Verkehrssicherheit
Eine müde Frau fährt Auto und gähnt. © Thinkstock / metamorworks

Müdigkeit am Steuer

Wer beim Autofahren die Anzeichen von Müdigkeit ignoriert, geht ein hohes Risiko ein und gefährdet damit auch andere. Beschäftigte, die mit dem Pkw zur Arbeit pendeln oder dienstlich unterwegs sind, sollten achtsam sein und wissen, wann es an der Zeit ist, die Fahrt zu unterbrechen.

Sie ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr im Straßenverkehr: Müdigkeit am Steuer. Wer etwa für fünf Sekunden einnickt, legt bei der Autobahn-Richtgeschwindigkeit von 130 km/h mehr als 180 Meter im Blindflug zurück. Laut einer Umfrage, die für den Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) unter 1.000 Autofahrerinnen und -fahrern durchgeführt wurde, ist das rund einem Viertel der Befragten schon mindestens einmal passiert. Und ganz besonders gefährlich wird es, wenn dieses Problem auch noch unterschätzt wird. 43 Prozent der Befragten zeigten sich nämlich überzeugt, den Zeitpunkt des Einschlafens vorhersehen zu können. Die Zahlen zu Verkehrsunfällen im Zusammenhang mit Müdigkeit zeigen jedoch eine andere Wahrheit. 

Verkehrsunfälle wegen Müdigkeit

Laut der Publikation „Verkehrsunfälle Zeitreihen 2017“ des Statistischen Bundesamtes gab es im Jahr 2017 genau 1.940 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, die auf Übermüdung zurückzuführen waren. Das sind 67 mehr als im Vorjahr und 102 mehr als im vorvergangenen Jahr. Dabei dürften diese Zahlen lediglich die Spitze des Eisbergs sein, denn als müdigkeitsbedingt gilt ein Unfall nur, wenn dies bei der polizeilichen Befragung auch angegeben wird.

Achtsam sollten insbesondere alle sein, die am frühen Morgen und am späten Nachmittag mit dem Auto zur Arbeit und nach Hause pendeln: Wie die Bundesanstalt für Straßenwesen ermittelte, ereignen sich die meisten Verkehrsunfälle aufgrund von Müdigkeit zwischen 6 und 8 Uhr sowie zwischen 14 und 16 Uhr.

Warnsignale des Körpers richtig deuten

Ein Sekundenschlaf setzt nicht einfach aus heiterem Himmel ein. Warnsignale des Körpers kündigen ihn an. Anzeichen können unter anderem sein, dass sich die Straße immer enger anfühlt, es schwierig wird, die Spur zu halten, oder dass die Augen brennen und man auffällig oft gähnen muss. Auch Nervosität, Gereiztheit oder Aggressivität sind Alarmzeichen. Hierauf sollten insbesondere Mitfahrerinnen und Mitfahrer achten. „Wer am Steuer sitzt und solche Anzeichen verspürt, sollte unbedingt eine Pause von etwa 20 Minuten einlegen“, rät Julia Fohmann, Pressesprecherin beim DVR. Ein kurzes Nickerchen auf dem Parkplatz – neudeutsch „Powernap“ –, aber auch Bewegung draußen kann helfen, anschließend wieder sicher zu fahren.

Maßnahmen gegen Müdigkeit am Steuer

Schlafen ist die effektivste Art, Müdigkeit zu bekämpfen. Schon 15 bis 20 Minuten Schlaf während einer Fahrpause – das erwähnte Powernap – können eine große Wirkung erzielen. Übrigens ist nichts dagegen einzuwenden, vorher Kaffee zu trinken: Die Wirkung des Koffeins tritt erst nach ca. 30 Minuten ein, was sich als unterstützender „Wachmachereffekt“ nach dem Nickerchen einsetzen lässt. Das alternative „Maßnahmenpaket“ gegen Müdigkeit heißt: Bewegung, z. B. Gymnastik, an der frischen Luft. Sie dient dazu, den Kreislauf zu aktivieren. Nicht hilfreich, um wach und aufmerksam zu bleiben, sind hingegen laute Musik, das Fahren mit offenen Fenstern oder nur koffeinhaltige Getränke ohne Schlafpause.

Unterstützende Fahrzeugtechnik als Sicherheitsmaßnahme

Bei Müdigkeit sendet der Körper bestimmte Signale. Das nutzen auch die Automobilhersteller: Aufmerksamkeits-Assistenten, genannt „Müdigkeitswarner“, registrieren und interpretieren das Verhalten der fahrenden Person (z. B. Lenkbewegungen) und erzeugen bei Anzeichen von Schläfrigkeit ein Warnsignal. Es gibt diese Systeme bislang hauptsächlich in den gehobenen Pkw-Klassen und vielfach auch nur optional. Allerdings wäre ihr Vorhandensein weitgehend wirkungslos, wenn man einfach weiterfährt. Auch wer einen Müdigkeitswarner im Fahrzeug hat, kommt nicht umhin, sich an die wichtigste Sicherheitsmaßnahme zu halten: die Signale des eigenen Körpers ernst zu nehmen.

Wach und aufmerksam im Pkw

Sicherheitsbeauftragte sind aufgerufen, auch ihre Kolleginnen und Kollegen dabei zu unterstützen, dass sie bei der Fahrt zur Arbeit wach und aufmerksam sind. Eine gute Möglichkeit sind die kurzen Filme mit dem Titel „Tipps für Pkw-Fahrer“ auf der Website des Deutschen Verkehrssicherheitsrates. Einfach den Link teilen oder gleich gemeinsam anschauen!

5 Tipps gegen Müdigkeit am Steuer

  1. Bei aufkommender Müdigkeit eine Pause einlegen.

  2. 15 bis 20 Minuten Schlaf können wahre Wunder wirken.

  3. Kaffeegenuss vor der Schlafpause lässt sich als Unterstützung zum Wiederaufwachen einsetzen, da das Koffein zeitverzögert wirkt.

  4. Bewegung an der frischen Luft aktiviert den Kreislauf.

  5. Auch Mitfahrende sollten auf die Fahrerin bzw. den Fahrer achten. Gegebenenfalls können sie anbieten, das Steuer zu übernehmen.