Software

Klick den Arbeitsschutz!

Schnell mal den passenden Gehörschutz recherchieren oder einen Erklärfilm zeigen? Smartphone, Tablet oder Laptop können Sicherheitsbeauftragte bei ihrem Ehrenamt effektiv unterstützen. „arbeit & gesundheit“ stellt nützliche digitale Anwendungen vor.

Hast du eine Minute Zeit?“, fragt der Sicherheitsbeauftragte seine Kollegin in der Werkstatt. Die Kollegin nickt. „Dann komm bitte mal mit in mein Büro“, fordert er sie auf und zeigt ihr auf seinem Rechner den Napo-Film „Stoppt die Pandemie“. Die Trickfigur Napo zeigt in diesem Video, wie sich Viren am Arbeitsplatz, etwa über Werkzeuge oder Tastaturen, verbreiten. Händewaschen als eine elementare Präventionsmaßnahme macht dem Virus schließlich den Garaus. „Alles klar“, sagt die Kollegin nach der 43 Sekunden langen Sequenz. „Hatte das Händewaschen nur mal kurz vergessen.“ Software und digitale Tools können bei der Arbeitssicherheit und dem Gesundheitsschutz unterstützen – und zwar ohne viele Worte. Sicherheitsbeauftragte haben in der Regel einen guten Blick dafür, wenn etwas schiefläuft, so wie in unserem kleinen Beispiel aus dem Betrieb. Wenn sie dann die jeweiligen Personen direkt ansprechen, kann es in manchen Fällen zu Diskussionen kommen. Schließlich haben Sicherheitsbeauftragte keine Weisungsbefugnis, sondern engagieren sich ehrenamtlich. Dann kann es nützlich sein, Argumente digital zu untermauern oder Fakten schnell einmal nachzulesen. Verschiedene digitale Anwendungen bieten hier willkommene Unterstützung – wenn zum Beispiel ein Smartphone, Tablet oder Laptop zur Hand ist.

Passende Schutzausrüstung

Angenommen es stehen Wartungsarbeiten in einem Wasserbauwerk an: Bei einer Internetrecherche vom Homeoffice aus stößt die Sicherheitsbeauftragte des Bereichs auf die Website des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA). Das IFA forscht zu vielen Themen und stellt das gewonnene Wissen zum Teil auf seiner Website zur Verfügung. In der Rubrik „Praxishilfen“ findet die Sicherheitsbeauftragte, was sie sucht: Ein Beitrag zeigt, welche Gefährdungen durch die Kombination bestimmter Ausrüstungen entstehen, etwa eines Atemschutzgeräts und einer PSA gegen Ertrinken. Mit ein paar Klicks erhält die Sicherheitsbeauftragte die entscheidende Auskunft: Es muss die Rettungsweste mit dem höchsten Auftrieb gewählt werden. Diese Info gibt sie an ihren Arbeitgeber weiter und stößt so die frühzeitige Beschaffung entsprechender PSA an. „In dieser Anwendung haben wir die zentralen Aussagen der DGUV Regeln, die es für jede PSA gibt, zusammengeführt“, erklärt Dr. Martin Liedtke, Fachbereichsleiter am IFA sowie Koordinator für PSA. „Zu jeder Kombination von PSA gibt die Software die relevante Information in einem Satz aus.“

Geeigneter Gehörschutz

Eine weitere nützliche Anwendung des IFA ist die interaktive PC-Software „HearLoss“. Sie demonstriert eindrucksvoll die Folgen eines Hörverlusts. „Sprache, Musik oder Geräusche nicht mehr richtig hören zu können, hat schon viele vom Tragen eines Gehörschutzes überzeugt“, berichtet Liedtke. Ergänzend finden sich unter den Praxishilfen Informationen zur Auswahl von PSA sowie zur Anschaffung lärmgeminderter Werkzeuge und Materialien.

Was viele Menschen beim Thema Lärm unterschätzen, ist die Belastung, die im Lauf eines Arbeitstages entsteht. Dazu kommen dann noch akustische Belastungen in der Freizeit wie etwa durch Musikhören. Wie viel man dabei tatsächlich auf die Ohren bekommt, verdeutlicht der „Lärmbelastungsrechner“ des IFA. Mit ihm lässt sich das individuelle Risiko, eine Gehörschädigung zu erleiden, abschätzen. „Dieser Rechner eignet sich auch sehr gut, um mit Kolleginnen und Kollegen über das Thema Gehörschutz ins Gespräch zu kommen“, empfiehlt Liedtke. Ob ein Gehörschutz tatsächlich die geforderte Lärmminderung leistet, zeigt eine Beurteilung der individuellen Schalldämmung. Dieser „Fit-Test” ermittelt, ob z. B. Gehörschutzstöpsel richtig eingesetzt werden. Dafür sind audiometrische Messungen nötig, die in eine mobile Anwendung eingetragen werden. „Das ist eine gute Gelegenheit für eine Zusammenarbeit von Betriebsärztin oder Betriebsarzt mit Sicherheitsbeauftragten, zum Beispiel anlässlich einer Unterweisung“, wie der Experte vom IFA erläutert.

Richtig lüften

Auch Apps können eingesetzt werden, um die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu verbessern. Ein Sicherheitsbeauftragter, der in einem Großraumbüro tätig ist, konnte beispielsweise ein Problem dank der App „Lüften leicht gemacht“ des IFA und der Unfallkasse Hessen lösen. In seinem Büro gab es ständig Diskussionen, ob das Fenster offen oder geschlossen sein soll. Daher war der Mitarbeiter froh, auf die App zurückgreifen zu können. Sie errechnet aus Personenzahl, Aufenthaltsdauer und Raumvolumen die voraussichtliche CO2-Konzentration und gibt an, wann und wie oft gelüftet werden soll. „Zunächst habe ich alle im Raum über die Vorteile des Lüftens informiert und die App gezeigt“, berichtet der Sicherheitsbeauftragte. „Wir konnten uns darauf einigen, dass ich die ermittelte Zeit in den Timer gesetzt habe und nun auf sein Signal gelüftet wird. Ohne Diskussion.“

Manipulationen vermeiden

Eine Sicherheitsbeauftragte aus einer Schreinerei berichtet, dass sie von einer App profitiert hat, die anzeigt, welche Anreize es geben könnte, um unerlaubt Schutzeinrichtungen an Maschinen zu umgehen. Bei der Gefährdungsbeurteilung mit ihrem Chef machte sie ihn darauf aufmerksam. Und der Vorgesetzte machte die Manipulation von Schutzeinrichtungen zum Thema der nächsten Unterweisung.

Die verschiedenen Beispiele zeigen: Software-Anwendungen und digitale Tools geben Sicherheitsbeauftragten vielfältige Möglichkeiten, die eigene Kompetenz zu stärken. Sie helfen vor allem, ins Gespräch zu kommen und mit guten Argumenten für mehr Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu überzeugen.