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E-Fahrzeuge sicher warten
Wartungsarbeiten an Hochvoltsystemen verlangen entsprechend qualifizierte Beschäftigte. © AdobeStock/ romaset
Verkehrssicherheit

E-Fahrzeuge sicher warten

Sie sind nahezu allgegenwärtig: Elektrofahrzeuge. Für eine sichere Instandhaltung sind qualifizierte Beschäftigte erforderlich.

Datum: 24.05.2022

Wenn Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor gewartet werden, ist der Vorgang den Beschäftigten in den allermeisten Fällen geläufig. Bei der Instandhaltung von Elektrofahrzeugen (E-Fahrzeugen) stellen sich andere Fragen.

Zum Beispiel, ob Beschäftigte überhaupt einfach an den Motor dürfen. Schließlich haben sie es mit hohen Spannungen zu tun. Lithium-Ionen-Batterien beinhalten zudem gesundheits- und umweltschädliche Substanzen.

Gefährdungsbeurteilung für E-Fahrzeuge erstellen

Unternehmen, bei denen Beschäftigte E-Fahrzeuge auf Dienstfahrten nutzen, müssen ihre Belegschaft im Umgang unterweisen. Wenn sie an den Fahrzeugen arbeiten, sind Beschäftigte zuvor ausreichend zu qualifizieren – je nach Tätigkeit. Wenn Reifen zu wechseln sind, gibt es andere Gefährdungen als bei Instandhaltungsmaßnahmen an der Batterie. Sicherheitsbeauftragte können sich für regelmäßige Unterweisungen einsetzen. Durch sie lernen Beschäftigte das Fahrzeug und die von ihm ausgehenden Gefährdungen kennen.

Umfassende Qualifizierungen sind in jedem Fall notwendig. „Arbeiten Beschäftigte mit oder an Elektrofahrzeugen, ist es wichtig, dass von den Arbeitsschutzverantwortlichen eine individuelle Gefährdungsbeurteilung vorgenommen wird“, sagt Lars Kopka, Experte für Fahrzeugelektrik und Mechatronik bei der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM).

Praxistipp

Unternehmen steht eine „Mustergefährdungsbeurteilung“ in der DGUV Information 209-093 „Qualifizierung für Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen“ zur Verfügung.

Die vier Qualifizierungsstufen

Arbeitgebende müssen sicherstellen, dass qualifizierte Personen an Elektrofahrzeugen arbeiten. Die erforderliche Fachkunde hängt von den zu verrichtenden Tätigkeiten ab. Elektrotechnische Arbeiten am Hochvoltsystem dürfen ausschließlich Fachkundige Personen ausführen.

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© Grafik: Raufeld Medien

S: Sensibilisierte Person

  • Voraussetzung: Unterweisung oder Einweisung über den sachgerechten Gebrauch.
  • Fahren und Servicearbeiten, etwa Fahrzeug reinigen oder Batterie laden

1S: Fachkundig unterwiesene Person (FuP)

  • Voraussetzung: Unterweisung, u. a. über elektrische Gefährdungen und Schutzmaßnahmen.
  • Allgemeine Arbeiten, etwa an der Karosserie, Öl- und Radwechsel

2S: Fachkundige Person (FHV)

  • Voraussetzung: Regelmäßige Schulungen; Person muss in der Lage sein, den spannungsfreien Zustand selbst herzustellen. Verschiedene Ausbildungen, etwa im Bereich Kfz-Mechatronik, befähigen zur Stufe 2S.
  • Arbeiten an Hochvoltsystemen im spannungsfreien Zustand, einschließlich Instandsetzung

3S: Fachkundige Person (FHV) mit umfassender Ausbildung

  • Voraussetzung: Zugelassen sind ausschließlich Personen ohne gesundheitliche Einschränkungen (z. B. Epilepsie) und mit mindestens einjähriger Berufserfahrung im Kfz- oder Elektrobereich.
  • Arbeiten an unter Spannung stehenden Hochvoltsystemen, zum Beispiel an der Batterie

Brandgefahr bei beschädigten Hochvoltbatterien

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat für das Arbeiten mit oder an E-Fahrzeugen sechs zusätzliche Gefährdungen indentifiziert: elektrische, chemische, Brand/Explosion, physikalische, physische und mechanische. Ein Beispiel für physikalische Gefährdungen sind elektromagnetische Felder. Sie können für Beschäftigte mit Herzschrittmacher problematisch sein.

Die elektrischen Gefährdungen ergeben sich aus der Hochvoltspannung von 400 bis 800 Volt. Deshalb ist nach einem Unfall mit einem E-Fahrzeug Vorsicht geboten. Beschädigte Hochvoltbatterien können noch Stunden nach einem Unfall einen Brand auslösen. Das stellt zum Beispiel für Abschleppdienste ein Risiko dar.

Strom: die unsichtbare Gefahr

Das Risiko, einen tödlichen

Nach Unfall Batterie beobachten

„Beschädigte Hochvoltfahrzeuge mit unklarem Zustand der Batterie sollen auf einer gesicherten Ruhefläche mit ausreichend Abstand zu anderen brennbaren Gegenständen oder Gebäudeteilen abgestellt werden. Dort kann qualifiziertes Personal den Batteriezustand beobachten und das weitere Vorgehen festlegen“, erklärt Kopka.

Er fügt hinzu: „Der Schlüssel zu sicherem Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen ist die entsprechende Qualifizierung der Mitarbeitenden. Dies gilt auch für mechanische Tätigkeiten, wie zum Beispiel den Radwechsel.“

Geschrieben von: Florian Jung