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Das passende Exoskelett
Passive Systeme (links) oder aktive Systeme (rechts) funktionieren auf unterschiedliche Art und Weise. © raufeld

Recht : Das passende Exoskelett

Eine DGUV Information ordnet ein, welche Exoskelette bei schweren körperlichen Tätigkeiten entlasten – und wann besser auf das Hilfsmittel verzichtet wird.

Lagerarbeit, Montagetätigkeiten und Malerarbeiten – all diese und weitere Jobs sind körperlich fordernd. Um die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu schützen, sollten Betriebe die physische Belastung bei solchen Tätigkeiten möglichst reduzieren. Helfen können dabei technische Mittel wie Krane und Flurförderzeuge oder organisatorische Maßnahmen wie rotierendes Arbeiten.

Ist dies nicht ausreichend, folgen personenbezogene Maßnahmen, wie der Einsatz von Exoskeletten. Diese am Körper getragenen Assistenzsysteme können Beschäftigte entlasten. Bevor sie jedoch eingesetzt werden, ist für jeden Arbeitsplatz zu überprüfen, ob die Hilfsmittel tatsächlich die gewünschte Wirkung erzielen. Hierfür gibt es noch keine standardisierten, zuverlässigen Verfahren. Die neue DGUV Information 208-062 „Auswahl und Einsatz von Exoskeletten“ unterstützt dabei, die Hilfsmittel einer aussagekräftigen Prüfung zu unterziehen.

Kriterien für Auswahl eines Systems und Modells

Hersteller bieten eine Vielzahl von Produkten an, die für den gewerblichen Einsatz geeignet sind. Die Exoskelette unterscheiden sich aber nicht nur in der Gestalt, sondern auch in der Bau- und Funktionsweise. Außerdem sind sie für bestimmte Körperregionen konzipiert.

Exoskelette, die den unteren Rücken entlasten sollen, unterstützen vor allem beim tiefen Vorbeugen des Rumpfes und teilweise beim Heben von Lasten. Sie entlasten aber meist nicht, wenn Lasten getragen oder gezogen werden müssen. Ähnliches gilt bei Modellen, die auf die Schultern abzielen: Sie bringen Entlastung bei über Kopfhöhe ausgeführten Tätigkeiten, beim Heben und Tragen unterstützen sie hingegen nicht.

Basiswissen über Exoskelette

Große Bandbreite

Exoskelette unterscheiden sich nach dem Antriebsprinzip (aktive und passive Exoskelette), der Bauweise (z. B. feste oder weiche Materialien) und ihrer mechanischen und biomechanischen Funktionsweise (z. B. Erzeugung von Zug- bzw. Druckkraft). Auch sind sie auf verschiedene Körperregionen zugeschnitten, in der Arbeitswelt zumeist Schultern oder Rücken.

Passive Systeme

Sie unterstützen die Körperkraft, indem sie etwa bei einer Gelenkbelastung zunächst Energie aufnehmen und speichern. Bei einer gegenläufigen Bewegung geben sie die Energie zur Unterstützung wieder frei.

Arten von Antriebselementen:

  • mechanische Federn
  • elastische Bänder

Mögliche Bauweisen:

  • starrgliedrig mit unbiegsamen Bügeln
  • mit elastischen Textilien

Aktive Systeme

Sie verfügen über eine externe Energieversorgung (Drucklufttanks, Akkus oder direkte Stromversorgung) und sind daher schwerer als passive Varianten. Sie geben zusätzliche Kraft.

Arten von Antrieben:

  • elektrisch (Motor)
  • pneumatisch (Druckluft)
  • hydraulisch

Testphase vorbereiten und durchführen

Bevor Betriebe die Nutzung von Exoskeletten einführen, sollte ihr Einsatz erprobt werden. Dazu gilt es, zunächst vorbereitend zu analysieren: Bei welcher Haupttätigkeit sollen die Hilfsmittel unterstützen und bei welchen Nebentätigkeiten dürfen sie nicht behindern? Für die Auswahl des Systems ist außerdem wichtig, nicht nur zu betrachten, welche Körperregionen belastet werden. Entscheidend ist auch, in welchem Radius und in welcher Geschwindigkeit Bewegungen erfolgen. Auch das Arbeitsumfeld ist in den Blick zu nehmen: Sind zum Beispiel die Gänge und Fluchtwege breit genug? Lassen die klimatischen Bedingungen den Einsatz schwerer Exoskelette zu? In keinem Fall dürfen Exoskelette die Schutzwirkung von persönlicher Schutzausrüstung beeinträchtigen.

Schließlich braucht es Beschäftigte, die bereit sind, ein Exoskelett zu testen, bei der Erprobung mitzuwirken und gegebenenfalls Fragebögen auszufüllen. Diese helfen dabei, zu erfassen, wie sich die körperliche Belastung entwickelt.

Ralf Schick, Leiter Sachgebiet Physische Belastung im Fachbereich Handel und Logistik der DGUV © raufeld

Die Tests sollten fachlich begleitet werden. Fachkräfte für Arbeitssicherheit und die Betriebsärztin oder der Betriebsarzt sind geeignete Anlaufstellen. Aber auch Sicherheitsbeauftragte können unterstützen, sei es bei der Analyse der Haupttätigkeit oder der Suche nach freiwilligen Mitwirkenden.

Klicktipp:

Die DGUV Information 208-062 Mensch und Arbeitsplatz – Auswahl und Einsatz von Exoskeletten zum Download.

Tests auswerten und notfalls wiederholen

Nach der Erprobungsphase wird ausgewertet, was der Einsatz der Exoskelette bewirkt hat und welche Hindernisse es gab. Die wichtigsten Antworten liefern die Beschäftigten: Fühlen sie sich im Vergleich zur Arbeit ohne die Hilfsmittel entlastet? Traten durch den Einsatz der am Körper getragenen Assistenzsysteme an anderer Stelle Beschwerden auf? Sind die Ergebnisse nicht eindeutig, sollte die Erprobung verlängert oder gegebenenfalls wiederholt werden.