Vorsorge
Frau am Flughafen © shutterstock / Ekaterina Pokrovsky

Arbeiten in aller Welt

Wenn ein beruflich bedingter Auslandsaufenthalt ansteht, ist die arbeitsmedizinische Vorsorge ein wichtiger Baustein in der Vorbereitung. Gleiches gilt für die Kenntnis des Versicherungsschutzes.

Bei Tätigkeiten außerhalb Deutschlands müssen sowohl die Verantwortlichen im Unternehmen als auch die Beschäftigten bestimmte arbeitsmedizinische Vorsorgemaßnahmen beachten. Welche Maßnahmen zu ergreifen sind, lässt sich aus einer Gefährdungsbeurteilung ableiten. „In welchen Fällen Vorsorgemaßnahmen verpflichtend oder fakultativ sind, regelt die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge“, erklärt Dr. med. Madhumita Chatterjee, Leiterin des Arbeitskreises „Arbeitsaufenthalt im Ausland“ innerhalb des Ausschusses für Arbeitsmedizin der gesetzlichen Unfallversicherung.

Impfungen

Neben den rechts im Diagramm dargestellten Bereichen „Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge“ umfasst die arbeitsmedizinische Vorsorge auch eine Impfberatung sowie gegebenenfalls die Durchführung erforderlicher Impfungen. Diese werden von Betriebsärztinnen und -ärzten oder Tropenmedizinerinnen und -medizinern vorgenommen. Auch wenn in Deutschland keine Impfpflicht besteht, rät die Ärztin Chatterjee: „Berufliche Auslandsaufenthalte sollten Beschäftigte generell dazu nutzen, ihren Impfstatus zu überprüfen, um sicherzugehen, dass eine Grundimmunisierung vorhanden ist.“

Schutz innerhalb der EU

Entsendet ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland Beschäftigte in andere EU-Länder, so sind sie für 24 Monate weiterhin in Deutschland sozialversichert. „Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein deutsches Unternehmen in Frankreich ein Gebäude errichtet“, so Matthias Hauschild von der Deutschen Verbindungsstelle Unfallversicherung – Ausland bei der DGUV. „Betriebe sind außerdem verpflichtet, für die Beschäftigten die Bescheinigung A1 zu beantragen, damit die französischen Behörden wissen: Diese Person ist weiterhin in Deutschland versichert“, erklärt der Experte für koordinierendes über- und zwischenstaatliches Recht.

Leistungsrecht in der EU

Ereignet sich ein Arbeitsunfall beispielsweise in Frankreich, werden deutsche Beschäftigte genauso behandelt wie die nach französischem Recht versicherten Personen. „In der Regel sollten Beschäftigte auch nicht in Vorleistung gehen müssen, wenn ihnen ein Arbeitsunfall passiert. Gedacht ist, dass die Leistungserbringer vor Ort ihre Kosten direkt über die zuständigen Sozialversicherungsträger abrechnen“, so Hauschild. In Nicht-EU-Ländern, die ein Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland haben, wie zum Beispiel die Türkei, Tunesien oder Marokko, greift zum Teil das gleiche Prinzip wie innerhalb der EU.

Länder ohne Abkommen

Wie aber ist die Rechtslage, wenn Beschäftigte deutscher Unternehmen in Ländern tätig sind, mit denen Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen hat? „Hier gilt: Beschäftigte bleiben in Deutschland sozialversichert, wenn sie für ein bestimmtes Projekt im Ausland tätig sind, ohne dass der Zeitraum genau bestimmt ist. Das ist etwa der Fall, wenn ein Brückenbau in Südafrika fünf Jahre dauert“, erklärt Matthias Hauschild. Geschieht dort ein Arbeitsunfall, müssen Betriebe oder Beschäftigte in Vorleistung gehen und sich die Kosten später vom zuständigen deutschen Unfallversicherungsträger erstatten lassen.

Arbeitsmedizinische Vorsorge (Schaubild) Quelle: Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie "kurz & bündig" 12/2017 (KB 011-2)

Arbeitsmedizinische Vorsorge

Bei Arbeitsaufenthalten im Ausland werden drei Arten der Vorsorge unterschieden, wie sie gemäß der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) vorgesehen sind. Pflichtvorsorge:

  • Für Tätigkeiten in Tropen, Subtropen und bei sonstigen Auslandsaufenthalten mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen müssen Arbeitgeber eine Vorsorge veranlassen. Die Beschäftigten sind verpflichtet, sich von Betriebsärztinnen und -ärzten oder Tropenmedizinerinnen und -medizinern arbeitsmedizinisch beraten zu lassen. Untersuchungen erfolgen nur mit Einverständnis der Beschäftigten.
  • Angebotsvorsorge: Im Anschluss an einen beruflichen Auslandsaufenthalt müssen Betriebe ihren Beschäftigten eine Angebotsvorsorge anbieten. Dieses Angebot müssen die Beschäftigten jedoch nicht wahrnehmen.
  • Wunschvorsorge: Sollten Beschäftigte den Wunsch nach einer arbeitsmedizinischen Vorsorge bei Auslandsaufenthalten äußern, haben Arbeitgeber dem nachzukommen. Es sei denn, sie können ausschließen, dass nicht mit einem Gesundheitsschaden zu rechnen ist. Im Streitfall müssen sie dies belegen können.
Weitere Informationen finden Sie bei der Deutschen Verbindungsstelle Unfallversicherung - Ausland (DVUA) bei der DGUV.