Reportage
Flugzeug auf dem Rollfeld© timluhmann.de

Sicherheit beim Flughafen Düsseldorf

Über 600 Starts und Landungen zählt der Flughafen Düsseldorf täglich. Eine gut organisierte Kommunikation ist alles, um bei mehr als 21.000 Beschäftigten und unterschiedlichsten Betriebsbereichen ein sicheres Arbeiten zu ermöglichen. Teils erfolgt sie mündlich von Mensch zu Mensch, teils mittels spezieller Systeme.

Der Fahrer des Zuges mit den drei kleinen Anhängern kommt heute nicht weit. Einer der sogenannten Dollys, die er mit dem Transportwagen hinter sich herzieht, lässt sich nur noch schwer lenken. „Die Arretierung ist gebrochen“, stellt Dieter Klaßen fest. Am Düsseldorf Airport, wie der internationale Flughafen der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt offiziell heißt, ist Klaßen dafür zuständig, die kleinen Anhänger mit leeren Containern zu beladen und sie den Fahrzeugführenden auszuhändigen.

Kontrolle und Inspektion der Dollys

Er nimmt die Wagen, mit denen nachher die Maschine nach Singapur beladen werden soll, genau in den Blick. Klaßen kontrolliert die Kupplungen, prüft die Lenkung, die Reifen und schaut sich die Prüfplakette an. Er nimmt seine Aufgabe als Sicherheitsbeauftragter sehr genau. Der Flughafenmitarbeiter spricht den Fahrer an und erklärt ihm, warum er den Zug nicht beladen darf. Klaßen muss seinen Gesprächspartner nicht lange überzeugen: „Mit der Zeit kennt man sich und wird akzeptiert. Wenn man das Problem sachlich erklärt, sind die meisten einsichtig.“ So auch heute. Der Fahrer rollt mit dem Anhänger zur Werkstatt und tauscht ihn aus. Dieter Klaßen ist zufrieden.

Wissen und Erfahrung erhöhen die Arbeitssicherheit

Wenn Dieter Klaßen Arbeitskolleginnen und -kollegen vom Flughafenbetreiber oder von Fremdfirmen auf Sicherheitsthemen aufmerksam macht, spricht eine Menge Erfahrung mit. Seit 33 Jahren arbeitet er am Düsseldorfer Flughafen, vor 25 Jahren wurde er zum Sicherheitsbeauftragten bestellt. Damals fertigte er noch selbst Flugzeuge ab. Er fuhr die Treppen heran, fixierte die Fahrwerke mit Klötzen, belud die Maschinen und tankte sie auf. Später wurden diese Tätigkeiten an Drittfirmen vergeben.

Gut sichtbar mit reflektierender Arbeitskleidung

Aus eigener Erfahrung weiß Klaßen, wie wichtig es bei 600 Starts und Landungen am Tag ist, nicht nur selbst alles im Blick zu haben, sondern auch von anderen gesehen zu werden. Die Arbeitskleidung der Beschäftigten auf dem Vorfeld leuchtet aus diesem Grund in auffälligen Farben. Solange die Triebwerke einer Maschine laufen, ist zudem der Gehörschutz wichtig. Zwar sind die Maschinen heute längst nicht mehr so laut wie früher, aber je nach Position kann doch noch eine Belastung bestehen. Klaßen nimmt das zum Anlass, die Beschäftigten immer wieder auf die Bedeutung der Persönlichen Schutzausrüstung für die jeweilige Arbeitssituation hinzuweisen.

Sicherheitsbeauftragter im Fahrzeug© timluhmann.de

Verpflichtende Unterweisung zu Vorsichtsmaßnahmen am Flughafen

Im Wettlauf gegen die Zeit sind stets volle Konzentration, genaues Arbeiten und eine perfekte Kommunikation gefragt. Letztere folgt präzisen Regeln und läuft je nach Situation auch ohne Worte ab. So etwa, wenn der „Marshaller“, wie der Flugzeugeinweiser international genannt wird, eine soeben eingetroffene DHC 8-400 in Empfang nimmt. Nach der Landung lotst er die Maschine auf ihre Position, steigt aus seinem Wagen und weist die Besatzung mit Leuchtstäben auf den letzten Metern ein. Das Anti-Kollisions-Licht am Flugzeugrumpf signalisiert, dass Personen und Fahrzeuge sich der Maschine noch nicht nähern dürfen. „Bei Düsenflugzeugen leuchten die Lampen, wenn das Triebwerk noch an ist oder gleich gestartet wird“, schildert Klaßen. Bei Propellermaschinen wie der DHC 8-400 ist eine Besonderheit zu beachten: Die Rotorblätter können sich selbst dann drehen, wenn der Motor ausgeschaltet ist, etwa bei einem starken Windstoß. Mit Nachdruck klären die Ausbilder am Flughafen neue Kolleginnen und Kollegen bei einer obligatorischen Unterweisung über solche Vorsichtsmaßnahmen auf. Nur wer diese Schulung durchlaufen hat, darf das Flughafenvorfeld überhaupt betreten.

Sicherheitsbeauftragte mit Fachkompetenz

Die rund 25 Sicherheitsbeauftragten des Flughafens sind eng in die Schulungen eingebunden. Vor allem bei den Unterweisungen in den jeweiligen Arbeitsbereichen ist ihre Fachkompetenz gefragt. Als „Praktiker vor Ort“ nehmen sie zudem an den sogenannten moderierten Unfallgesprächen teil, die der Airport vor drei Jahren eingeführt hat. Der Arbeitsschutz ist auf dem Flughafen Düsseldorf allgegenwärtig und hat zahlreiche Facetten. Ein Beispiel: Auffallend viele Müllbehälter säumen die Wege, denn jeder Fremdkörper kann für die Maschinen zur Gefahr werden. Auch das Wissen hierüber ist Gegenstand der Schulungen. Darüber hinaus gelten auf dem Vorfeld strikte Verkehrsregeln mit Geschwindigkeitsbeschränkungen. „Unsere Verkehrsleitung ist extra mit Radarpistolen ausgestattet“, berichtet Frank Michael, Leiter Arbeitssicherheit am Düsseldorf Airport. Die Folgen können weit reichen, bis hin zum Verlust des Betriebsführerscheins für Temposünder.

Sicherheitsbeauftragter© timluhmann.de

Arbeitssicherheit per App

Die Weitläufigkeit des Geländes und das breite Tätigkeitsspektrum stellen den Arbeitsschutz vor eine zentrale Herausforderung: Wie lassen sich überall rechtzeitig Gefahren erkennen und abstellen? Eine Möglichkeit hält Dieter Klaßen direkt in seiner Hand: Im Rahmen eines Pilotprojekts wurden die Handys der Sicherheitsbeauftragten mit einer App ausgestattet, mit der sie Gefahrenstellen fotografieren und melden können. Die App fragt die genaue Position ab. Mit einem kurzen Text können die Beschäftigten die Begleitumstände erläutern. Die Meldungen laufen zentral bei der Abteilung für Arbeitssicherheit zusammen, wo das Pilotprojekt aktuell ausgewertet wird. Klaßen hält viel von der Maßnahme: Als er unlängst am Hubschrauberplatz eine Stolperfalle entdeckte, fotografierte er die fehlende Abdeckung über dem Stromaggregat und leitete die Meldung weiter. Jetzt ist der Fehler behoben.

Aktuelle Informationen zum Arbeitsschutz für alle Beschäftigten

Die Belange des Arbeitsschutzes werden mit den Kommunikationsmaßnahmen des Düsseldorf Airport in die Breite getragen, sodass sie bei den Beschäftigten ankommen. Ein Beispiel: Displays, die, an sieben verschiedenen Stellen am Flughafen verteilt, über aktuelle Unfallzahlen informieren, bringen das Thema in die Arbeitsbereiche. Auffällig ist: Die Informationen über Arbeitsunfälle in den einzelnen Abteilungen sind eingebettet in Zahlen über die aktuellen Flugbewegungen, Fluggäste oder Frachttonnagen. „Unsere Leute sollen sich bewusst sein, in welchem Umfeld sie arbeiten“, erklärt Frank Michael. Der Themenmix soll das Interesse steigern. In der Frachthalle des „DUS Air Cargo Center“ hängt das Display genau neben dem Sozialraum. Im vergangenen Jahr durchliefen 110.000 Tonnen Fracht die 12.600 Quadratmeter große Halle. Allein vier Sicherheitsbeauftragte hat der Flughafen eigens für diesen Bereich bestellt – anders ließen sich die zahlreichen Audits, mit denen viele der rund 40 ansässigen Fluggesellschaften ihre Sicherheit zertifizieren lassen, nicht bearbeiten.

Tempolimit per System für Gabelstapler

Cafer Celik ist einer der Sicherheitsbeauftragten in der Frachthalle. Der Assistent des Betriebsleiters zeigt auf eine kleine Box an der Wand vor den beiden Gefahrstoffräumen. Eine Lichtschranke lässt eine Sirene aufheulen, falls Fahrerinnen und Fahrer von Gabelstaplern die Höhenbegrenzung missachten. Der schrille Ton warnt nicht nur die „Verkehrssünder“, sondern füllt die gesamte Halle. Celik meint: „Das ist so peinlich, dass hier niemand ein zweites Mal regelwidrig durchfährt.“ Rund 30 Gabelstapler sind in den Hallen unterwegs, um Güter von den Regalen zu den Transportbändern zu bringen oder Regale wieder aufzufüllen. Um die Unfallgefahr, die von den Gabelstaplern ausgeht, zu reduzieren, müssen sich alle Beschäftigten, bevor sie ein Fahrzeug bewegen, in einem sogenannten Flottenmanagementsystem anmelden. Aus Gründen der Verkehrssicherheit reduziert das System bei neuen Kolleginnen und Kollegen in den ersten sechs Monaten die Geschwindigkeit von maximal 16 km/h auf 12 km/h. Auch bei notorischen Rasern lässt sich das Tempo drosseln. Für alle Staplerführenden erfolgt vor dem Losfahren eine personalisierte Anmeldung, bei der auch der Status des Fahrzeugs anzugeben ist. Mängel an der Bereifung etwa fallen dadurch schnell auf, ebenso wie ein eventueller Defekt an der Beleuchtung.

Lüftungs- und Klimaanlagen am Flughafen

Einer ganz anderen Herausforderung hat Berthold Mosters sich zu stellen. Der Klimatechniker wartet und repariert unterhalb der Terminals die Lüftungs- und Klimaanlagen. Die Dimensionen sind gewaltig: Die vier Ventilatoren unter Terminal C, von denen jeder die Leistung eines mittleren Flugzeugtriebwerks erreicht, führen pro Stunde bis zu 730.000 Kubikmeter Luft in das Gebäude. 252 Außenluftfilter befreien die Luft von Partikeln, 5.760 Aktivkohlefilter entfernen den Kerosingeruch. Mosters wurde vor neun Jahren zum Sicherheitsbeauftragten bestellt.

Containerverwaltung unter dem Terminal

Anders als Dieter Klaßen, der in der Containerverwaltung täglich mit vielen Menschen zu tun hat, ist Berthold Mosters in den „Katakomben“ unter dem Terminal oft auf sich allein gestellt. Penibel achtet er deshalb darauf, dass die Türen nicht verstellt und Sicherheitswege ausreichend gekennzeichnet sind. „Wenn eine Tür blockiert ist, melde ich das sofort.“ Denn auch in dieser Arbeitssituation ist der Sicherheitsbeauftragte jederzeit in das Kommunikationskonzept des Flughafens eingebunden: Das Handy mit der Sicherheitsapp hat er immer dabei.