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Aggression im Straßenverkehr vorbeugen
Aggressives Verhalten im Straßenverkehr ist keine Seltenheit – auch Betriebe können zu mehr Sicherheit beitragen. © Adobe Stock/ Dan Race

Verkehrssicherheit : Aggression im Straßenverkehr vorbeugen

Stress und Zeitdruck können auf dem Arbeitsweg aggressives Fahrverhalten begünstigen. Betriebe sollten für einen gelassenen Umgang im Straßenverkehr sensibilisieren.

Auf den Straßen wird es immer enger: Autos, Fahrräder, E-Scooter und Lieferverkehr teilen sich den begrenzten Raum. Kommt dann auch noch Zeitdruck hinzu, etwa bei beruflichen Fahrten, kann sich schnell Anspannung aufbauen und in aggressives Fahrverhalten umschlagen. „Der Straßenverkehr ist ein Spiegel der Gesellschaft“, sagt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Dieser Spiegel zeigt: Die Stimmung wird rauer.

Das bestätigt auch die repräsentative UDV-Studie „Verkehrsklima in Deutschland 2023“, die seit 2008 in regelmäßigen Abständen durchgeführt wird. Die Gründe für steigende Aggression sind vielfältig. „Wir haben eine Zunahme an Verkehrsdichte und bei der Zahl der Verkehrsteilnehmenden“, sagt Zeidler. „Wer von A nach B will und dabei ausgebremst wird – durch andere Verkehrsteilnehmende, Regeln oder äußere Umstände –, fühlt sich schnell am eigenen Fortkommen gehindert.“

Die Folgen davon sind Stress oder Ärger. Wer von diesen Emotionen beeinflusst ist, reagiert eher impulsiv, schätzt Situationen eher falsch ein und handelt riskanter. Um Unfällen durch solche Situationen vorzubeugen, sollte ein psychologischer Effekt berücksichtigt werden, den die Studie ebenfalls belegt: die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung.

Maßnahme gegen aggressives Fahrverhalten: Feedback einholen

Viele nehmen aggressives Verhalten vor allem bei anderen wahr. „Man schützt das eigene Selbstbild, indem man Fehler anderen zuschreibt. Aber wer sich selbst nicht als Teil des Problems sieht, fühlt sich auch von Präventivmaßnahmen nicht angesprochen“ erklärt die Expertin.

Soziale Medien können den Effekt weiter verstärken. „Man bewegt sich in seiner eigenen Blase und bekommt die eigene Sichtweise immer wieder bestätigt“, sagt Zeidler. Das könne dazu beitragen, dass sich das eigene Bild vom Verhalten im Straßenverkehr verfestigt und die Bereitschaft zur Selbstreflexion sinkt.

Begleitperson achten auf Fahrverhalten

Eine Maßnahme, die Betriebe testen können, ist die Begleitfahrt – eine Fahrt, bei der das Fahrverhalten von einem sogenannten Master Driver beobachtet und Verbesserungspotenzial aufgezeigt wird. Nach einigen Wochen wird die Fahrt wiederholt, um zu schauen, was sich verändert hat.

Ursprünglich im Zusammenhang mit älteren Verkehrsteilnehmenden erprobt, zeigt diese Maßnahme, dass individuelles Feedback wirkt. „Die alterstypischen Fahrfehler gingen bei den Probandinnen und Probanden deutlich zurück“, so Zeidler. Entscheidend sei, dass die Rückmeldung wertschätzend und auf Augenhöhe erfolge.

Reflexion statt Aggression: So können Sicherheitsbeauftrage unterstützen

  • Das Thema ansprechen: Aggression und Stress im Straßenverkehr zum Beispiel bei Unterweisungen, Dienstbesprechungen oder Gesundheitstagen thematisieren. Feedback und Austausch können helfen, die eigene Fahrweise zu reflektieren.
  • Begleitfahrten einsetzen: In Betrieben mit größeren Fuhrparks können erfahrene Kolleginnen und Kollegen als „Master Driver“ Fahrten begleiten und individuelles Feedback geben.
  • Fahrsicherheitstrainings nutzen: Neben praktischen Übungen kann dort auch das Handeln im Straßenverkehr reflektiert werden. Der Austausch in der Gruppe hilft, das eigene Verhalten zu hinterfragen.
  • Technische Unterstützung prüfen: Einige Betriebe nutzen Fahrzeugdaten oder Dashcams, um kritische Situationen auszuwerten. Datenschutz, Mitbestimmung und Akzeptanz der Beschäftigten müssen dabei berücksichtigt werden.

Aggressionen im Straßenverkehr durch Kommunikation vermeiden

Regeln bleiben jedoch wichtig. „Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, bei Verstößen entdeckt zu werden, spielt eine große Rolle dafür, ob sich Menschen an Regeln halten“, so Zeidler. Bleiben Regelverstöße folgenlos, sinkt die Hemmschwelle – auch bei denen, die sich sonst regelkonform verhalten würden.

Gleichzeitig reichen Regeln und Kontrollen allein nicht aus. „Es gibt nicht die eine Lösung. Vielmehr braucht es einen Strauß an Maßnahmen, die ineinandergreifen und auf die individuelle Situation abgestimmt sind“, betont Zeidler. Im betrieblichen Umfeld ist es möglich, Erfahrungen zu vergleichen und direkt mit Betroffenen zu sprechen.

Klicktipp: „Achtsamkeit und Aggression"

Die Schriftenreihe 25 des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DRV) „Achtsamkeit und Aggression“ beleuchtet die Gefahren, die durch aggressives Verhalten im Straßenverkehr entstehen können, und zeigt auf, wie man sich in solchen Situationen richtig verhält.

Ein Ansatzpunkt für Sicherheitsbeauftragte (Sibe) kann sein, Belastungssituationen zu identifizieren und zu thematisieren. Wo entsteht Zeitdruck? In welchen Situationen kommt es zu Konflikten oder riskantem Verhalten? Auch Beinahe-Unfälle liefern wichtige Hinweise auf kritische Situationen. Sibe können solche Beobachtungen aufgreifen, im Team ansprechen und an Führungskräfte weiterleiten.

So können gemeinsam Arbeitsorganisation, Zeitplanung und Abläufe angepasst werden, um Druck zu reduzieren. Ein wichtiger Aspekt ist auch, wie am Arbeitsplatz mit Fehlern und Belastungen umgegangen wird. Wo Beschäftigte Sanktionen fürchten, steigt der Druck – und damit die Wahrscheinlichkeit, dass sich Stress in aggressivem Fahrverhalten niederschlägt.