensibilisieren, auf Ausstiegsprogramme hinzuweisen oder proaktiv Sucht zu verhindern sind Gesundheitstage in den Betrieben. Sicherheitsbeauftragte können diese sowohl anregen als auch dabei helfen, sie zu organisieren und durchzuführen. Auch etwa eine Aktionswoche Alkohol kann nachhaltig ein positives Zeichen in der Belegschaft setzen.

Mögliche Aktionen bei Gesundheitstagen:

  • Mini-Workshops: Beschäftigte arbeiten mit Rauschbrillen, die unterschiedliche Promillewerte simulieren.
  • Fahrsimulatoren zeigen, wie sich das Fahrverhalten unter Alkoholeinfluss verändert
  • Filme zur Aufklärung vorführen
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Das Kampagnen-Logo der Aktion "Deine Chance" © Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Hilfe bei der Rauchentwöhnung

Nicht nur der Alkoholkonsum stieg in den vergangenen Monaten. Auch beim Rauchen zeigte sich in der genannten Forsa-Umfrage, dass Menschen in der Pandemiezeit vermehrt zur Zigarette gegriffen haben. Damit gefährden sie vor allem langfristig ihre Gesundheit. Schließlich erhöht sich durch Nikotinkonsum das Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen.

Sicherheitsbeauftragte können darauf aufmerksam machen, dass Unternehmen und Betriebsärztinnen sowie Betriebsärzte bei Rauchstoppangeboten für ihre Beschäftigten umfassend Unterstützung bekommen. Beispielsweise finanziert die gesetzliche Krankenversicherung vielfältige Projekte. Ansprechpersonen sind die Koordinierungsstellen gesundheitliche Chancengleichheit.

Ersparnisrechner und Informationen zum Teilen

Die aktuelle Bundesinitiative und Kampagne „Rauchfrei leben – deine Chance“ der Drogenbeauftragten der Bundesregierung motiviert und unterstützt Menschen dabei, mit dem Rauchen aufzuhören.

Auf der Website von „Nutze deine Chance“ finden Personen, die dem Rauchen entsagen möchten, zahlreiche Informationen und Hilfestellung zum Ausstieg wie eine Angebotsdatenbank mit verschiedenen Methoden für den Ausstieg, ein Online-Ausstiegsprogramm, telefonische Beratung, Broschüren, konkrete Tipps und Sofortmaßnahmen bei einem Rückfall.

Mit dem Ersparnisrechner können Betroffene kalkulieren, wie viel Geld sie in wie vielen Tagen durch Nikotinverzicht sparen würden – und was sie sich für diese Summe leisten könnten.

Sicherheitsbeauftragte können diese Informationen teilen und im Betrieb beispielsweise einen Gesundheitstag zum Thema Rauchen anregen oder Kolleginnen und Kollegen auf die Angebote der Kampagne aufmerksam machen. Die hilfreichen Informationsmaterialien (Flyer und Plakate) können kostenlos hier bestellt werden.

Geschrieben von: Jörn Käsebier