Verkehrssicherheit
Smartphone als Ablenkung im Straßenverkehr © Thinkstock / Andre Popov

Im Blindflug durchs Verkehrsgeschehen?!

Viele Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer unterschätzen, wie sehr das Bedienen von Smartphone oder Navigationssystem vom Verkehrsgeschehen ablenken kann. Wer ein Kraftfahrzeug führt, sollte elektronische Geräte wie Radio oder Navigationsgerät bereits vor der Fahrt einstellen oder – wenn sie verzichtbar sind – ausschalten.

Der Verkehr läuft flüssig, plötzlich vibriert vorne auf der Ablage das Smartphone. Mal eben schauen, wer da geschrieben hat? Vielleicht ist es ja eine wichtige E-Mail. Und schon kann es passieren: Das vorausfahrende Auto bremst unerwartet ab und es kommt zu einem Auffahrunfall. Mögliche Folgen sind ein erheblicher Sachschaden und, viel schlimmer noch, Verletzungen von Fahrzeuginsassen und anderen Beteiligten, beispielsweise Gehirnerschütterungen, Knochenbrüche oder gar ein tödlicher Ausgang.

Wenn die Gedanken woanders sind

Laut einer Studie der Allianz Versicherung aus dem Jahr 2012 geht etwa jeder zehnte Verkehrsunfall auf Ablenkungen zurück. Dazu gehören nicht nur das Telefonieren und Schreiben auf dem Smartphone oder das Bedienen von Radio, Navigationsgerät und Klimaanlage, sondern auch das Benutzen einer Freisprechanlage oder Sprachsteuerung, wenngleich das vom Gesetz her erlaubt ist. Übrigens machen nicht nur Autofahrerinnen und -fahrer manchmal den Fehler, sich vom Verkehrsgeschehen ablenken zu lassen: Auch lautes Musikhören über Kopfhörer beim Fahrradfahren oder angeregte Gespräche unter Fußgängerinnen und Fußgängern lenken vom eigentlichen Verkehrsgeschehen ab. Solche Unaufmerksamkeiten erhöhen die Unfallgefahr. Beiläufige Beschäftigungen schränken die Reaktionsfähigkeit stark ein, auf die Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer dringend angewiesen sind, wenn sie etwa im Pkw ein Stau-Ende wahrnehmen oder plötzlich ein Kind auf die Straße läuft.

Gefährlicher Mythos Multitasking

Routinierte Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer mögen sich denken: Ich bin diese Strecke schon hundertmal gefahren, da ist es für mich überhaupt kein Problem, auf den Verkehr zu achten und gleichzeitig eine Nummer in das Handy einzutippen. „Das ist schlichte Selbstüberschätzung“, erklärt Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR). „Multitasking ist ein Mythos – und im Straßenverkehr schnell tödlich. Wer bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h nur für eine Sekunde unaufmerksam ist, legt in dieser Zeit 14 Meter blind zurück. In drei Sekunden bei 100 km/h sind es bereits 83 Meter. Auf Unvorhergesehenes rechtzeitig zu reagieren, ist dann nicht mehr möglich.“ Fast ständig prasseln auf das menschliche Gehirn unzählige Bilder und Töne ein. Im Straßenverkehr sehen wir Fahrzeuge, Fußgänger, Schilder und Lichtsignale, wir hören Motoren, Sirenen, Hupen. Die Kapazitäten des Gehirns erlauben es aber nur, einen Teil dieser Reize weiterzuverarbeiten. Deshalb können Menschen in der Regel nicht mehr als eine komplexe Tätigkeit auf einmal ausüben.

Vorkehrungen vor Fahrantritt

Um die Achtsamkeit im Verkehrsgeschehen zu stärken, rät der DVR:

  • Nach Möglichkeit das Smartphone vor Fahrtantritt in den Flugmodus stellen.
  • Radiosender und Navigationssystem ebenfalls vor dem Losfahren einstellen.
  • Nachrichten vom Handy erst nach der Fahrt abhören.
  • Für alle Tätigkeiten, die beim Fahren stören können, gilt: Lieber anhalten, eine Pause einlegen und das Betreffende in Ruhe erledigen. Dahingehend sollten Beschäftigte in den Betrieben unterwiesen werden. Auch Kolleginnen und Kollegen sollten es vermeiden, die Fahrt durch Anrufe und E-Mails zu stören, sondern abwarten, bis die betreffende Person im Betrieb eingetroffen ist.

Informationen auf der gemeinsamen Website von DVR, Berufsgenossenschaften und Unfallkassen:
http://www.abgelenkt.info

Aktion „Runter vom Gas“ von DVR und Bundesverkehrsministerium:
http://www.runtervomgas.de