Arbeitssicherheit
Arbeiten bei Nacht: Beleuchtung bei Nachtarbeit

Arbeiten bei Nacht

Ob im Klinikum oder auf der Polizeiwache – laut Mikrozensus arbeiteten 2017 mehr als 4,5 Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig auch nachts. Für ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit spielt die richtige Beleuchtung eine wichtige Rolle.

Der regelmäßige Wechsel zwischen Tag und Nacht – mit viel Licht tagsüber und wenig bei Nacht – stabilisiert die innere Uhr des Menschen. Dieser Rhythmus sorgt für erholsamen Schlaf und eine gute Leistungsfähigkeit. Schichtarbeit hingegen kann den natürlichen Rhythmus durcheinanderbringen. Die richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz trägt dazu bei, die Auswirkungen auf die innere Uhr zu verringern.

Ausgewogenes Licht zur Beleuchtung von Arbeitsstätten

Ein optimales Beleuchtungskonzept zeichnet sich dadurch aus, dass die Beleuchtungsstärke, das Lichtspektrum und die Lichtverteilung im Raum individuell angepasst werden können. „Der Ausschuss für Arbeitsstätten empfiehlt für die Nacht Lichtquellen mit weniger als 4.100 Kelvin“, erklärt Dr. Sylvia Hubalek von der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM). Kelvin ist hierbei die Einheit für die Farbtemperatur (vgl. Grafik rechts). Bei einer Lampe von weniger als 4.100 Kelvin würde der Hersteller den Vermerk „Neutralweiß“ oder „Warmweiß“ auf die Packung drucken. Hierbei sind die Rot- und Blau-Anteile im Licht weitgehend ausgewogen. Zum Vergleich: Kerzenschein hat lediglich 1.500 Kelvin und überwiegend rote Farbanteile. Tageslicht weist eine Farbtemperatur von etwa 6.500 Kelvin auf und hat einen viel höheren Blau-Anteil.

Lichtquellen und Farbtemperatur bei Nachtarbeit

Licht mit hohen Blau-Anteilen sollte bei der Nachtarbeit nur bedingt eingesetzt werden. Die Lichtquelle sollte zudem so platziert sein, dass das Licht nicht direkt in die Augen fällt. Wenn eine Lichtquelle gerade nicht oder nur in geringer Intensität benötigt wird, empfiehlt es sich, sie auszuschalten bzw. zu dimmen. Wie stark sich Blaulicht auf den Tag-Nacht-Rhythmus auswirkt, hat das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IPA) untersucht. Es fertigte sogenannte Lichtprofile von Krankenpflegepersonal während der Nacht- und Tagschicht an. Dabei war zu erkennen, dass die Beschäftigten, die in der Nachtschicht tätig waren, sehr viel mehr Licht mit hohem Blau-Anteil ausgesetzt waren – und das auch noch zeitlich verschoben. Dadurch fehlten ihnen längere Phasen an Dunkelheit, die aber für die Synchronisation der inneren Uhr wichtig sein können und für eine gute Schlafqualität sorgen.

Mögliche Unfallgefahr durch zu geringe Beleuchtungsstärken und Blendung

Eine optimale Beleuchtung unterstützt nicht nur den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus, sondern sorgt auch für ein sicheres Arbeitsumfeld. Ungenügende Beleuchtungsbedingungen können beispielsweise zu Augenermüdung und allgemeiner Müdigkeit führen, worunter Leistungsfähigkeit und Aufmerksamkeit leiden. Auch das Unfallrisiko kann sich erhöhen. „Bei einer zu geringen Beleuchtungsstärke werden beispielsweise Stolperstellen nicht mehr schnell genug erkannt. Schlagschatten können Gefahrenquellen einfach überdecken“, so Dr. Sylvia Hubalek. Außerdem: „Auch Blendung kann zu Beschwerden sowie Arbeitsunfällen führen und sollte daher vermieden werden.“

Für die Wichtigkeit der Beleuchtung am Arbeitsplatz sensibilisieren

Wie stark sich eine ungünstige Beleuchtung bei Nachtschichten auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit auswirkt, ist vielen gar nicht bewusst. Sicherheitsbeauftragte können sowohl die Führungsebene als auch die Beschäftigten für das Thema sensibilisieren. So können sie etwa die Vorgesetzten darauf hinweisen, das Thema Beleuchtung in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen und diese begleiten. Zudem können sie selbst eine Reihe von Tipps beherzigen – und sie an Kolleginnen und Kollegen weitergeben –, wie man Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus vermeidet. Dazu gehört etwa, vor dem Schlafengehen auf Handy, Tablet und Co. zu verzichten (Stichwort: Blaulicht!) oder während der Arbeitspausen tagsüber auch mal ins Freie zu gehen. Denn das beste Mittel, um den natürlichen Rhythmus zu stabilisieren, ist das Tageslicht – und zwar zur passenden Zeit.

Weitere Informationen, auch zu Regelungen im Arbeitsschutzrecht, gibt es in der DGUV Information 215-220 „Nichtvisuelle Wirkungen von Licht auf den Menschen“

Hilfestellung bei der Umsetzung der Technischen Regel für Arbeitsstätten „Beleuchtung“ (ASR A3.4) gibt die DGUV Information 215-210 „Natürliche und künstliche Beleuchtung von Arbeitsstätten“