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Arbeitssicherheit

„Wasserstoff erfordert umfangreiche Einarbeitung“

Der Einsatz von Wasserstoff wird deutlich zunehmen, sagt Ingenieur Dr. Albert Seemann. Unternehmen sollten sich rechtzeitig vorbereiten und individuelle Schutzmaßnahmen festlegen.

Geschrieben von: Isabel Ehrlich

Datum: 17.10.2023

„Wasserstoff erfordert umfangreiche Einarbeitung“
„0.0“, also keine Wasserstoffkonzentration nachweisbar. Foto: Ralph Sondermann

Sind vorab noch besondere Herausforderungen beim Arbeitsschutz oder beim Personal zu meistern?

Arbeitsschutz- und Personalfragen gehen hier grundsätzlich Hand in Hand. Wenn eine Wasserstoffanlage etwa für die Eigenversorgung mit Strom genutzt wird, muss Fachpersonal für die Instand­haltung zur Verfügung stehen. Sollten Firmen mit dem ­Verkauf solcher Anlagen das schnelle Geld ­wittern und ­unqualifiziertes Personal daran ­arbeiten ­lassen, wäre das gefährlich.

Aber alle mir bekannten ­Betriebe setzen auf Qualifizierung. Und auch in der Industrie wissen die Verantwortlichen, dass ein ­neues brennbares Gas ein Nach­justieren beim Arbeitsschutz notwendig macht. Hemmnisse sind derzeit eher die noch hohen Kosten für die Technik. Und die ­Bereitstellung großer Mengen grüner Energie, die für die Erzeugung großer Mengen Wasserstoff ­benötigt werden.

Portraitfoto von Dr. Albert Seemann, Leiter DGUV Sachgebiet Energie und Wasser
Dr. Albert Seemann, Leiter des DGUV-Sachgebiets Energie und Wasser © Privat

Aus Arbeitsschutzsicht spricht also grund­sätzlich nichts gegen den Einsatz des brennbaren Gases?

Nichts Grundsätzliches, nein. Wasserstoff ist ja bereits seit Jahrzehnten in der Industrie im Einsatz, etwa in der Chemie. Sprich, die grund­legenden Maß­nahmen zum Arbeitsschutz sind erprobt und ­bekannt. Wichtig ist aber, dass die Schutzmaßnahmen individuell im Rahmen der Gefährdungsbeur­tei­lung festgelegt werden. Der Gefahrstoff ist zwar bei allen Anlagen identisch. Aber die ­Mengen und beispielsweise der Druck in den Anlagen ­unterscheiden sich. Und die Technik ent­wickelt sich ständig weiter.

Und wie können sich Unternehmen konkret auf den Umgang mit Wasserstoff vorbereiten?

Arbeitgebende müssen ihre Beschäftigten Schritt für Schritt an die neuen Herausforderungen heran­führen, die Wasserstoff mit sich bringt. Insbesondere zum Thema Explosionsschutz. Auch wenn ­bereits Expertise mit Erdgas vorhanden ist, muss es eine umfangreiche Einarbeitung und Unterweisung geben. Hier stehen die Betriebe immer selbst in der Pflicht. Die zuständige Berufs­genossenschaft kann allerdings unterstützen. Besonders ­kleinere ­Betriebe ­profitieren von der zusätzlichen ­Expertise, sofern die internen personellen Kapa­zitäten begrenzt sind. Die Berufsgenossenschaft wird das Thema „Wasserstoff und Erstellung des Explosionsschutzdokuments“ zeitnah in ihren Fachseminaren mit aufnehmen. Auch ist es wichtig, Beschäftigte zu sensibilisieren und ­Unsicherheiten abzubauen.