Verkehrssicherheit : Fahrtrainings für sichere Wege
Im Auto unterwegs mit 50 Kilometern pro Stunde. Plötzlich setzt es einen Schlag gegen die Hinterachse. Das Fahrzeug bricht aus. Mit einer Gefahrenbremsung und ruhigen, aber schnellen Lenkbewegungen soll das Fahrzeug zum Stehen gebracht und möglichst gerade in Fahrtrichtung gehalten werden. In einer solchen Situation nicht die Kontrolle über das eigene Fahrzeug zu verlieren, ist nicht leicht. Bei einem Fahrsicherheitstraining steht dieser Test daher am Ende einer Reihe von Übungen. Sie alle haben zwei Ziele: Teilnehmende sollen lernen, die Risiken im Straßenverkehr besser einzuschätzen und Gefahrensituationen vermeiden oder notfalls besser handeln zu können.
Klicktipp: Trainingsplatz finden
- Bundesweit gibt es mehr als 150 Trainingsplätze mit verschiedenen Angeboten an Fahrsicherheitstrainings.
- Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) hat diese in einer Liste für Trainings nach DVR-Richtlinien gesammelt.
- Angebote können nach Postleitzahl und gewünschtem Verkehrsmittel recherchiert werden. Neben Pkw-Trainings gibt es zum Beispiel auch solche für Transporter, Lkw und Motorrad.
„Das Gehirn hat die Situation dann schon einmal mitgemacht und sich damit auseinandergesetzt“, sagt René Payard, Trainer am Fahrsicherheitszentrum Berlin-Brandenburg des ADAC in Linthe. Gemeinsam mit Stefan Prasdorf lotst er Mitte Juni eine Gruppe von Fahrerinnen und Fahrern durch verschiedene Übungen auf dem 25 Hektar großen Trainingsplatz. Die Teilnehmenden sind mit ihrem eigenen Auto oder Dienstfahrzeug gekommen, um einen Tag lang die Fahraufgaben zu meistern.
Fahrtrainings im Betrieb anregen
Viele Betriebe entsenden ihre Beschäftigten zu einem solchen Fahrsicherheitstraining, das nach den Richtlinien des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) erstellt ist. Die Teilnahme soll dazu beitragen, die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen. Allein 2024 verzeichnete die DGUV 7.443 Dienstwegeunfälle und 168.648 Wegeunfälle, die zum Teil lange Ausfallzeiten von Beschäftigten zur Folge hatten. Unternehmen profitieren also davon, wenn ihre Mitarbeitenden sicherer auf den Straßen unterwegs sind. Auch für Sicherheitsbeauftragte ist das ein Argument, um bei ihren Vorgesetzten anzuregen, Beschäftigte zu den Trainings zu entsenden.
Die erste Aufgabe in Linthe besteht in einem leichten Ausweichmanöver. Die Teilnehmenden steuern ihr Fahrzeug in unterschiedlichen Geschwindigkeiten im Slalom um Verkehrshütchen. Es folgen Bremsmanöver, Übungen zum Fahren in Kurven und auf verschiedenen Oberflächen. Zu jeder Übung gehört die Besprechung in der Gruppe, bei der die Trainer die unterschiedlichen Erfahrungen der Teilnehmenden berücksichtigen und die wichtigsten Beobachtungen und Erkenntnisse herausarbeiten. So wird etwa deutlich, welchen Unterschied die Geschwindigkeit, der Untergrund und die Art der Reifen spielen. Auf nasser Fahrbahn greifen zum Beispiel Sommerreifen viel später als Allwetterreifen.
Risiken frühzeitig erkennen und darauf reagieren
Die Erkenntnisse helfen. Dennoch: „Könnt ihr einschätzen, wie lang der Bremsweg auf glatter, nasser Strecke ist? Ich kann es nicht“, sagt der erfahrene Trainer Stefan Prasdorf. Das ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis, die das Training vermittelt: Gefahrensituationen sind nicht völlig zu kontrollieren. Besser ist es, sie von vornherein zu vermeiden – durch angepasste Geschwindigkeit, frühzeitiges Bremsen und aufmerksames Fahren.