Tipps & Arbeitshilfen
Kommunikationsgrafik Personenkreis© Michael Hüter

Sicherheitsbeauftragte im Arbeitsalltag

Als „Kollegen unter Kollegen“ tragen Sicherheitsbeauftragte dazu bei, Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu verbessern. Aber wie macht man das, wenn man ehrenamtlich tätig ist und keine Weisungsbefugnis hat? „arbeit & gesundheit“ erklärt es anhand von zwei Fallbeispielen.

1. Mit offenen Augen durch den Betrieb

Simone Siegl arbeitet als Industriekauffrau in der Verwaltung einer Druckerei. Und sie ist Sicherheitsbeauftragte. Eines Nachmittags spricht sie ihren Kollegen Konrad Köster an.

Siegl: "Geht es dem Herbert eigentlich gut? Der hat sich doch mittags in den Finger geschnitten."
Köster: "Ja, so weit ist alles in Ordnung. Ich habe dem Erwin Bescheid gegeben, der ist doch geschulter Ersthelfer. Er hat dem Herbert beim Verbinden geholfen."
Siegl: "Gut gemacht! Dann hat Erwin ja bestimmt auch gleich das Verbandbuch ausgefüllt."
Köster: "Richtig, der Erwin kennt sich aus. Allerdings … was ist eigentlich ein Verbandbuch?"
Siegl: "Komm mit! Ich zeig dir das und dann schauen wir sicherheitshalber auch noch einmal, ob der Verbandkasten ausreichend bestückt ist."
Köster: "Gerne!"
Siegl: "Am besten werde ich den Erwin bitten, dass er der ganzen Arbeitsgruppe nach der nächsten Teamrunde mal erklärt, wie man sich bei kleineren Verletzungen am Arbeitsplatz verhält – und was es mit dem Verbandbuch auf sich hat." 

Fazit im Fall 1:

  • Die Sicherheitsbeauftragte ist mit offenen Augen in ihrem Betrieb unterwegs. Kompetenz im Arbeitsschutz zeigt sie unter anderem dadurch, dass sie als Kollegin unter Kollegen Fragen stellt, sobald ihr etwas auffällt.
  • Sie kennt Methoden, wie Kenntnisse im Arbeitsschutz weitergegeben werden können. Und sie weiß, wie sie sich im Betrieb vernetzen muss (eine Unterweisung gemeinsam mit dem Ersthelfer anregen).

2. Nach dem TOP-Prinzip handeln

Die Firma Schmied & Co. fertigt Spezialwerkzeuge für die Automobilindustrie. Die CNC-Maschinen zum Fräsen, Bohren, Schleifen und Polieren sind bestens ausgelastet. Jedoch hat der gelernte Werkzeugmacher und Sicherheitsbeauftragte Siegfried Singer ein wichtiges Anliegen. Damit geht er auf die Leiterin der Arbeitsvorbereitung Franziska Faller zu, die gleichzeitig Fachkraft für Arbeitssicherheit ist.

Singer: "Franziska, wir sollten mal über die Maschinenbelegung auf der Linie 5 sprechen. Da ist es wirklich extrem laut, so wie die Bearbeitungsschritte im Moment verteilt sind."
Faller: "Haben denn alle ihre Kapselgehörschützer und ziehen diese auch auf?"
Singer: "Darauf achten wir natürlich. Besser ist es aber, das Problem an der Wurzel zu packen, indem wir die Lärmbelastung an dieser Linie senken. Aber hierfür ist unsere Maschinenausstattung im Moment nicht optimal."
Faller: "Verstehe. Dann sehen wir von der Arbeitsvorbereitung zu, dass wir die Prozesse stärker auf eingehauste Linien verlagern können. So wie die Auslastung sich entwickelt, wäre es ohnehin zu empfehlen, die Linie 5 im Lärmschutz aufzurüsten. Ich mache da einen Vorstoß bei der Geschäftsleitung." 

Fazit im Fall 2:

  • Der Sicherheitsbeauftragte stellt Sozial- und Methodenkompetenz unter Beweis. Er fungiert als Mittler zwischen den Beschäftigten und weiteren Akteurinnen und Akteuren (Fachkraft für Arbeitssicherheit, Geschäftsleitung).
  • Er regt ein Vorgehen nach dem TOP-Prinzip an: Technische Maßnahmen (Investition in Einhausung) sind das Optimum gegenüber organisatorischen Maßnahmen (kurzfristiges Umplanen in der Fertigung). Erst dann kommen die persönlichen Maßnahmen (Gehörschützer).

Die Sicherheitsbeauftragten:  Sozial- und Methodenkompetenz

  • Methodik der Prävention, etwa das TOP-Prinzip
  • Konstruktive Gesprächsführung, auch bei kritischen Themen
  • Zusammenarbeit mit anderen Akteurinnen und Akteuren des Arbeitsschutzes, zum Beispiel Fachkräften für Arbeitssicherheit, Betriebsärztinnen/Betriebsärzten; Teilnahme an den Sitzungen des Arbeitsschutzausschusses

Die Sicherheitsbeauftragten: Fachkompetenz Arbeitsschutz

Kenntnisse zum Beispiel in Sachen:

  • Erste Hilfe
  • Notfallmaßnahmen, etwa das Verhalten im Brandfall
  • Unterweisungen zur Sicherheit und Gesundheit
  • Persönliche Schutzausrüstung
  • Sicherheit auf dem Arbeitsweg sowie auf Dienstfahrten
  • Betriebliches Gesundheitsmanagement
  • Ergonomie im Büro

Auch wenn es auf den ersten Blick so wirkt: Sicherheitsbeauftragte müssen keine Tausendsassas sein. Kein Arbeitsbereich ist so komplex, dass er die Kenntnis aller Bereiche der Arbeitssicherheit erfordert. Schulungen für (angehende) Sicherheitsbeauftragte gibt es bei den Berufsgenossenschaften und Unfallkassen.

Sehr zu empfehlen als Handreichung und zum Nachschlagen ist die DGUV Information 211-042 „Sicherheitsbeauftragte“.