Verkehrssicherheit
Fahrender Bus© Chalabala

Unterwegs mit Öffis

Öffentliche Verkehrsmittel gelten zu Recht als sehr sicher. Viele Pendlerinnen und Pendler wissen diesen Vorteil ebenso zu schätzen wie den Zeitgewinn im Berufsverkehr. Es gibt aber auch Tücken – die mit den richtigen Tipps umgangen werden können.

Kilometerlange Staus, schlechte Wetterverhältnisse, Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr – immer mehr Pendlerinnen und Pendler scheuen das morgendliche und abendliche Chaos auf den Straßen. Sie lassen das Auto stehen und nehmen stattdessen öffentliche Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit. Das schont nicht nur die Nerven, sondern auch die Umwelt. Gerade in Großstädten haben Bus, Straßen-, S- und U-Bahn ihre Vorzüge – auch weil die Beschäftigten damit oft schneller und sicherer ans Ziel gelangen. Zahlen dazu liefert die Publikation „Unfallstatistik – Verkehrsmittel im Risikovergleich“ aus der Reihe „WISTA – Wirtschaft und Statistik“ des Statistischen Bundesamtes. Demnach verunglückten 2009 in öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus, Eisenbahn und Straßenbahn zusammengerechnet) 5.523 Personen.

Entspannt und sicher unterwegs mit Bus und Bahn

Mit dem Auto verunglückten im Vergleich dazu 223.508 Personen. Hierzu muss jedoch ergänzt werden, dass die Zahlen beim Pkw auch deswegen höher ausfallen, weil die Nutzung länger und häufiger ist und die Fahrerinnen und Fahrer für sich gesehen mehr Kilometer zurücklegen. Dennoch kann festgehalten werden, dass öffentliche Verkehrsmittel bei richtiger Benutzung sehr sicher sind.

Auf dem Weg zur Haltestelle

Doch auch wer die „Öffis“ nutzt, muss aufpassen. Das beginnt bereits auf dem Weg zur Haltestelle. „Weile statt Eile“, empfiehlt Julia Fohmann, Pressesprecherin des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR). „Niemand sollte sich unter Zeitdruck setzen lassen und hektisch werden. Auch dann nicht, wenn der Bus schon da ist. Blindlings über die Straße zu rennen, birgt ein enorm hohes Unfallrisiko.“ Wie bei der Autofahrt gilt auch hier: lieber ein paar Minuten mehr einplanen!

Auch die Tageszeit und die Wetterverhältnisse sind Faktoren, die es zu beachten gilt, weiß Dr. Klaus Ruff, stellvertretender Präventionsleiter bei der Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation (BG Verkehr). Sein Tipp: „Bei Dunkelheit oder Nebel empfiehlt sich helle, auffällige Kleidung, am besten mit reflektierenden Streifen.“ Besondere Vorsicht ist beim Überqueren von Straßen geboten. „Niemals sollte man direkt vor einem herannahenden Fahrzeug oder zwischen parkenden Autos plötzlich auf die Fahrbahn treten, insbesondere im Dunkeln“, erklärt Ruff. Wer den Weg im Blick hat und das Mobiltelefon stecken lässt, ist weniger abgelenkt. Außerdem sollten die Schuhe entsprechend den Wetterverhältnissen gewählt werden. Bei Nässe sind Schuhe mit Profil und rutschfesten Sohlen eine gute Wahl. Wo es glatt ist, bieten Geländer zusätzlichen Halt, besonders bei Unterführungen oder den Abgängen zur U-Bahn.

An der Haltestelle

„Wer keine Monatskarte und kein Jobticket nutzt, sollte möglichst vor dem Einsteigen eine Fahrkarte ziehen. So muss dies nicht während der Fahrt erledigt werden und man kann sich gleich einen Sitzplatz oder sicheren Halt suchen“, sagt Ruff. Da gerade zu den morgendlichen und abendlichen Stoßzeiten viele Pendlerinnen und Pendler unterwegs sind, herrscht entsprechender Trubel an den Haltestellen. Hierzu DVR-Expertin Fohmann: „Regel Nummer Eins: erst die Fahrgäste aussteigen lassen, dann selbst einsteigen! Und natürlich sollte beim Ein- und Aussteigen nicht gedrängelt werden, damit man nicht ungewollt auf die Fahrbahn gerät.“

Während der Fahrt

Der sicherste Platz in Bus oder Bahn ist der Sitzplatz. Wenn es die Möglichkeit zum Sitzen gibt, sollte man darauf zurückgreifen. „Ein weiterer Vorteil ist, dass zu- und aussteigende Personen sich nicht durch einen vollen Gang drängen müssen“, erklärt Ruff. Gerade in Bussen können hohe Kräfte auftreten, wenn gebremst wird oder es in die Kurve geht. Um Stürze zu vermeiden, sollten Fahrgäste, die stehen müssen, sich gut an den Haltevorrichtungen festhalten. „Wer seine Tasche oder seinen Rucksack sicher verstauen kann, sollte das tun“, betont Fohmann. So behindert das Gepäckstück niemanden beim Ein- oder Aussteigen. Für alle anderen gilt: Tasche umschnallen und Rucksack festhalten, damit das Gepäck bei einem Bremsmanöver nicht zum Geschoss wird.

Zur eigenen Sicherheit und zum Schutz der anderen Fahrgäste sollte während der Fahrt nicht mit Fahrerinnen und Fahrern gesprochen werden. Gerade zu den Stoßzeiten benötigen sie ihre volle Konzentration für das Verkehrsgeschehen. Da ist jede Ablenkung gefährlich.

Am Fahrtziel

Ist das Ziel dann in Reichweite, empfiehlt es sich, trotzdem noch sitzen zu bleiben. Denn wenn stark gebremst oder eine Kurve durchfahren wird, kann es schwierig werden, Halt zu finden. Am Ziel angekommen, sollte beim Aussteigen darauf geachtet werden, ob ein Fahrradweg zwischen Bus oder Bahn und dem Bürgersteig verläuft.

Und zum Schluss hat Dr. Klaus Ruff von der BG Verkehr noch eine Empfehlung für die Betriebe: „Auch wenn viele es als Selbstverständlichkeit ansehen, wie Busse oder Bahnen richtig genutzt werden, schafft eine Unterweisung doch noch einmal erhöhte Achtsamkeit.“ Oft bieten ortsansässige Verkehrsunternehmen eigene Seminare an. Die richten sich zwar meist vor allem an ältere Menschen oder Kinder, doch auch für Berufstätige können sie ausgesprochen nützlich sein.