Gesundheitsschutz : Biostoffe bei der Arbeit richtig einschätzen
Frau Dr. Kolk, was sind Biostoffe und wieso können von ihnen gesundheitliche Risiken ausgehen?
Biostoffe beziehungsweise biologische Arbeitsstoffe sind laut Biostoffverordnung Mikroorganismen wie Bakterien, (Schimmel-)Pilze, Hefen. Auch Viren, Zellkulturen und Parasiten zählen dazu. Sie können beim Menschen eine infektiöse, toxische oder sensibilisierende Wirkung haben – also Krankheiten auslösen, Vergiftungserscheinungen hervorrufen oder eine Überempfindlichkeit des Immunsystems wie allergische Reaktionen bewirken.
Wie gelangen die Stoffe in den Körper?
Auf drei Wegen: Aus der Luft, wenn sie sich dort befinden und eingeatmet werden. Durch Verschlucken, wenn kontaminierte Lebensmittel oder Flüssigkeiten über den Mund in den Magendarmtrakt gelangen. Oder über direkten Kontakt mit der Haut oder Schleimhäuten.
Wo tauchen Biostoffe auf?
Eigentlich überall. Mikroorganismen leben in und auf Tieren, Menschen und Pflanzen, im Boden, im Wasser, in der Luft. Derzeit sind mehrere Tausend Arten von Biostoffen bekannt. Im Arbeitskontext muss immer geprüft werden, unter welchen Umständen Kontakt zu welcher Art besteht. Das wird am Beispiel des Dentallabors deutlich. Auch in der Abfallwirtschaft, im Gesundheitswesen und in der Tierhaltung oder bei der Gebäudesanierung können Biostoffe auftreten. Sie können in Kühlschmierstoffen vorhanden oder in Fahrzeugwaschanlagen vorzufinden sein. Oder sich bei natürlichen Ausbrüchen von Infektionskrankheiten in der Atemluft befinden. Auch bei Reinigungtätigkeiten kann in vielen Branchen Kontakt mit Biostoffen entstehen.
Sind Biostoffe immer gefährlich?
Nein, im Gegenteil. Viele Bakterien sind für das Funktionieren des menschlichen Körpers unabdingbar. Und nicht alle Biostoffe lösen automatisch eine Krankheit aus. Andere schaden nur unter bestimmten Bedingungen, etwa bei einem geschwächten Immunsystem. Oder wenn sie dort hingelangen, wo sie nicht hingehören – einige Bakterien können problemlos eingeatmet werden, lösen aber bei Verschlucken eventuell Durchfallerkrankungen aus. Kurz gesagt: Ob Biostoffe gefährlich sind, hängt von der Art und Menge ab und davon, unter welchen Gegebenheiten der menschliche Körper ihnen ausgesetzt ist. Am Arbeitsplatz muss all das bei der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden.
Wo finden Betriebe Informationen zum Umgang mit Biostoffen?
Betriebe können sich immer an ihre Berufsgenossenschaft oder die Institute der DGUV wenden. Das IFA und die DGUV Akademie bieten eine Publikationsdatenbank mit Schriften zum Arbeitsschutz bei biologischen Gefährdungen. Die GESTIS Biostoffdatenbank stellt Daten zu über 20.000 Biostoffen zur Verfügung, erklärt passende Schutz- und Präventionsmaßnahmen im Zuge der Gefährdungsbeurteilung und nennt deren Risikogruppen. Allgemeine Informationen finden sich auf den Websites des Robert Koch Instituts oder des Bundesinstituts für Risikobewertung.
