Reportage

Bestens aufgestellt gegen die Pandemie

Beschäftigte in Krankenhäusern und Rehazentren sind in der Corona-Pandemie außergewöhnlich gefordert – vor allem wenn es um die Hygiene, also das Verhüten von Krankheiten, geht. Das gilt auch für die Kliniken der gesetzlichen Unfallversicherung – und für die Sicherheitsbeauftragten, die dort arbeiten.

Halt! Bitte nur hier entlang“, sagt Thomas Stoye, Mitarbeiter der manuellen Arbeitstherapie und Sicherheitsbeauftragter am Berufsgenossenschaftlichen Klinikum Bergmannstrost in Halle, Sachsen-Anhalt. Haben wir es hier mit einer Einbahnregelung auf dem Krankenhausflur zu tun? „Ja, in Zeiten der Corona-Pandemie ist das so“, bestätigt Thomas Stoye. Und Felix Bürger, Leiter Arbeitssicherheit am BG Klinikum Bergmannstrost, erläutert: „Aus Gründen des Infektionsschutzes haben wir neben vielen anderen Vorkehrungen eine spezielle Wegeführung entwickelt. Einige Flure dürfen nur in eine Richtung und durch bestimmte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschritten werden.“ Denn Abstandsregeln gehören zu den wichtigsten Hygienemaßnahmen im Bergmannstrost ebenso wie in den elf anderen BG Kliniken in Deutschland. Dafür hat jedes Haus eine auf sich abgestimmte Wegeführung erarbeitet. Für das Bergmannstrost stellt Felix Bürger fest: „Das hätten wir ohne unsere 20 Sicherheitsbeauftragten kaum umsetzen können. Überall haben sie für rote und grüne Markierungen und Schilder gesorgt, sodass sich alle bestens zurechtfinden können.“

Qualifizierte Sicherheitsbeauftragte

Im regelmäßigen Austausch mit den Sicherheitsbeauftragten steht der Leiter der Arbeitssicherheit unter anderem bei den Sitzungen des Arbeitsschutzausschusses. Worauf sie in ihrem Arbeitsbereich speziell achten müssen, unabhängig vom Vorliegen einer Pandemie, haben die Sicherheitsbeauftragten am Bergmannstrost bei einer branchenspezifischen Fortbildung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) gelernt. Hygiene und Infektionsschutz stehen dabei ganz oben auf der Agenda. Eine weitere wichtige Rolle der Sicherheitsbeauftragten: Aus Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen kennen sie das Stimmungsbild der Belegschaft. In Zeiten von Corona geht es zum Beispiel um die Angst vor Ansteckung – auch der Familienmitglieder. Solche Aspekte können dann von Sicherheitsbeauftragten und Führungskräften gemeinsam angesprochen werden.

Als die Pandemie begann

Felix Bürger erinnert sich an Anfang Februar, als er zu einem kurzfristig anberaumten Termin bei der Geschäftsführung eilte: „Alle wichtigen Klinikbereiche waren vertreten – es war die erste Sitzung des Krisenstabes in Zusammenhang mit COVID-19. Anfangs trafen wir uns alle drei Tage, dann täglich.“ An allen zwölf Standorten der BG Kliniken und bei deren Holding, dem Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung gGmbH in Berlin, traten ab diesem Zeitpunkt Krisenstäbe zusammen, um gegen die Pandemie anzugehen. Der Auftrag: den Krankenhausbetrieb aufrechterhalten und zugleich alle Menschen in den Kliniken vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützen – also Patientinnen und Patienten, Besucherinnen und Besucher sowie die rund 14.000 Beschäftigten.

Zugleich bereiteten sich die Kliniken auf einen Personalmangel vor, falls in den eigenen Reihen Krankheits- oder Verdachtsfälle auftauchten. „Tatsächlich haben wir an mehreren Standorten Verdachtsfälle abgeklärt“, berichtet Eike Jeske, Kommunikationsleiter der Klinikgruppe. „Einige Beschäftigte mussten sich vorsichtshalber zu Hause isolieren.“

Durchatmen, aber keine Entwarnung

Als das Team von „arbeit & gesundheit“ Ende Mai mit ihm spricht, berichtet Felix Bürger: „Die Pandemie hat uns eine ganze Weile beherrscht. Nun können alle ein wenig durchatmen. Vorerst hat sich die Corona-Lage etwas entspannt, doch Entwarnung gibt es nicht.“ Wohl aber eine Menge Erfahrungen, die jedes Krankenhausteam und der BG Kliniken-Konzern im Schnellverfahren gesammelt haben. Funktioniert hat das, weil die BG Kliniken schon immer einen starken Fokus auf Sicherheit und Gesundheit ihrer Belegschaften legen.

Dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Der erste: Wer Patientinnen und Patienten schützen will, fängt bei der Belegschaft an. Zweitens: Die BG Kliniken, getragen von den Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, haben eine bis ins 19. Jahrhundert zurückreichende Tradition, Menschen nach Arbeitsunfällen oder bei berufsbedingten Erkrankungen mit allen geeigneten Mitteln zu heilen. Daher tragen einige BG Kliniken sprechende Namen, wie das Bergmannstrost in Halle oder das Bergmannsheil in Bochum. Ihr Fokus liegt auch heute noch auf Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Folglich weiß das Klinikpersonal nur zu gut, wie wichtig sicheres und gesundes Arbeiten ist.

Hygiene nicht nur in der Krise

Das Hygienemanagement ist ein zentraler Teil des Gesundheitsschutzes. Reinigung, Desinfektion und Persönliche Schutzausrüstungen wie Masken sollen die Übertragung des neuartigen Coronavirus vermeiden. „Hier sind wir bestens aufgestellt“, sagt Janine Bierwirth, Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin sowie Leiterin des Hygienemanagements der BG Kliniken. „Die Situation ist zwar eine besondere, aber es ist nicht das erste Virus, dem wir professionell begegnen.“ Bierwirth hatte zuletzt im Herbst 2019 die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an allen Standorten zur Hygiene schulen lassen. Seinerzeit reine Routine. Anlass war die alljährlich erwartete Grippesaison. Dem Influenzavirus, das durch Tröpfchen übertragen wird, begegnen die Kliniken mit einem Multibarrierekonzept, in dessen Mittelpunkt vor allem die Händehygiene steht: „Ein bis drei Hub Desinfektionsmittel entnehmen, gründlich auf Handinnenflächen, Handrücken, Fingern und in den Fingerzwischenräumen verteilen, Hände trocknen lassen“ – so lautet die Anweisung zum Benutzen der Händedesinfektionsmittelspender, die überall in den Kliniken zu finden sind. Bei Schulungen der Beschäftigten vor Ort wird genau erklärt, warum das Waschen und Desinfizieren der Hände so wichtig ist. Und es wird gezeigt, wie es richtig funktioniert – ohne im Alltag nachlässig zu werden. Die alljährliche Schulung frischt diese wichtige Routine auf.

Neben der Händehygiene spielen Persönliche Schutzausrüstungen eine große Rolle. Und deren Verwendung, zum Beispiel die Regeln, wann und wie Beschäftigte in der Notaufnahme welche Ausrüstungen an- und auch ablegen sollen. „Im Zuge der Pandemie wurde uns schnell klar, dass insbesondere bei Schutzmasken und Einmalhandschuhen ein hoher Bedarf zu erwarten ist“, so Bierwirth. Im gesamten Klinikkonzern ging es nun darum, für Nachschub zu sorgen. Und mit dem vorhandenen Material sorgsam umzugehen.

Wissen für die Beschäftigten

„Im Januar haben wir entschieden, die Hygieneschulungen überall wiederholen zu lassen, obwohl sie kaum drei Monate zurücklagen“, erklärt Bierwirth. Bereits um die Weihnachtszeit hatte sie von schweren Lungenentzündungen in China gelesen und informierte sich weiter. „Es war schnell klar, dass wir das Hygienemanagement anpassen müssen.“ Schon kurz danach erhielten alle BG Kliniken von der Holding in Berlin aus ständig aktualisierte Anweisungen nach den Vorgaben des Robert Koch-Instituts (RKI). Jede Klinikleitung sowie alle Fach- und Führungskräfte sorgen für den Informationsfluss im eigenen Haus. Am BG Klinikum Bergmannstrost in Halle ist Dr. Silvia Fanghänel für das Hygienemanagement zuständig. Sie berichtet: „Wir haben mit den Hygienebeauftragten, die es in allen Bereichen gibt, immer wieder besprochen, wie wir die aktuellen Regeln bei uns als einfache Anweisungen verfassen, im ganzen Haus bekannt machen und umsetzen. Der gute Informationsfluss hat den Beschäftigten Handlungssicherheit gegeben. Hygiene hat bei allen Arbeitsschritten Vorrang.“

Versorgung für alle

Warum die BG Kliniken überhaupt Corona-Fälle aufnehmen, erklärt Reinhard Nieper, Vorsitzender der Geschäftsführung der BG Kliniken: „Als überregionale Traumazentren sind die BG Kliniken rund um die Uhr auf Notfälle vorbereitet. Auch wenn unser Schwerpunkt dabei auf schwerverletzten Unfallopfern und Menschen mit Berufskrankheiten liegt, tun unsere Standorte selbstverständlich alles in ihrer Macht Stehende, COVID-19-Erkrankten zu helfen, außerdem die Virusverbreitung einzudämmen und mit vereinten Kräften zur Lösung dieser schweren Krise beizutragen.“ Damit dieser Beitrag gelingen kann, steht die Hygieneleiterin Janine Bierwirth sowohl mit den BG Kliniken als auch mit anderen Krankenhäusern an den jeweiligen Standorten laufend im Austausch, und zwar hinsichtlich Kapazitäten an Personal, Geräten und Betten. „Die Entscheidung darüber, wo Patientinnen und Patienten eingeliefert werden und wohin sie verlegt werden, richtet sich danach, wer was am besten kann“, so Bierwirth. Weil ihre größte Kompetenz in der Unfallchirurgie liegt, haben die BG Kliniken beispielsweise Verletzte aus Wintersportregionen übernommen – ein bedeutendes Risikogebiet. „Bei allen Patientinnen und Patienten mussten wir vorherige Aufenthaltsorte und mögliche Infektionssymptome abfragen“, so Bierwirth.

Fixpunkte im Hygienemanagement

Der Umgang mit möglicherweise Infizierten ist bis hin zu abgeteilten Stationen detailgenau festgelegt und läuft an allen Standorten nach festgelegten Regeln automatisch ab. Dabei spielen die Sicherheitsbeauftragten, die ihr Ehrenamt in allen Kliniken, in allen Abteilungen und auf allen Stationen versehen, eine wichtige Rolle. Gut zu wissen. Denn sowohl das Corona-Virus, das in diesem Jahr so bedrohlich wurde, als auch weitere Viren machen ein gewissenhaftes Hygienemanagement unverzichtbar.


Aufsetzen einer Schutzmaske gegen Infektionen

Masken hygienisch handhaben

In bestimmten Situationen (Einkaufen, ÖPNV-Nutzung) wird im Zuge der Corona-Pandemie vorgeschrieben, eine Mund-Nase-Bedeckung (MNB) zu tragen. Die aus handelsüblichen Stoffen hergestellte MNB wird auch als „Community-Maske“ bezeichnet. Hingegen tragen Beschäftigte mit besonderem Infektionsrisiko, etwa das Personal der BG Kliniken, bei der Arbeit je nach Situation einen speziellen medizinischen Mund-Nase-Schutz (MNS) oder eine filtrierende Halbmaske (FFP-Maske). Unabhängig vom Schutzstandard gelten für die Handhabung die folgenden Hinweise:

  • Beim Absetzen eine Verunreinigung vor allem der Innenseite verhindern.
  • Auf saubere Hände achten, gegebenenfalls Handschuhe tragen.
  • Hygienisch einwandfreie Handschuhe verwenden.
  • Handschuhe fachgerecht entsorgen bzw. die Hände desinfizieren.
  • Die Maske nach dem Absetzen trocken an der Luft aufbewahren. Nicht in geschlossenen Behältern!
  • Sicherstellen, dass niemand anderes die Maske anfasst oder benutzt. Bei Bedarf sollte man sie mit Namen kennzeichnen.
  • Benutzte Einwegmasken nicht mit Desinfektionsmittel reinigen, da dies die Funktion einschränken kann.
  • Beim erneuten Anziehen die Innenseite nicht durch die Hände oder die Berührung von Flächen verunreinigen.
  • Masken, deren Innenflächen möglicherweise kontaminiert, also nicht mehr sauber sind: nicht mehr verwenden!