Arbeitssicherheit
Stromkasten Sicherungen © Thinkstock / m-imagephotografie

Unsichtbare Gefahr

Elektrischer Strom kann zur tödlichen Gefahr werden. Das gilt nicht nur für Elektrofachkräfte, sondern auch für den täglichen Umgang mit elektrischen Geräten.

Wer schon einmal in Berührung mit einem elektrischen Weidezaun gekommen ist, weiß: Ein Stromschlag kann sich durch den ganzen Körper ziehen – und das auf höchst unangenehme Weise. Je stärker der Strom ist, desto gefährlicher wird der Kontakt damit. Beispielsweise haben Beschäftigte im Elektrohandwerk mit Spannungen und Strömen zu tun, die deutlich höher sind als bei einem Weidezaun. Die Folgen eines Stromschlags können gravierend sein.

Wirkung auf den Körper

Elektrischer Strom ist unter anderem deshalb so gefährlich, weil auch der menschliche Körper mit ihm arbeitet: Vom Gehirn gesendete elektrische Impulse steuern beispielsweise Muskeln. Auch der Herzrhythmus wird über elektrische Impulse gesteuert. Fließt nun Strom von außen über den Menschen, überlagert er die körpereigenen Nervenimpulse. Wie gefährlich diese Überlagerung der Nervenimpulse ist, hängt von der Stärke des Stroms ab, die in Ampere bzw. Milliampere (mA) gemessen wird. „Menschen spüren Strom ab 0,5 Milliampere. In solchen Fällen kann es bereits zu sogenannten Sekundärunfällen kommen, wenn zum Beispiel Beschäftigte durch die Schreckreaktion von einer Leiter fallen und sich verletzen“, erklärt Dieter Rothweiler, Leiter des Fachgebiets „Elektrische Gefährdungen“ der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM). „Ab 5 Milliampere kann beispielsweise meine Hand verkrampfen, wenn ich einen elektrischen Leiter anfasse, der unter Spannung steht.“ Ist die Stromstärke höher als 5 mA, sind Atemnot und eine vorübergehende Störung der Herzfunktion möglich. Ab circa 50 mA besteht die Gefahr eines Kammerflimmerns und des plötzlichen Herztods. Bei noch höheren Strömen kann es zu inneren Verbrennungen kommen.

Fünf Sicherheitsregeln

Arbeiten an elektrischen Anlagen sind in der Regel im spannungsfreien Zustand durchzuführen. Für Elektrofachkräfte gelten die fünf Sicherheitsregeln, die detailliert in Kapitel 5 der DGUV Information 203-001 „Sicherheit bei Arbeiten an elektrischen Anlagen“ beschrieben sind:

1. Anlage oder Betriebsmittel freischalten
2. Gegen Wiedereinschalten sichern
3. Spannungsfreiheit feststellen
4. Erden und kurzschließen
5. Benachbarte und unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken

Elektrofachkräfte sollten diese Regeln verinnerlicht haben. „Zahlen des Instituts zur Erforschung elektrischer Unfälle bei der BG ETEM belegen allerdings, dass viele Unfälle entstehen, weil die Regeln nicht beachtet werden“, mahnt Dieter Rothweiler. Vorgesetzte und Sicherheitsbeauftragte sollten deswegen immer wieder auf die fünf Sicherheitsregeln aufmerksam machen. Zudem sollte das Wissen in regelmäßigen Schulungen aufgefrischt werden.

Schadhafte Elektrogeräte

Auch ganz alltägliche Elektrogeräte können einen Stromunfall verursachen. „Typisch sind Beschädigungen von elektrischen Zuleitungen“, erklärt Rothweiler. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn sich ein Schnitt im Netzkabel eines Geräts befindet und man dadurch einen Stromschlag bekommt. Dem Experten von der BG ETEM zufolge kommen gefährliche Beschädigungen besonders häufig bei Geräten vor, die auf Baustellen genutzt werden. „Beispielsweise werden die Geräte regelmäßig von A nach B transportiert und wenn sie im Transporter nicht richtig gesichert sind, fliegen sie regelrecht durch die Gegend. Auch können Leitungen, wenn sie nicht richtig verlegt sind, von Fahrzeugen überfahren werden.“ Im Büro passieren Stromunfälle seltener, aber auch hier können Leitungen beschädigt werden – zum Beispiel, wenn Leitungen von Computern ständig von Rollcontainern überrollt werden.

Erste Hilfe

Nach einem Stromunfall ist der Eigenschutz für Ersthelfende besonders wichtig. „Bevor sie sich zum Unfallopfer begeben, müssen sie den Stromfluss unterbrechen, indem sie den Netzstecker ziehen oder das Gerät ausschalten. Ist dies nicht möglich, muss die Sicherung betätigt werden“, so Rothweiler. Nach der Unterbrechung des Stromflusses sollten die üblichen Erste-Hilfe-Maßnahmen angewendet werden, gegebenenfalls mit Herz-Lungen-Wiederbelebung. Grundsätzlich sollten Betroffene nach einem Stromunfall immer eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, um mögliche Folgen abzuklären.

Prüfung elektrischer Betriebsmittel

Damit Schäden an elektrischen Betriebsmitteln und Anlagen nicht unentdeckt bleiben, müssen sie regelmäßig von einer Elektrofachkraft geprüft werden. Die Prüffristen hängen von der Art des Geräts (ortsfest oder -veränderlich) und dem Einsatzort (etwa im Büro oder Baustelle) ab. Richtwerte für die Fristen enthält Kapitel 7 der DGUV Information 203-001 "Sicherheit bei Arbeiten an elektrischen Anlagen".