Prävention
Zwei Personen arbeiten an einem Computer.© CWH

Medieneinsatz in der Prävention

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – und ein Film tut das erst recht. Diese alte Weisheit können sich auch die Akteurinnen und Akteure des Arbeitsschutzes in Betrieben und Einrichtungen zunutze machen, indem sie Medien einsetzen und vielleicht sogar selbst Filme drehen. Wie packt man es an? Das Team von „arbeit & gesundheit“ hat die Workshops der Medienwerkstatt auf der Fachmesse A+A 2019 besucht und Anregungen mitgebracht.

Videobotschaften "to go"

Medienprofi Thorsten Timm erklärte die Grundlagen des Filmens. Eine aufwändige Kamera-Ausrüstung ist nicht erforderlich. Auch wer mit dem Handy dreht, kann diese Tipps umsetzen:

Thema: Das Video sollte einem roten Faden folgen. Wählen Sie eine (und zwar nur eine) Kernaussage. 

Hintergrund und Bildausschnitt: Achten Sie darauf, dass sich keine optisch und logisch störenden Objekte im Bild befinden. „Logisch störend“ ist alles, was Aufmerksamkeit auf sich zieht, aber mit der Botschaft nichts zu tun hat.

Licht: Verschiedene Licht-Szenarien – von schummrig bis strahlend hell – bewirken unterschiedliche Emotionen bei den Zuschauenden. Zum Ausprobieren: Lassen Sie eine Helferin oder einen Helfer ein großes, weißes Papier so halten, dass das einfallende Licht durch Reflexion verstärkt wird.

Ton: Smartphones besitzen zwar oft eine erstaunlich gute Kameratechnik, für Tonaufnahmen aus wenigen Metern Entfernung sind sie aber meist nicht optimal. Sprachaufnahmen in schlechter Qualität nehmen einem Video enorm viel Wirkung. Ein kleines Ansteckmikro, das für einen niedrigen zweistelligen Eurobetrag erhältlich ist, kann wahre Wunder wirken.

Arbeitsschutzfilme 

Als Sicherheitsingenieur setzt Christoph Benning sich dafür ein, dass die Beschäftigten der Berliner Stadtreinigung sicher und gesund arbeiten können. Um deutschlandweit den Arbeitsschutz in Betrieben und Einrichtungen zu fördern, hat Benning das Medienportal arbeitsschutzfilm.de mit derzeit über 600 Videos aufgebaut. Unterstützt wird das Projekt von der DGUV. Alle Videos stehen kostenlos für den Einsatz in der betrieblichen Prävention zur Verfügung. In seinem Workshop erklärte Christoph Benning, wie man das Portal effektiv nutzt. Seine Tipps:

  • Schauen Sie öfter mal rein! Auf der Startseite finden Sie ständig aktuelle Listen von neuen Videos sowie von den besonders oft angeklickten „Top-Videos“.
  • Nutzen Sie die umfangreiche, alphabetisch aufgebaute Navigationsleiste, um genau Ihr Thema zu finden.
  • Verwenden Sie Filme als „Opener“, um Kolleginnen und Kollegen bei Besprechungen auf Ihr Thema einzustimmen. Wie wäre es zum Beispiel mit „Krokodil und Gnu“ als Einstieg für ein Unterweisungsgespräch?

RiskBuster setzt den entscheidenden Schnnitt

Wenn Holger Schumacher in die Rolle des „RiskBuster“ schlüpft und ein Präventionsvideo dreht, wird es spektakulär. Da sprühen Funken, es lodern Flammen, Zusammenstöße und Stürze reihen sich aneinander. Alles im Dienste der Sicherheit. Denn Schumacher ist professioneller Stuntman und weiß genau, was er tut. Zur Nachahmung sind die RiskBuster-Stunts selbstverständlich nicht empfohlen.

Jedoch vermittelte Schumacher in seinem Workshop auch, wie man spektakuläre Unfallvideos gefahrlos drehen kann – ohne Stuntleute einzusetzen. Entscheidend ist der richtige Schnitt. Beispiel: Eine Person erklimmt eine Leiter. Gerade in dem Moment, wo die Person allmählich den Halt verliert, bleibt das Bild stehen und die Szene bricht ab (Schnitt). Die nächste Einstellung zeigt dann die Unfallfolge, nämlich die verletzt am Boden liegende Person. Auch Hollywood-Profis setzen häufig auf diesen Effekt: Anstatt das dramatische Geschehen in allen Details zu zeigen, lässt man im entscheidenden Moment den Film quasi nur noch in den Köpfen der Betrachtenden weiterlaufen. Nervenkitzel pur!

Auch alle, die nicht gleich selbst zu Filmschaffenden werden wollen, können vom RiskBuster lernen: Seine YouTube-Videos eignen sich bestens, um sich selbst sowie Kolleginnen und Kollegen bewusst zu machen, worauf es bei sicherem Handeln ankommt. Die Videos des RiskBusters sind ein Angebot der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM). Ein großer Themenschwerpunkt liegt auf der sicheren Teilnahme am Straßenverkehr, sodass die Filme für Beschäftigte in allen Branchen von großer Relevanz sind.

Anschauen, liken, teilen: Die RiskBuster-Playlist auf YouTube.

Internationales Media Festival für Prävention 2020

Mit der Medienwerkstatt ist das kommmitmensch Film & Media Festival der A+A 2019 zu Ende gegangen. Während dieses Festival sich speziell an die Arbeitsschützerinnen und -schützer in Deutschland richtete, steht das weltweite Pendant bereits in den Startlöchern: Noch bis 29. Februar 2020 können Beiträge für das Internationale Media Festival für Prävention (IMFP) eingereicht werden. Film- und Multimediaproduktionen zum Thema Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz aus aller Welt sind willkommen. Die Siegerinnen und Sieger des IMFP werden im Rahmen des XXII. Weltkongresses für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit geehrt. Der Kongress findet vom 4. bis 7. Oktober 2020 in Toronto/Kanada statt.

Informationen zum Internationalen Media Festival für Prävention 2020 in deutscher Sprache mit Teilnahmemöglichkeit.