Interview
Eine Grafik von Intelligenter Schutzausrüstung

Intelligente Schutzausrüstung

Die Arbeitswelt verändert sich, vieles wird digitalisiert. Das gilt auch für die Persönliche Schutzausrüstung (PSA). Prof. Dipl.-Ing. Frank Werner, Leiter des Fachbereichs Persönliche Schutzausrüstungen der DGUV, erklärt, warum das Zukunftsthema „intelligente PSA“ schon heute große Bedeutung im Arbeitsschutz hat.

Herr Professor Werner, was ist es, das eine Persönliche Schutzausrüstung zur „intelligenten“ PSA macht?

Zwei wichtige Schlagworte unserer Zeit lauten „Arbeiten 4.0“ und „Digitalisierung“. Es geht also um Technik. Und die kann man dann als intelligent bezeichnen, wenn Komponenten sich vernetzen und interagieren – untereinander und mit dem Menschen. Das Erfassen von Daten, etwa von bestimmten Umgebungsbedingungen an einem Einsatzort, gehört dazu ebenso wie die orts- und zeitgerechte Bereitstellung von Informationen. Wenn man diese Chance nutzt, kann die PSA künftig wesentlich mehr sein als heute. Gegenwärtig ist die Persönliche Schutzausrüstung bekanntlich die letzte Möglichkeit in der Rangfolge der Schutzmaßnahmen – so ist es im Arbeitsschutzgesetz verankert.

Das klingt nach zukunftsgerichteter Hightech. Findet denn so eine Interaktion zwischen PSA und Menschen schon heute statt?

Ein bekanntes Beispiel ist eine neuartige Schutzkleidung für Feuerwehrleute. Mit ihr lassen sich die lebenswichtigen Vitalfunktionen der Einsatzkräfte permanent überwachen. Wenn ein kritischer Zustand erkennbar wird, kann die Einsatzleitung sofort reagieren.

Intelligente PSA ist also etwas für Extremsituationen?

Keineswegs nur dafür. Intelligente PSA wird – so meine Prognose – gegenüber der heute üblichen PSA einen Wertewandel erfahren. Das ist ähnlich wie die Entwicklung vom Mobiltelefon zum Smartphone, das man sich inzwischen gar nicht mehr wegdenken kann. Nehmen wir das Beispiel einer Schutzbrille: Man stelle sich vor, dass in einer großen Industrieanlage ein Absperrschieber zu wechseln ist. Die Monteurinnen und Monteure bekommen vor Ort alle relevanten Informationen zu den notwendigen Arbeiten, den benötigten Werkzeugen, den Gefährdungen sowie den festgelegten Schutzmaßnahmen direkt in die Schutzbrille projiziert. So würde zudem sichergestellt, dass die Beschäftigten die Schutzbrillen auch wirklich tragen. Auf diese Weise werden die Schutzfunktion der Brille und die Bereitstellung aller relevanten Informationen sinnvoll miteinander verknüpft.

Lässt sich absehen, wie dadurch Unfallzahlen gesenkt werden können?

Nicht stattgefundene Unfälle zu beziffern ist natürlich schwierig. Auf Grundlage von Wahrscheinlichkeiten und bekannter Entstehungsmuster kann man Algorithmen, also eine Art technischer Rezepte, entwickeln, die bei entsprechender Datenlage die Menschen warnen, selbsttätig Maschinen abschalten oder ein Einschalten gar nicht zulassen – um einige Beispiele zu nennen. Darin liegt eine große Chance intelligenter PSA.

Woher können Akteurinnen und Akteure aus den Betrieben Informationen über intelligente PSA bekommen?

Die erste Informationsquelle liefern die Hersteller quasi frei Haus. Sie informieren auf ihren Webseiten, in der Fachpresse oder auch auf Messen über ihre Produkte. In diesem Jahr findet vom 5. bis 8. November die A+A in Düsseldorf statt, das internationale Highlight unter den Fachveranstaltungen im Arbeitsschutz. Dort gibt es alle Neuheiten buchstäblich zum Anfassen. Und auch wir vom Fachbereich PSA begleiten die Prozesse aktiv. Wir beraten und unterstützen bei der Entwicklung neuer Produkte und werden parallel zur weiteren Entwicklung Informationen erarbeiten und veröffentlichen. 

Sehen Sie Chancen für Sicherheitsbeauftragte, das Thema „intelligente PSA“ im eigenen Unternehmen voranzutreiben?

Gemeinsam mit Fachkräften für Arbeitssicherheit sowie Betriebsärztinnen und Betriebsärzten unterstützen Sicherheitsbeauftragte die Unternehmen dabei, ihr wertvollstes „Gut“ zu schützen: gesunde und motivierte Beschäftigte. Nur mit ihnen ist unternehmerischer Erfolg dauerhaft möglich. Da wäre es fatal, wenn die Stimme der Sicherheitsbeauftragten nicht gehört wird. Gerade sie wissen, wo in der betrieblichen Praxis der Schuh am meisten drückt. Vorgesetzte und Unternehmensleitungen, die den Sicherheitsbeauftragten nicht zuhören, wären schlecht beraten.

Hier gelangen Sie zur Website des DGUV Fachbereichs Persönliche Schutzausrüstungen