Arbeitswelt
Ein Bauarbeiter mit einem Handy© Shutterstock / gpointstudio

Internet und Medien mit Suchtpotenzial

Medienkonsum ist etwas Alltägliches. Schwierig wird es, wenn die Nutzung von Medien und Internet schleichend in eine Sucht übergeht. Da sollte man nicht einfach wegschauen, auch als Kollegin oder Kollege. Ein wertschätzendes Ansprechen der Problematik kann den ersten entscheidenden Schritt bedeuten.

Eine junge Mitarbeiterin hat ständig ihr Smartphone in der Hand. Immer wieder checkt sie, ob es Neuigkeiten bei Facebook oder Instagram gibt. Andauernd stöbert sie in sozialen Netzwerken und Foren. Sie ist unkonzentriert und schafft ihre Arbeit kaum noch, sodass die Kolleginnen und Kollegen schon genervt sind. Eine Kollegin ist Sicherheitsbeauftragte. Sie hat einen guten Draht zu allen im Team und beschließt, nicht einfach wegzusehen. Gut so! Denn: „Wann immer jemand bestimmte Verhaltensweisen exzessiv betreibt, hat das auch Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit“, betont Christian Groß, Zweiter Vorsitzender und Pressesprecher des Fachverbands Medienabhängigkeit e. V. Häufige Folgen von exzessivem Medienkonsum sind Konzentrationsprobleme, Stressreaktionen und Übermüdung. Die Ursachen einer Mediensucht können ganz unterschiedlich sein. „Sie reichen von dem Wunsch nach Ablenkung über Realitätsflucht bis hin zum Bedürfnis nach Selbstdarstellung im Netz“, so Christian Groß.

Wo fängt Suchtverhalten an? 

Der Maßstab für das Vorliegen einer Sucht ist recht klar definiert. „Über einen Zeitraum von zwölf Monaten müssen mehrere Kriterien wie beispielsweise ein Kontrollverlust oder negative Folgen in der Lebensführung vorliegen“, berichtet Groß. Kontrollverlust bedeutet, dass die betroffene Person nicht mehr von alleine aufhören kann, den Medienkonsum einzuschränken. Die angesprochenen negativen Folgen können sowohl den Beruf als auch das private Umfeld betreffen. Typische Beispiele sind das Vernachlässigen aller anderen Interessen, Konflikte am Arbeitsplatz wie auch in der Partnerschaft und nicht zuletzt das Leugnen des zwanghaften Verhaltens.

Eine gemeinsame Basis schaffen, um auffälligen Medienkonsum anzusprechen 

Wichtig für Unternehmen ist es, dass klare Regeln aufgestellt werden, inwiefern Beschäftigte Smartphone, Internet und Co. während der Arbeit nutzen dürfen. Denn nur so können sich Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen sowie Sicherheitsbeauftragte darauf berufen, was vertretbar ist und was nicht. Natürlich müssen die Beschäftigten darüber informiert werden, welche Regeln es im Betrieb gibt. Bei Auffälligkeiten gibt es dann eine Basis, um mit der betreffenden Person das Gespräch darüber zu suchen, warum es ihr oder ihm so schwerfällt, sich an die Regeln zu halten. Zweifellos ist diese Erstansprache ein sensibles Thema. Eine Zurechtweisung oder gar das Drohen mit beruflichen Konsequenzen sind der denkbar schlechteste Einstieg. Gefragt ist vielmehr Empathie, also die Bereitschaft, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen. Eine Ansprache auf Augenhöhe könnte sinngemäß mit Worten wie diesen beginnen: „Wenn ich sehe, dass du dich fast nur noch auf dein Smartphone konzentrieren kannst, macht mir das Sorgen. Viel lieber hätte ich das Gefühl zurück, dass wir noch lange tatkräftig und gesund zusammenarbeiten können.“

Lösungen finden, um das Suchtverhalten in den Griff zu bekommen

In der Folge stellt sich die Frage: Ist die betroffene Person bereit, mit einer Fachkraft über die Probleme zu sprechen? Wenn ja: Geeignete Anlaufstellen können Suchtberatungsbeauftragte in den Unternehmen sein, Betriebsärztinnen und Betriebsärzte oder auch ortsnahe Beratungsstellen sowie niedergelassene Psychotherapeutinnen und -therapeuten. „Sucht ist ein schleichender Prozess, der oft mit psychosozialen Problemen in der Lebenswelt der Betroffenen zu tun hat“, berichtet Groß. „Ein positives Arbeitsklima ermöglicht in höherem Maße ein Vertrauensverhältnis der Beschäftigten zu Ansprechpersonen im Betrieb. Vertrauen ist notwendig, um frühzeitig über mögliche Problemlagen zu reden, wenngleich die Ursachen einer wirklichen Suchterkrankung natürlich tiefer liegen und hier professionelle Hilfe notwendig ist.“

Mit Infoveranstaltung auf Internet- und Mediensucht aufmerksam machen 

Eine gute Möglichkeit, um auch im eigenen Betrieb auf das Thema „exzessiver Medienkonsum“ aufmerksam zu machen, sind Informationsveranstaltungen. Daran können sich auch Sicherheitsbeauftragte beteiligen, indem sie aufzeigen, was an Medien problematisch sein kann und wie die Beschäftigten merken, dass sie Medien zu häufig nutzen. Als Einstieg bietet sich der kurze Fragebogen zum Selbsttest an, den es auf der Website des Fachverbands Medienabhängigkeit gibt. Wird bei der Hälfte der sechs Fragen mit dem Wert „3“ oder höher geantwortet, deutet dies auf missbräuchliches Verhalten hin. Wird bei mehr als vier Fragen mit „3“ oder höher geantwortet, liegt möglicherweise eine Abhängigkeit vor. „Dieser Test könnte bei Informationsveranstaltungen besprochen werden und es sollten dann Ansprechpersonen für Ratsuchende benannt werden“, erklärt Christian Groß vom Fachverband.

Hier gelangen Sie zum Fragebogen zum Selbsttest und Weitergeben.