Arbeitswelt
Mann sitzt mit aufgestütztem Kopf am Schreibtisch, während drei andere Personen mit dem Finger auf ihn zeigen.

Ist doch nur eine kleine Stichelei ...

Ausgrenzung, ein einseitig unfreundlicher Umgangston, verbale Anfeindungen, ständiges Kritisieren oder körperliche Angriffe – das alles kann Ausdruck von Mobbing sein. Die negativen Folgen für die Gesundheit und die Arbeitsleistung sind groß. Daher ist es wichtig, aktiv gegen Mobbing vorzugehen und eine Anti-Mobbing-Kultur zu etablieren.

Mobbing am Arbeitsplatz ist ein branchenübergreifendes Problem. Es zieht sich durch alle Positionen im Unternehmen und durch alle Altersstufen. Viele Beschäftigte haben Mobbing bereits erlebt, sei es als betroffene Person oder als Zeugin bzw. Zeuge. Doch was bedeutet Mobbing eigentlich? Von Mobbing spricht man, wenn Einzelpersonen oder Gruppen systematisch negative Handlungen gegen eine andere Person mit der Absicht richten, diese aus der Gruppe auszustoßen. Dabei wird Macht oft von einzelnen oder mehreren Beschäftigten oder Führungskräften bewusst eingesetzt, um den Opfern ein Gefühl der Unterlegenheit zu vermitteln. „Jede und jeder hat schon einmal von Mobbing im Betrieb gehört“, sagt Eileen Bröring, Leiterin der Geschäftsstelle des Fachbereichs Organisation von Sicherheit und Gesundheit der DGUV (FB ORG). Ein Fall von Mobbing liegt dann vor, wenn sich Handlungen, wie Schikane, Ausgrenzung oder Bedrängung mindestens einmal in der Woche über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten ereignen.

Arbeitsbedingte Gesundheitsgefahr. 

Vielen ist gar nicht bewusst, welche Auswirkungen Mobbing auf Betroffene hat. „Es geht mit verschiedenen negativen psychischen und physischen Belastungen einher“, weiß Bröring. Diese Auswirkungen bekommen natürlich auch Unternehmen zu spüren. Das gesamte Betriebsklima leidet, Betroffene melden sich häufiger krank, sind weniger motiviert und zunehmend unproduktiv. Mobbing kann somit eine arbeitsbedingte Gesundheitsgefahr darstellen. „Um Unternehmen zu unterstützen, haben wir im FB ORG uns mit diesem wichtigen Thema befasst und eine Organisationshilfe für den präventiven und konstruktiven Umgang mit Mobbing im Betrieb erarbeitet“, erklärt die Leiterin der Geschäftsstelle.

Konstruktive Bewältigung.

Der FB ORG empfiehlt klare organisatorische Maßnahmen im Unternehmen, um Mobbing konstruktiv zu bewältigen: 

• Betroffene sollten um Unterstützung bitten – etwa von Kolleginnen oder Kollegen oder direkt von der Führungskraft. Auch Sicherheitsbeauftragte oder Betriebsärztinnen und Betriebsärzte können weiterhelfen, sofern sie betrieblich akzeptierte Vertrauenspersonen sind. 
• Merken Sicherheitsbeauftragte, dass jemand im Betrieb gemobbt wird, können sie dazu ermutigen, Vertrauens- und Führungspersonen einzuschalten, und ihre Begleitung anbieten.
• Führungskräfte sind in der Pflicht, nach der betrieblich vereinbarten Vorgehensweise eine Klärung der Mobbing- situation herbeizuführen, indem sie zwischen den Parteien vermitteln und gemeinsam mit ihnen eine Lösung suchen.

Eine besondere Situation stellt das Mobben durch Führungskräfte selbst dar. „Betroffene sollten sich in diesem Fall an die betriebliche Vertrauensperson, Interessenvertretung oder andere Führungspersonen wenden“, empfiehlt Bröring.

Anlaufstellen schaffen. 

Am besten ist es, wenn es erst gar nicht zu Mobbing kommt. „Ein offener Umgang mit dem Thema ist besonders wichtig“, so die Expertin. Damit sich Führungskräfte angemessen kümmern können, sind Schulungen zur Thematik erforderlich. Zudem sollte eine betriebliche Anlaufstelle für Mobbing eingerichtet werden. Ansprechpersonen können hier auch Sicherheitsbeauftragte sein. Hilfreich ist auch der Abschluss einer Betriebsvereinbarung. Darüber hinaus hilft ein gutes Konfliktmanagement, Probleme rechtzeitig zu erkennen und so das Risiko für Mobbing zu minimieren.