Interview
Foto: Dr. Heiko U. Käfferlein© IPA/Volker Wiciok

S wie Substitution

Grundsätzlich gilt für Maßnahmen im Arbeitsschutz eine Rangfolge: Technisch kommt vor organisatorisch sowie personen- und verhaltensbezogen. Das ist das sogenannte TOP-Prinzip. Seine Erweiterung heißt „STOP“, wobei „S“ für „Substitution“ steht.

Drei Fragen richtete „arbeit & gesundheit“ an Dr. Heiko U. Käfferlein vom Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IPA), Institut der Ruhr-Universität Bochum.

Was ist Substitution?

In unserem Kontext, der Prävention gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten, versteht man darunter das Ersetzen einer Gefahrenquelle. Diese ist Bestandteil einer Arbeitssituation und lässt die Situation insgesamt gefährlich werden. Ein Beispiel für Substitution: Man ersetze einen Gefahrstoff, der partikelförmig ist und daher eingeatmet werden könnte, durch eine sogenannte Formulierung. Das bedeutet, dass der Stoff in einer Flüssigkeit gelöst ist. Oder – so banal es klingen mag – man ersetze einen alten, wackeligen Bürostuhl gegen einen, der hinsichtlich Ergonomie und Sicherheit auf dem neuesten Stand ist. Durch die Substitution der Gefahrenquelle mache ich die Arbeitssituation insgesamt sicherer.

Und wenn man das tut, ist aus Präventionssicht das Optimum erreicht?

Ganz so einfach ist es meistens nicht. Die Substitution lässt sich nicht ohne Weiteres von den anderen TOP-Maßnahmen abgrenzen. Wenn man etwa einen partikelförmigen Gefahrstoff durch eine Formulierung ersetzt, wird zwar die Aufnahme des Stoffes über die Lunge verringert. Im Anschluss müssen aber weitere Vorkehrungen getroffen werden. Beispielsweise wäre ein Spritzschutz anzubringen (technische Maßnahme) und es sind Schutzhandschuhe zu tragen (personenbezogene Maßnahme), damit die Haut nicht mit dem Stoff in Kontakt kommt. Fazit: Selten gibt es ein reines „S“, „T“, „O“ oder „P“, sondern wenn ich an einer Stellschraube drehe, muss ich das auch fast immer an einer weiteren tun.

Können Sicherheitsbeauftragte an der Umsetzung des STOP-Prinzips mitwirken?

Es bietet sich immer an, mehrgleisig zu fahren. Eine Ansprechperson im Betrieb ist die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Um bei dem Gefahrstoff-Beispiel zu bleiben: Die Fachkraft kann sich zunächst selbst in Gefahrstoffdatenbanken wie zum Beispiel GESTIS informieren. Wenn der Eindruck bleibt, dass unter den gegebenen Umständen eine potenzielle Gefährdung besteht, können Fachkräfte und Sicherheitsbeauftragte sich an den für ihren Betrieb zuständigen arbeitsmedizinischen Dienst, die Betriebsärztin bzw. den Betriebsarzt oder den Technischen Aufsichtsdienst ihres Unfallversicherungsträgers wenden. Letzterer führt nicht nur Aufsicht, er berät auch.

Die GESTIS-Stoffdatenbank enthält Informationen für den sicheren Umgang mit Gefahrstoffen und anderen chemischen Stoffen am Arbeitsplatz.