Kommunikation
Mann krank am Schreibtisch© Shutterstock / Antonio Guillem

Nicht zuschauen, sondern ansprechen

Hinter dem Begriff „Präsentismus“ steckt ein verbreitetes Phänomen: Menschen kommen krank zur Arbeit, anstatt sich auszukurieren. Da kann man wohl nichts machen. Oder doch?

Kaltes Schmuddelwetter im Spätwinter. Etwas überspitzt heißt das: Wer viel mit anderen Menschen zusammenkommt, sei es in öffentlichen Verkehrsmitteln oder am Arbeitsplatz, kann sich täglich aussuchen, welchen Erreger er oder sie sich als Nächstes einfängt. Auch den Industriekaufmann Kurt Kinzig hat es erwischt. Seit Tagen läuft die Nase, Niesattacken häufen sich, der Hals kratzt. Dass Kinzig nicht wohlauf ist, merkt auch Siegbert Simmert, der in derselben Abteilung arbeitet und Sicherheitsbeauftragter ist. Er spricht seinen Kollegen an.

Siegbert Simmert: Du siehst aber nicht gut aus und hörst dich auch so an. Meinst du nicht, dass du eher ins Bett gehörst als ins Büro?

Kurt Kinzig: Kann sein, aber krankmachen kommt überhaupt nicht in Frage. In zweieinhalb Wochen soll unser neues Arbeitspapier an die Bereichsleitung gehen. Die anderen aus dem Projektteam würden sich bedanken, wenn ich jetzt ausfalle.

Siegbert Simmert: Die würden sich vor allem bedanken, wenn du sie ansteckst und dann noch mehr Manpower für das Projekt wegfällt. Mir wäre es, lieber du legst dich zu Hause ins Bett. Und wenn es schlimmer wird, könnte es sogar eine richtige Grippe sein. Dann geh lieber zu deiner Hausärztin. Der Rest des Teams wird froh sein, wenn du wieder richtig anpacken kannst, nachdem du gesund geworden bist.

Nachahmenswert – warum?


Der Sicherheitsbeauftragte benutzt die „drei W“, um sein Anliegen deutlich zu formulieren und dabei wertschätzend zu bleiben. Diese lassen sich in vielen Situationen anwenden. Im obigen Beispiel:


1. Wahrnehmung:

 Zunächst geht es darum, die Situation aus der eigenen Sicht in Form einer Ich-Botschaft zu schildern. Kernaussage: Ich sehe, dass du dich quälst und anscheinend nicht arbeitsfähig bist.


2. Wirkung:

Anschließend thematisiert Siegbert Simmert, wie das Wahrgenommene auf ihn wirkt. Ich befürchte, dass du damit erstens dir selber schadest und zweitens auch anderen in der Belegschaft.

3. Wunsch: 

Am Schluss äußert Simmert, was er sich statt dessen wünscht. Hol dir eventuell ärztlichen Rat und komm erst zurück in den Betrieb, wenn du wieder arbeitsfähig bist!

Eine Darstellung der „drei W“ sowie einen Erklärfilm zum Thema „Gute Kommunikation“ gibt es auf der kommitmensch-Website.