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Verkehrssicherheit im Herbst und Winter
Bei schlechter Sicht muss die Geschwindigkeit angepasst werden. © Foto: Adobe Stock/Mathias Karner
Verkehrssicherheit

Verkehrssicherheit im Herbst und Winter

Regen, Schnee und Eis machen Straßenverhältnisse unberechenbar. Betriebe sollten Beschäftigte für saisonale Gefahren im Straßenverkehr sensibilisieren. Sicherheitsbeauftragte können daran mitwirken.

Datum: 22.10.2021

Es ist dunkel und die kurvige Landstraße ohne Fahrbahnmarkierung erfordert hohe Konzentration. Die zugelassene Höchstgeschwindigkeit liegt bei hundert Stundenkilometern – und die Freude auf zu Hause spornt an, den Arbeitsweg nach Feierabend schnell hinter sich zu bringen.

Das ist ohnehin kein ungefährliches Szenario. Was aber, wenn es noch heftig schneit? Besonders tückisch wird es, wenn sich unter der Schneedecke eine Eisschicht verbirgt. Dann haften die Reifen nicht richtig und das Fahrzeug kann bei überhöhter Geschwindigkeit in der Kurve ausscheren. Auch die Bremswege verlängern sich auf vereisten und schneebedeckten Fahrbahnen teils um ein Vielfaches. Selbst erfahrene Autofahrende schätzen das Risiko in solchen Situationen oft falsch ein.

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So verlängert sich der Anhalteweg je nach Untergrund. © Quelle: ADAC

Fahr- und Schaltverhalten an Witterung anpassen

Aufs Auto zu verzichten, ist häufig keine Option. Personen, die beruflich pendeln müssen, sind in der Regel auf ihr Fahrzeug angewiesen. Auch auf Dienstreisen ist das Auto häufig das Fahrzeug der Wahl. Wer sich an ein paar Regeln hält, kann das Unfallrisiko deutlich minimieren.

Unerlässlich sind in jedem Fall Winter- oder Ganzjahresreifen mit ausreichender Profiltiefe. Sie sind bei winterlichen Straßenverhältnissen ohnehin gesetzlich vorgeschrieben. Sowohl das Gas- als auch das Bremspedal sollten in der kalten Jahreszeit stets mit Bedacht betätigt werden. In Deutschland ist bei einer Sichtweite von weniger als 50 Metern eine Maximalgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern vorgeschrieben – etwa bei Nebel.

Für viele andere Situationen sollten Beschäftigte ein Gespür dafür entwickeln, ihr Fahrverhalten den Straßen- und Sichtverhältnissen anzupassen. Zum Beispiel auf nassen oder laubbedeckten Straßen.

Sicherheitstrainings für Beschäftigte

Möchten sich Beschäftigte besser auf die Straßenverhältnisse im Winter und Herbst einstellen, können sie dies auf ungefährliche Weise in Fahrsicherheitstrainings üben. In solchen Trainings können Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit ihrem eigenen Fahrzeug Fahrbahnen testen, auf denen unter anderem winterliche Bedingungen simuliert werden. Lenk- und Bremsmanöver trainieren sie in Slalom- oder Kurvenparcours. So lernen sie, Extremsituationen besser einzuschätzen.

Nicht nur Personen, die sich generell unsicher am Steuer fühlen, nehmen eine Menge aus solchen Trainings mit. Die Erfahrung mit dem eigenen Fahrzeug hilft allen Beschäftigten dabei, angemessen zu reagieren. So erhöhen sie die Sicherheit für sich selbst und alle anderen Verkehrsteilnehmenden.

Viele kennen solche Trainings jedoch gar nicht. Hier kommen Sicherheitsbeauftragte ins Spiel: Sie können bei Vorgesetzten und Mitarbeitenden auf bestehende Angebote aufmerksam machen und zur Teilnahme anregen. Obendrein bezuschussen verschiedene Berufsgenossenschaften die Fahrtrainings, wenn diese den Qualitätsstandards des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) entsprechen.

Tipp

Bei Glätte hilft es, niedertourig zu fahren, also in hohen Gängen mit möglichst geringer Motordrehzahl. Das gilt auch fürs Anfahren: Im zweiten Gang behutsam Gas zu geben, lässt Reifen seltener durchdrehen.

Verkehrssicherheit im Betrieb thematisieren

Führungskräfte oder Fachkräfte für Arbeitssicherheit können – unterstützt durch Sicherheitsbeauftragte – viele Stellschrauben nutzen, um nachhaltig auf die Verkehrssicherheit einzuwirken. „Ein guter Einstieg kann die Frage sein, wie Mitarbeitende zur Arbeit kommen“, erklärt Martin Küppers, Präventionsexperte der BG Verkehr. „Dann können Themen genau adressiert werden, wie etwa Angebote des ÖPNV, Fahrradsicherheit, die gezielte Ansprache von Altersgruppen oder Beratungsangebote durch den Betriebsarzt.“

Zur Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit empfiehlt er: „Sofern der technische Sachverstand vorhanden ist, können Unternehmen im Spätsommer Beleuchtungs- oder Reifenchecks durchführen. In Zusammenarbeit mit dem betriebsärztlichen Dienst sind Sehtests möglich.“ Im Vordergrund stehe dabei immer, ein gemeinsames Sicherheitsverständnis im Unternehmen zu entwickeln.

Geschrieben von: Moritz Tripp