Arbeitswelt
Fensterputzer bei der Arbeit© Tomas Rodriguez

Sicherer gemeinsamer Arbeitsort

Häufig arbeiten Beschäftigte mehrerer Unternehmen zusammen an einer Betriebsstätte. Dann sind eine gute Organisation und ein laufender Informationsaustausch erforderlich. So können Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit für alle gewährleistet werden.

Für Beschäftigte in vielen Industriebetrieben ist es eine vertraute Situation: Während in der Fertigungshalle auf einem Teil der Maschinen die Produktion weiterläuft, werden andere Maschinen gewartet. Das machen aber nicht die eigenen Kolleginnen und Kollegen, sondern dafür ist Montagepersonal von einem Dienstleistungsunternehmen ins Werk gekommen. Oder man denke an die regelmäßige Reinigung von Büroräumen, Fenstern und Fassaden: Auch die hierfür eingesetzten Kräfte stammen sehr häufig von einer sogenannten Fremdfirma.

Arbeitsorganisation beim Einsatz von Fremdfirmen

Beim Einsatz von Fremdfirmen treffen zwei oder oft auch mehrere Unternehmen mit ihrer jeweiligen Organisation aufeinander. Dann besteht Abstimmungsbedarf, um sichere Abläufe für die Beschäftigten zu gewährleisten. Alle, die sich gleichzeitig an einer bestimmten Betriebsstätte aufhalten, benötigen Informationen, wie sie dort sicher und gesund arbeiten können. Wer aber informiert die anwesenden Personen? Und wie ist die Kommunikation geregelt? Das sind nur zwei Fragen, die sich zwangsläufig ergeben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Fremdfirmen müssen sich schnell auf neue Arbeitsumgebungen und –bedingungen einstellen. Gleichzeitig treffen sie auf eine Stammbelegschaft, mit der sie den Arbeitsort teilen. Bei dieser Konstellation ist das Unfall- und Gesundheitsrisiko nahezu immer erhöht. Um Sicherheitsdefizite zu vermeiden, müssen die Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten eindeutig geregelt sein.

Geregelte Zusammenarbeit von mehreren Unternehmen

Dass die beteiligten Unternehmen auch im Hinblick auf die Sicherheit und Gesundheit zusammenarbeiten, ist unabdingbar. Hierzu muss das auftraggebende Unternehmen das Fremdunternehmen vorab über die betriebsspezifischen Gefahren informieren. In der Praxis wird das Fremdunternehmen anhand der Leistungsbeschreibung der auftraggebenden Firma einen Arbeitsablaufplan erstellen, und zwar vor Aufnahme der eigentlichen Tätigkeit. Hinweise zum Arbeitsablaufplan gibt es in der DGUV Information 215-830 „Zusammenarbeit von Unternehmen im Rahmen von Werkverträgen“. Im Arbeitsablaufplan werden unter anderem mögliche gegenseitige Gefährdungen beurteilt und entsprechende Schutzmaßnahmen festgelegt. Damit sie die Maßnahmen mittragen können, sollten Sicherheitsbeauftragte den Plan kennen. Die im Plan festgehaltenen Ergebnisse werden von der sogenannten koordinierenden Person an die Belegschaft des Auftraggebers und eventuell an weitere Fremdfirmen übermittelt. Da die koordinierende Person mit den betrieblichen Verhältnissen bestens vertraut sein sollte, wird sie in der Regel von der auftraggebenden Firma gestellt. Je mehr Firmen beteiligt sind, umso höher ist der Koordinationsaufwand, um die Arbeiten aufeinander abzustimmen. Denn häufig finden Tätigkeiten zeitgleich oder örtlich benachbart statt, was für die Arbeitsorganisation relevant ist.

Austausch auf regelmäßiger Basis

Wenn die koordinierende Person Weisungsbefugnis hat, erleichtert das ihre Aufgaben. Verpflichtend ist die Weisungsbefugnis gemäß DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ immer dann, wenn in der Gefährdungsbeurteilung „besondere Gefahren“ festgestellt werden. Dann ist die koordinierende Person Aufsichtsführende bzw. Aufsichtsführender und überwacht die Tätigkeiten. Neben der Ermittlung gegenseitiger Gefährdungen und der Ableitung entsprechender Arbeitsabläufe stimmt die koordinierende Person beispielsweise Sicherheitsmaßnahmen vor Arbeitsbeginn ab. Sie überprüft diese Maßnahmen und informiert alle Beteiligten über eventuelle Änderungen. Damit alle Beteiligten sämtliche relevanten Informationen kennen, ist auch nach Beginn der Arbeiten ein laufender Austausch wichtig.  Zum Informationsaustausch eignen sich regelmäßige Treffen, bei denen aktuelle Gefährdungen, Sicherheitsdefizite und Lösungsansätze besprochen werden. An diesen Treffen können neben der koordinierenden Person und den Verantwortlichen der Fremdfirmen auch Sicherheitsbeauftragte teilnehmen. Zudem unterstützen Sicherheitsbeauftragte des Auftraggebers die koordinierende Person, wenn sie Verstöße der Auftragnehmenden gegen betriebliche Arbeitsschutzvorgaben melden oder Rückmeldungen aus der Belegschaft weitergeben. Und schließlich können sie sich bei ihren Kolleginnen und Kollegen dafür einsetzen, dass die beschlossenen Maßnahmen im Arbeitsalltag beachtet werden.

Die DGUV Information 215-830 regelt die Gestaltung der Zusammenarbeit von Unternehmen im Rahmen von Werkverträgen.