Tipps & Arbeitshilfen
Eine Person tippt etwas in einen Computer

Die neue Art des Lernens

Immer mehr Unternehmen setzen auf neue Formen der Wissensvermittlung und Kompetenzentwicklung. Davon profitieren auch Sicherheitsbeauftragte bei ihrer Arbeit – und bei ihrer Mittlerrolle im Arbeitsschutz.

Die Arbeitswelt entwickelt sich rasant weiter. Immer mehr Abläufe werden digitalisiert, auch damit sie schneller werden. Dabei muss der Mensch Schritt halten können und die Chance haben, sein Wissen entsprechend zu erweitern. „Die Wissensvermittlung erfolgt zunehmend über webbasierte Lernplattformen, Apps und Videos. Doch auch Mischformen, die klassische Seminare und elektronische Medien vereinen, werden genutzt“, erklärt Joachim Schiefer, Leiter des Bereichs „Lernen und elektronische Medien“ am Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG).

Selbstgesteuertes Lernen

Mit Videos und Apps können sich Beschäftigte dank mobiler Endgeräte selbstständig sowie zeit- und ortsunabhängig Wissen aneignen. In Videotutorials lassen sich beispielsweise komplexe Fertigungsprozesse erklären, die ansonsten nur schwer nachvollziehbar sind. Apps können etwa beim Kennenlernen neuer Maschinen unterstützen. Schiefer weist jedoch darauf hin, dass eine sachkundige Interpretation der App notwendig ist, um die Gefahren in einer konkreten betrieblichen Situation richtig bewerten zu können. Dies gilt besonders, wenn es um arbeitsplatzspezifische Aspekte geht.

„Für Sicherheitsbeauftragte sind Apps besonders gut geeignet“, weiß Schiefer. Mit ihnen können sie Vorgaben unmittelbar vor Ort abrufen, das eigene Wissen auffrischen, neue Informationen an die Belegschaft weitergeben sowie das Bewusstsein für Risiken stärken. Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) hat dies erkannt und mit SiB eine App speziell für Sicherheitsbeauftragte entwickelt. Aufgeteilt in die drei Bereiche Infodienst, Arbeitsschutzlexikon und Termine informiert sie rund um den Arbeitsschutz.

Spielerisches Lernen

Eine weitere digitale Lerntechnologie ist die Gamification. Eine der bekanntesten Anwendungen nennt sich „Ribbon Hero“. In eine kleine Geschichte eingebettet wird spielerisch der Umgang mit Microsofts Office-Anwendungen vermittelt. Spiele zur Wissensvermittlung lassen sich für alle Themenbereiche konzipieren. Sie können auch eingesetzt werden, um die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu fördern. Etwa, wenn die Spielfigur auf ihrem Streifzug durch den Betrieb Gefahrenquellen erkennen und beseitigen muss.

Webbasiertes Lernen

Bei Web-Seminaren, sogenannten Webinaren, erfolgt die Teilnahme ortsunabhängig über das Internet zu einem bestimmten Zeitpunkt. Webinare sind ähnlich wie herkömmliche Präsenzseminare interaktiv ausgelegt. Lehrende und Teilnehmende können sich während des Seminars meistens über eine Webcam und ein Mikrofon austauschen. Zur Wissensvermittlung eignen sich auch Webbased Trainings (WBT). Die Lernenden greifen online auf ein Lernprogramm zu und bearbeiten dort Übungen und Aufgaben zu bestimmten Themen.

Blended Learning - Kombination von Präsenzveranstaltung und E-Learning

Im Gegensatz zu reinen webbasierten Lernmethoden werden beim Blended Learning Präsenzveranstaltung und E-Learning kombiniert. Eine Variante besteht darin, dass Teilnehmende im Vorfeld digitale Unterlagen gestellt bekommen, um sich auf das Präsenzseminar vorzubereiten. Dies gewährleistet, dass alle Teilnehmenden beim Seminar auf demselben Kenntnisstand sind.

All diese neuen Methoden der Wissensvermittlung eignen sich zur Weiterbildung und Qualifizierung. Sicherheitsbeauftragte können bei der Auswahl geeigneter Mittel unterstützen. „Wichtig ist, dass die Inhalte immer auf die Unternehmen zugeschnitten sind“, betont Joachim Schiefer.

Nanorama – E-Learning

Bei der E-Learning-Anwendung „Nanorama“ der DGUV befinden sich die User in einem virtuellen Raum. Im 360-Grad-Panorama sehen sie Produkte, Materialien und Berufssituationen, die in der jeweiligen Industrie mit Nanomaterialien und -technologien in Verbindung stehen. Ziel ist es, alle Situationen zu finden und die Fragen, die beim Anklicken der einzelnen Situationen erscheinen, richtig zu beantworten. Das Nanorama gibt es bislang für fünf Industriebereiche: Bau, Labor, Kfz-Werkstatt, Textil und Produktion.