Verkehrssicherheit
Frau im Rollstuhl am Bahnsteig © Wolfgang Bellwinkel

Recht auf Mobilität

Für mobilitätseingeschränkte Personen und Menschen mit Behinderung ist der Straßenverkehr oft herausfordernd. Technische Hilfsmittel oder auch spezielle Trainingsmaßnahmen können sie bei der eigenständigen Teilnahme am Verkehr unterstützen.

Es ist nicht für jeden eine Selbstverständlichkeit, öffentliche Verkehrsmittel uneingeschränkt zu nutzen oder einen Pkw zu steuern. Laut Statistischem Bundesamt lebten Ende 2015 rund 7,6 Millionen Menschen mit einer Behinderung in Deutschland. Je nach Grad und Art der Behinderung ergeben sich für Betroffene Einschränkungen in Sachen Mobilität.

Für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer oder gehfähige, jedoch bewegungseingeschränkte Personen, die beispielsweise einen Rollator nutzen, ist bereits das Einsteigen in den Bus oder die Bahn häufig mühsam. Durch Barrieren auf den Straßen oder in den Verkehrsmitteln sind sie einem erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt. Neben den physischen Komponenten können auch sensorische, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen die Verkehrsteilnahme erschweren.

Technische Hilfsmittel 

Ob passgenaue Prothesen, Armbänder für Blinde, die mittels Vibration Richtungshinweise liefern, oder Smartphones – das Angebot an technischen Hilfsmitteln für Personen mit Mobilitätseinschränkung ist vielfältig. „Gerade Smartphones erleichtern den Alltag Betroffener immens. Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer müssen Tickets zum Beispiel nicht an zu hoch hängenden Automaten kaufen, sondern können diese per App im Voraus erwerben“, so Julia Fohmann, Pressesprecherin beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR).

Mobilitätskompetenz ausbauen

Trotz zahlreicher Hilfsmittel nehmen viele Menschen mit Mobilitätseinschränkungen nicht selbstständig am öffentlichen Verkehr teil. Ein möglicher Grund ist die fehlende Mobilitätskompetenz. „Um diese Kompetenz zu fördern, bieten wir das Programm Kompetent Mobil an“, erklärt Christophe Göller, Koordinator für Mobilität und Inklusion bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).

Mobilitätsprogramm: Kompetent Mobil

Kompetent Mobil richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die mit Menschen mit Behinderung arbeiten und deren Mobilitätskompetenz steigern wollen, sowie an Menschen mit Behinderung selbst. In Seminaren werden die Inhalte des Programms vermittelt. Darüber hinaus wird in einem Handbuch die Umsetzung von Mobilitätstrainings erläutert. Zudem beinhaltet Kompetent Mobil eine sogenannte Assessment-Anwendung. „Das Besondere an der Assessment-Anwendung ist, dass die jeweiligen Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen individuell und netzbasiert erhoben werden und automatisch ein entsprechendes Trainingsprogramm erstellt wird“, wie Christophe Göller erläutert.

Terrainsicherheit nach einem Unfall (wieder)erlangen

Auch Dr. med. Oswald Marcus, Chefarzt der Abteilung für Rückenmarkverletzte und Facharzt für Chirurgie, Plastische Chirurgie und Handchirurgie an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Frankfurt am Main (BGU) hat täglich mit unterschiedlichsten Formen von Einschränkungen zu tun. Er und sein Team begleiten beispielsweise Betroffene nach einem Unfall, wenn sie während der Rehabilitation lernen, ihre Einschränkungen auszugleichen und so wieder „terrainsicher“ zu werden.

„Beim Prothesengehtraining lernen die Patientinnen und Patienten, Schrägen und Unebenheiten zu überwinden und üben, auf verschiedenen Belägen in der Prothesengehschule zu gehen. Sowohl indoor als auch outdoor“, erklärt Dr. Marcus. Personen, die nach einem Arbeits- oder Wegeunfall im Rollstuhl sitzen, trainieren etwa in einem speziellen Parcours das Überwinden von Stufen. „Wenn sie den Parcours beherrschen, folgt ein praktisches Stadttraining unter Alltagsbedingungen mit den zuständigen Therapeutinnen und Therapeuten. Dazu gehören auch Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr“, so Oswald.

Mentale Hindernisse überwinden

Eine Mobilitätseinschränkung kann auch mentale Hindernisse mit sich bringen. Etwa wenn Personen sich die Teilnahme am Verkehr nicht zutrauen, Angst haben, einen Unfall zu erleiden und sich scheuen, andere um Hilfe zu bitten. Doch auch mentale Hindernisse können zu einer Mobilitätseinschränkung führen. Wenn beispielsweise Personen nach einem Verkehrsunfall aufgrund der Angst vor einem erneuten Unfall nur bedingt oder gar nicht am Verkehr teilnehmen.

Um diese Personen wieder langsam an den Straßenverkehr zu gewöhnen, eignen sich Fahrsimulatoren und psychologische Betreuung. Denn ausschlaggebend ist laut des Chefarztes an der BGU auch hier das Beherrschen des Terrains, in diesem Falle das der Straße. „Die Teilnahme am Straßenverkehr wird zusammen mit einem Fahrlehrer und einem adaptierten Fahrzeug geübt“, sagt er. Das gibt und sorgt für Sicherheit.

Was ist die Kraftfahrzeughilfe?

Nach einem Arbeitsunfall, der mit einer Mobilitätseinschränkung einhergeht, können Versicherte die Kraftfahrzeughilfe in Anspruch nehmen. Bedingung ist, dass sie auf ein Kfz angewiesen sind, um zum Arbeitsplatz oder Ausbildungsort zu gelangen. Zudem müssen die Betroffenen selber in der Lage sein, ein Kfz zu führen oder sie müssen nachweisen können, dass ein Dritter das Kfz für sie führt.

Die Kraftfahrzeughilfe zählt zu den Reha-Leistungen, die von der Rentenversicherung und Unfallversicherung erbracht werden. Zur Kraftfahrzeughilfe zählen beispielsweise Hilfen zum Türöffnen, Sitzanpassungen, Lenkhilfen, Dachlifter oder Ein- und Ausstieghilfen. Es werden sowohl Kosten für die Umbauten am Fahrzeug als auch Neuanschaffungen übernommen. In speziellen Fällen auch der Erwerb einer Fahrerlaubnis. Ziel ist es, die Mobilität der Betroffenen wiederherzustellen, zu verbessern oder zu erhalten, um so ein Höchstmaß an selbstbestimmter Lebensführung und Unabhängigkeit des täglichen, beruflichen und sozialen Lebens zu ermöglichen.

Weitere Informationen zur Kraftfahrzeughilfe finden sie hier: www.dguv.de