Verkehrssicherheit
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Versetz dich mal in meine Lage

Alle Verkehrsteilnehmenden sind aufgerufen, durch umsichtiges Handeln Unfälle zu verhindern. Denn das ist nicht etwa nur die Aufgabe von Fahrschulen oder der Polizei. Eine Grundlage für vorausschauendes Handeln und gegenseitige Rücksichtnahme bildet die Bereitschaft, die Situation der anderen zu verstehen.

Sicherheitsbeauftragte tragen durch ihr Engagement dazu bei, Unfälle in ihrem Unternehmen zu vermeiden. Allerdings besagen statistische Auswertungen auch, dass die häufigste Todesursache von Beschäftigten in Zusammenhang mit ihrer Berufstätigkeit nicht etwa der Arbeitsunfall im Betrieb ist, sondern die Teilnahme am Straßenverkehr. 375 Verkehrstote unter den Beschäftigten zählt die Statistik der DGUV für das Jahr 2019. Darunter fallen sowohl Wegeunfälle von und zur Arbeitsstätte als auch Dienstwegeunfälle im Straßenverkehr.

Ob zu Fuß, auf zwei oder auf vier Rädern, im Straßenverkehr ist niemand allein, sondern man teilt sich den Verkehrsraum mit vielen anderen. Daher bedarf es klarer Regeln, die für alle gelten. Viele dieser Regeln sind gut bekannt, doch leicht schleichen sich Nachlässigkeiten ein. Das betrifft nicht nur das immer wieder angemahnte Handy am Steuer. Auch der fehlende Schulterblick, eine nicht angepasste Geschwindigkeit und unterlassenes Blinken bzw. Handzeichen beim Abbiegen sind besonders häufige „Sünden“.

Vorsicht und Rücksicht

Nicht jede Verkehrssituation kann durch eine Regel aufgefangen werden. Hier ist vorausschauendes Handeln erforderlich. Dazu gehört es, sich in die Perspektive der anderen zu versetzen und Rücksicht zu nehmen. Denn alle Verkehrsteilnehmenden haben gewisse Besonderheiten. Ein Pkw zum Beispiel ist schnell, vergleichsweise laut und hat einen bestimmten Bremsweg. Radfahrende sind leise – und ohne Knautschzone sowie Sicherheitsgurt sind sie nahezu ungeschützt. Menschen, die zu Fuß gehen, sind nicht nur „unhörbar“ und ungeschützt, sondern manchmal geradezu unsichtbar, etwa wenn sie zwischen parkenden Autos die Straße betreten. An diese Eigenheiten sollte man denken und vorausschauend fahren, radeln oder gehen. Vorausschauende Verkehrsteilnahme bedeutet unter anderem:

  • auf andere zu achten, etwa wenn eine Passantin oder ein Passant es eilig hat oder sich beispielsweise auf den mitgeführten Hund konzentriert
  • in Wohngebieten und in der Nähe von Schulen, Spielplätzen, Sportanlagen usw. stets mit plötzlich auftauchenden Kindern zu rechnen
  • Geschwindigkeit und Fahrverhalten den Straßen- und Wetterverhältnissen anzupassen (besonders bei Nebel, Eis, Nässe oder Laub auf der Fahrbahn)
  • mit Fehlern anderer zu rechnen, zum Beispiel dass eine Fußgängerin oder ein Fußgänger irrtümlich annimmt, an einem Überweg ohne Zebrastreifen Vorrang zu haben

In unklaren Situationen ist es sicherer, bedacht zu agieren und sich gegebenenfalls klare Zeichen zu geben, anstatt stur auf einem vermeintlichen Recht zu bestehen. Gelassene Rücksichtnahme schont zudem auch das eigene Nervenkostüm.

Aktiv gegen Unfallgefahren

Alle können die Unfallrisiken für sich und andere senken, indem sie im Verkehr Zeitdruck, Hektik, Ablenkungen und emotionales Handeln vermeiden. Wer etwa zu müde zum Fahren ist, steigt auf den ÖPNV um oder nimmt ein Taxi. Ob eine Fahrt dienstlich oder privat ist, es sollte zur Gewohnheit werden, sich vor Fahrtantritt davon zu überzeugen, dass das Verkehrsmittel technisch einwandfrei funktioniert. Bei sicherheitsrelevanten Mängeln (Bremsen, Licht usw.) muss das Fahrzeug stehen bleiben. Das gilt selbstverständlich auch für Fahrrad, Pedelec und E-Scooter.


Engagement von Sicherheitsbeauftragten

Sicherheitsbeauftragte können darauf hinwirken, dass ihr Betrieb:

  • über Änderungen der Straßenverkehrsordnung informiert.
  • die Kurzvideos des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) nutzt. Zu empfehlen ist etwa die Playlist „Filme zur betrieblichen Sicherheit (Frag die Banane)“, zu finden auf YouTube.
  • Fahrsicherheitstrainings organisiert.
  • Risiken und sicheres Nutzen neuer Verkehrsmittel wie E-Scooter auf die Themenliste von Unterweisungen setzt.
  • Firmenfahrzeuge nicht nur sicherheitsgerecht ausrüstet und vorschriftsgemäß warten lässt, sondern auch freiwillige Angebote nutzt, wie z. B. kostenlose Lichttests.