Interview
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Unterstützung auch über die Distanz

In der Corona-Krise ersetzen Videokonferenzen und Telefonate oft den persönlichen Kontakt unter Beschäftigten. Doch manche scheuen sich, bei Problemen den Hörer zur Hand zu nehmen oder Kritik offen zu äußern. Sicherheitsbeauftragte müssen deshalb mehr denn je das Vertrauen ihrer Kolleginnen und Kollegen gewinnen, weiß Prof. Dr. Frauke Jahn, Leiterin der Abteilung Forschung und Beratung am Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG).

Derzeit arbeiten viele Beschäftigte im Homeoffice. Wie können Sicherheitsbeauftragte ihre Kolleginnen und Kollegen trotzdem erreichen?

Eine gute Idee ist es, eine digitale Alternative zum persönlichen Gespräch anzuregen. Denn der direkte Austausch ist auch im Homeoffice extrem wichtig. Die Videokonferenz ist da oft die beste Wahl, weil man so auch die Gestik und Mimik des Gegenübers sieht.

Manche Beschäftigte haben im Videochat Hemmungen, Probleme oder Kritik anzusprechen. Wie lässt sich hier gegensteuern?

Grundsätzlich sollte man den Kolleginnen und Kollegen in Video- und auch in Telefonkonferenzen mehr Zeit lassen, sich an die Gesprächssituation zu gewöhnen und Mitarbeitende, die nicht zu Wort kommen, direkt ansprechen. Denn nicht allen Beschäftigten ist das digitale Format vertraut. Deswegen ist es auch wichtig, regelmäßige und informelle Gesprächstermine anzubieten – zum Beispiel einmal in der Woche ein „digitales Kaffeetrinken“ im Videochat. So kann man sich langsam an das neue Format gewöhnen. In einigen Unternehmen gibt es in der Teamkonferenz den festen Tagesordnungspunkt „Sicherheit und Gesundheit“. Hier können alle Beschäftigten ihre Themen einbringen und bleiben auf dem Laufenden. Das ist besonders in Corona-Zeiten wichtig, da die Gesundheit für die Beschäftigten mehr denn je eine große Rolle spielt.

Wo können Sicherheitsbeauftragte sich über die aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen informieren?

Sie sollten die SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel kennen. In Verbindung mit den branchenspezifischen Handlungshilfen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen haben die Akteurinnen und Akteure in Betrieben, Einrichtungen und Verwaltungen jetzt eine Richtschnur dafür, wie sie sicheres und gesundes Arbeiten unter den Bedingungen der Epidemie organisieren können. Und natürlich sollte man das Hygienekonzept des eigenen Unternehmens verinnerlicht haben. Im besten Fall haben Sicherheitsbeauftragte daran auch mitgearbeitet.


Damit das Homeoffice nicht zur Falle wird

In Corona-Zeiten arbeiten viele Beschäftigte von zu Hause. Das geht mit verschiedenen Belastungen und teilweise Ängsten einher. Hilfreiche Instrumente sind:

  • Angenehmes Klima in der Belegschaft und Aufrechterhalten des Kontakts: Wichtig sind regelmäßige Besprechungen über die Belastungen im Homeoffice. Virtuelle Kaffeerunden sorgen auch in der Distanz für ein soziales Miteinander.
  • Gesunde Fehlerkultur: Fehler sollten ohne Schuldzuweisung konstruktiv besprochen werden.
  • Offene Kommunikation: Betriebe sollten die Ergebnisse der Covid-19-Gefährdungsbeurteilung transparent kommunizieren und die Mitarbeitenden entsprechend unterweisen.