Quarzstaub als Gesundheitsrisiko: Schutzmaßnahmen für Beschäftigte
Wo Quarzstaub entsteht, besteht ein Gesundheitsrisiko. Umso wichtiger sind wirksame Schutzmaßnahmen – und Sicherheitsbeauftragte, die auf deren Umsetzung achten.
Geschrieben von: Sirka Sander
Datum: 10.08.2026
Das Schleifgerät dröhnt durch die Werkhalle, Funken und Staub steigen aus dem Granit auf. „Warte kurz“, ruft der Sicherheitsbeauftragte (Sibe) dem Mitarbeitenden aus der Logistik zu, der an der Tür steht, „ab hier brauchst du eine Maske!“ Denn was mit bloßem Auge kaum zu sehen ist, kann gefährlich werden: quarzhaltiger Staub, wie er bei vielen Arbeiten mit mineralischen Materialien entsteht. Quarz gehört zu den häufigsten Mineralien der Erde.
Chemisch handelt es sich um Siliciumdioxid (SiO₂), eine Verbindung aus Silicium und Sauerstoff. Je nach Verarbeitung oder Temperatur kann Siliciumdioxid in unterschiedlichen kristallinen Formen auftreten, etwa als Quarz, Cristobalit oder Tridymit. Siliciumdioxid kommt unter anderem in Sand, Beton, Naturstein oder Glas vor.
gilt als Schichtmittelwert für quarzhaltigen A-Staub bezogen auf eine Achtstundenschicht, der bei der Gefährdungsbeurteilung und zur Kontrolle der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen und einzuhalten ist.
Quelle: DGUV-Publikation „Quarzexpositionen am Arbeitsplatz – Arbeitsbedingte Exposition gegenüber Quarz“
Quarzstaub als Gesundheitsrisiko: Lungenerkrankungen vermeiden
Beim Schleifen, Sägen, Anmischen, Bohren oder Fräsen entstehen Staubpartikel, die so klein sind, dass sie bis tief in die Lungenbläschen vordringen können. Fachleute sprechen dann von alveolengängigen A-Stäuben. „Die kristallinen Partikel haben scharfe Kanten, mit denen sie das Lungengewebe verletzen“, erklärt Christian Monz, Leiter des Ingenieurwissenschaftlichen Technikums am Institut für Gefahrstoff- Forschung (IGF) der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie.
Der Körper versucht, die Schäden zu reparieren – das Gewebe vernarbt. Mögliche Folgen sind Lungenerkrankungen wie Silikose oder Lungenkrebs. „Die Oberfläche der menschlichen Lunge umfasst rund 70 Quadratmeter“, sagt Monz. „Gleichzeitig atmet ein Mensch täglich etwa 19.000 Liter Luft ein. So treffen eingeatmete Gefahrstoffe auf eine große empfindliche Fläche.“
E-Staub (einatembare Fraktion): Größere Partikel gelangen über Mund und Nase in die Atemwege. Viele Partikel bleiben bereits dort hängen.
A-Staub (alveolengängige Fraktion): Besonders kleine Partikel können bis tief in die Lungenbläschen (Alveolen) vordringen. Quarz-A-Staub gilt deshalb als besonders gesundheitsgefährdend.
Da quarzhaltige Materialien in vielen Produkten wie Uhren, Küchenarbeitsplatten oder Dekomaterial vorkommen, entstehen gefährliche A-Stäube auch in Bereichen, in denen Beschäftigte nicht unbedingt damit rechnen. Deshalb sind quarzhaltige staubförmige Produkte deklarierungspflichtig, deren Quarzmassengehalt größer als ein Massenprozent ist. Bei Tätigkeiten mit quarzhaltigem A-Staub müssen Expositionen unter bestimmten Voraussetzungen dokumentiert werden.
Informationen dazu geben Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Arbeitsmedizin oder die Berufsgenossenschaften. Bereits kleine Mengen sind problematisch, verdeutlicht der Experte: „Schon eine winzige Menge pulverisierten Quarzes, etwa so klein wie ein Fingernagelstück, würde ausreichen, um in einem großen Sitzungssaal den Expositionswert über Stunden zu überschreiten.“
Exposition von Quarzstaub durch Schutzmaßnahmen minimieren
Für Quarz-A-Staub gilt daher zur Orientierung ein Beurteilungswert von 0,05 Milligramm pro Kubikmeter Luft, bezogen auf eine Achtstundenschicht. Messungen werden von fachkundigen Messstellen durchgeführt, etwa durch Berufsgenossenschaften mit spezialisierten Instituten wie dem IGF oder kommerzielle Institute. Dabei wird die alveolengängige Staubfraktion erfasst und analysiert. „Wichtig ist auch, dass das Labor weiß, was analysiert werden soll“, so Monz. „Durch bestimmte Verarbeitungsprozesse können neben Quarz auch Cristobalit oder Tridymit relevant sein.“
Doch selbst wenn die Werte eingehalten werden, gilt bei Quarzstaub das sogenannte Minimierungsgebot. Schutzmaßnahmen müssen deshalb nach dem STOP-Prinzip umgesetzt werden. Da sich quarzhaltige Materialien häufig nicht ersetzen lassen, geht es vor allem um technische Maßnahmen. In vielen Betrieben wird mit Nassverfahren gearbeitet oder Staub direkt an der Entstehungsstelle abgesaugt. „Technische Lösungen sind zwar häufig kostenintensiv“, sagt Monz, „aber der Stand der Technik ist einzuhalten.“
Auch organisatorische Maßnahmen können wesentlich zum Schutz beitragen. Staubbelastete Bereiche sollten räumlich getrennt und deutlich gekennzeichnet werden. Sibe können darauf achten, dass Hinweise sichtbar bleiben und die Gefährdung nicht aus dem Bewusstsein der Beschäftigten verschwindet.
Außerdem können sie auf problematische Abläufe im Arbeitsalltag hinweisen. Monz nennt ein Beispiel aus der Praxis: „Häufig wird Quarzstaub aufwendig abgesaugt und in Säcken aufgefangen. Anschließend werden die Säcke achtlos entleert und ausgeschüttelt, wobei der zuvor gesammelte Staub wieder freigesetzt wird.“
- Sind staubbelastete Arbeitsbereiche räumlich getrennt und deutlich gekennzeichnet?
- Werden Arbeitsplätze staubbindend gereinigt, etwa durch Nassverfahren oder geeignete Industriestaubsauger?
- Werden Essen, Trinken und Pausen auf staubfreie Bereiche beschränkt?
- Tragen Beschäftigte den richtigen Atemschutz konsequent und korrekt?
- Werden PSA wie Schutzbrillen und Arbeitskleidung regelmäßig und staubarm gereinigt?
- Wissen Beschäftigte, wie sich Staubverschleppung vermeiden lässt?
- Sind Beschäftigte für Gesundheitsgefahren und schleichende Beschwerden wie Leistungsabfall oder Atemprobleme sensibilisiert?
- Sind die arbeitsmedizinischen Ansprechpersonen bekannt?
- Finden regelmäßige Messungen der Staubbelastung statt?
- Sind Führungskräfte über staubintensive Tätigkeiten und problematische Abläufe informiert?
Atemprobleme als Symptom der Staubbelastung
Das Gleiche passiert beim nicht zulässigen Reinigen von Arbeitskleidung und Arbeitsplätzen mit Druckluft oder beim trockenen Kehren. Die Partikel werden verwirbelt und A-Staub-Partikel bleiben lange in der Luft. „Es dauert etwa sieben Stunden, bis ein solches Partikel in ruhiger Luft einen Meter absinkt“, so Monz.
Sibe sollten darauf achten, dass geeignete Industriestaubsauger eingesetzt werden und dass Beschäftigte den richtigen Atemschutz korrekt und konsequent tragen. Je nach Tätigkeit kommen dabei FFP2-Masken oder gebläseunterstützte Atemschutzsysteme infrage.
Außerdem können sie ihre Kolleginnen und Kollegen für die Gefahren von Quarzstaub sensibilisieren, etwa mithilfe von branchenspezifischen Handlungshilfen der Berufsgenossenschaften. Schleichende Veränderungen wie Leistungsabfall oder Atemprobleme müssen ernst genommen werden.
Sinnvoll ist deshalb auch eine enge Zusammenarbeit mit der Arbeitsmedizin. Sie kann Beschäftigte über Gesundheitsrisiken und Therapien aufklären, Vorsorgeuntersuchungen begleiten und helfen, schleichende Beschwerden frühzeitig zu erkennen. „Quarzstaub macht vielleicht nicht jeden krank“, sagt Monz, „aber gesund macht er niemanden.“
Neue direktanzeigende Messsysteme können Sibe zusätzlich unterstützen. Sie warnen bereits während der Arbeit, wie hoch die Staubbelastung gerade ist, etwa über ein Ampelsystem. So lassen sich belastende Tätigkeiten schneller erkennen und Arbeitsabläufe anpassen.
Ein wirksamer Schutz vor Quarzstaub funktioniert vor allem, wenn technische Maßnahmen, klare Abläufe und fachkundige Beschäftigte zusammenspielen. Sibe können dazu beitragen, Risiken sichtbar zu machen und Schutzmaßnahmen im Blick zu behalten.